Haché mit Bohnen und Tomaten

Haché mit Bohnen und Tomaten © Liz Collet
Haché mit Bohnen und Tomaten © Liz Collet

Doppelt lebt,
wer auch Vergangenes genießt.

Marcus Martial

Eines der Gerichte, das es in meiner Kindheit gern bei uns zuhause gab, war “Nudelhaché”: Hackfleisch wurde dazu in wenig Öl scharf in der Pfanne angebraten und – wenn alles gut angebraten war –  mit Brühe aufgegossen, bis das Fleisch ganz bedeckt war und bei mittlerer bis starker Hitze durchgegart. Die Flüssigkeit wurde dabei wieder so lange reduziert, bis das Fleisch erneut in der Pfanne zu bräunen begann. Sodann wurden inzwischen gekochte Nudeln (Spiralnudeln, Hörnchen etc.) hinzgegeben, mit dem Fleisch vermischt und gemeinsam gebraten, bis auch die Nudeln Farbe annahmen. Zuletzt wurde mit Pfeffer und Salz, eventuell etwas Rosenpaprika gewürzt, reichlich Petersilie darüber gestreut und das Gericht zusammen mit Kopfsalat oder Endiviensalat serviert.

Als Haschee oder Haché (frz. hachée) werden heisse Speisen aus gebratenem oder gekochtem, gehacktem oder sehr klein geschnittenem Fleisch bezeichnet.

Haché mit Bohnen und Tomaten © Liz Collet
Haché mit Bohnen und Tomaten © Liz Collet

Es ist also das Fleisch mit dem “Haché” gemeint, nicht die Nudeln oder die Mischung von Nudeln mit dem Fleisch.

Bei meinem heutigen Rezept sind keine Nudeln enthalten. Dieses Rezept – ich fand es damals in irgendeiner Zeitschrift unter dem Rezeptnamen “Pikantes Hackfleischgemüse” – gehört zu einem der ersten Rezepte, die ich als Mädchen aus Zeitungen, Zeitschriften, der Bäckerblume oder dem Pendant der letzten aus der Metzgerei sammelte und auch bei Fernsehsendungen mitschrieb.

Bei uns war es en passant ganz selbstverständlich, dass – so lange ich zurückdenken kann – in Küche wie Haushalt mitzuhelfen war. Man wuchs mit dieser Mischung aus teils weniger liebsamen Pflichten (täglich den Müll rausbringen, Geschirr waschen, Schuhe aller zu putzen, Teppiche klopfen, Wäsche im Trockenraum im Keller aufhängen u.a.m.), die aber nun mal ebenso zu machen waren und zwar verteilt auf alle Mitglieder der Familie und den lieberen Aufgaben andererseits auf.

Zu letzteren gehörte natürlich, beim Kochen und Backen Handlangerdienste tun zu dürfen (Gemüse schälen, Zutaten abmessen und herrichten, Plätzchen ausstechen und backen, etc) auf und wuchs in deren Übung hinein, wie man laufen und lesen lernte. Einkaufen übrigens auch. Die ersten Schritte allein zum Bäcker und Milchmann machte ich mit rund 3 Jahren, als meine Mutter mich von der Haustüre in der Isabellastrasse drei Hausnummern weiter und an der Ecke zur Hohenzollernstrasse meine Gelbwurst und nebenan die Breze holen liess, wo sie selbst sonst auch einkaufte. Mit vier Jahren und nach dem Umzug in die neue Wohnung schickte sie mich mit einem Korb zum Edeka über die Strasse für Einkäufe mit dem Zettel los. Und mit der Einschulung auch zum REWE, der schon nicht mehr in Sichtweite, sondern unweit meiner Grundschule lag. Mich auch gegen Metzger behaupten zu lernen, die mir nicht die passenden Fleischstücke einpacken wollten, gehörte dazu, wenn ich nicht erneut und zum Umtauschen lostraben wollte. Oder wenn die Obstverkäuferin angemaschtes Obst in die Tüte schummeln wollte.

Man wuchs hinein. Zumindest als die Ältere der Geschwister. Auch in die Notwendigkeit, sich die Zeit dafür einteilen zu lernen, diese Dinge neben Schule und Hausaufgaben, Hobbies und zusätzlichen Kursen neben der Schule und mit der Freizeit unter einen Hut zu bringen. Nicht unnützlich für spätere Zeiten, als Karriere, Kanzlei, Kongresse, Kind und Küche neben anderem unter einen Hut gebracht werden sollten. Was Hänschen nicht lernt…. ist eine unmodern gewordene Redensart. Leider und schade, …eigentlich.

Man wuchs hinein. Alltäglich. Nicht in Schulstunden, wie sie heute von Eltern verlangt werden, die selbst nicht mehr imstande sind, es ihren Kindern beizubringen oder sich die Zeit und Geduld dafür nehmen zu wollen. Oder die den mehr oder weniger tatsächlich oder vorgeblich zu anspruchsvollen Schulunterricht und Umfang von Hausaufgaben vorschützen, der Kinder angeblich hindere, daheim Haushalten und Ernährung und Lebensmittelumgang zu lernen, nur um dies alles dann als weiteren zusätzlichen Schulstoff einzufordern. Finden Sie den Fehler der Logik in dieser Elternmeinung.

Früher war nicht alles besser (auch wenn mancher sich vielleicht schmunzelnd dabei ertappt, dies hin und wieder selbst zu denken), die Zeiten ändern und wandeln sich und das ist auch gut so. In manchem aber ist ein “Back to the roots” einen oder zwei Gedanken wert.

Einer davon wäre: Bringt dies oder das vermeintlich Modernere, Forschrittlichere, Angepriesene MIR selbst wirklich Mehr.WERT oder vereinfacht es wirklich Leben und Alltag oder macht es selbige besser?

Fortschritt ist nur dann wirklich gegeben, wenn er dem Menschen auch nützt. Was nutzt ein world wide 24 Stunden täglich geöffnetes web, wenn der Mensch vom Einfachsten und Alltäglichstem keinen Gebrauch mehr macht: dem eigenen Verstand und den eigenen zwei Händen und seinen Sinnen?

Davon, sich zu besinnen, was zum Elementarsten gehört: Die eigene Ernährung und wie diese mit simplen guten Zutaten und kinderleicht ohne Fast und Convenience Food zuzubereiten und zu geniessen ist? Weil sich selbst Mediziner oder Wissenschaftlicher nicht entblöden, in paternalistischem Überprotektivismus gar Warnhinweise auf Avocados vom Handel zu verlangen, weil der Mensch zu blöde ist, das Hirn oder die Suchmaschine zu benutzen, wie man eine Avocado halbiert oder schält? Anstatt diesem für sich und seinen Nachwuchs die Eigenverantwortung zuzumuten, dies selbst zu lernen, wie auch beizubringen. Kinder sollen bereits im Vorschulalter (angeblich) mit Smartphone und Internet umgehen dürfen und umzugehen lernen – aber mit Messer, Gabel und Lebensmitteln und Küchenutensilien umzugehen, ist aus der Mode. Oder allenfalls trendy mit kitchen und life hacks? Nein, früher war nicht alles besser. Aber im Trend von Minimalismus, den unsere Grosseltern aus schlichtem Mangel an verschwendbarem Geld und Gut vielfach lebten und den andere heute hypen, um 10.000 im Haushalt vorhandene Gegenstände als Ballast abzuwerfen, könnte mehr als nur ein Gedanke der Vereinfachung wie zu früheren Zeiten nicht schaden…..

Zurück zum heutigen Rezept, es ist eine Variante von Haché, die besonders im Sommer leichter ist, weil nur Bohnen hinzugefügt und mitgegart werden. Die Tomaten werden zuletzt und unmittelbar vor dem Auftragen des Gerichts nur mit untergemischt, ohne gegart zu werden.

Aus einem meiner ersten "Kochbüchl" © Liz Collet
Aus einem meiner ersten “Kochbüchl” © Liz Collet

HIER sehen Sie ein Foto meines damaligen Notizheftes, das ich ebenso wie zwei andere natürlich noch besitze. (Sehen Sie das Eselsöhrchen am Bild nach, dem Zahn der Zeit und meiner Unaufmerksamkeit der Korrektur vor dem Fotografieren geschuldet). In das dicke Heft hatte ich die Zutaten (so wie in der Zeitschrift vorgegeben) eingetragen und mit dem ausgeschnittenen und eingeklebtem Zeitschriften- und Rezeptfoto versehen hatte. Mit “Fett” war Öl oder Butter für die Pfanne gemeint, mit  “Paprika” war natürlich Paprikapulver. Und wie Sie sehen, wurden laut Rezept Bohnen aus der Konserve verwendet. Ich war 14, als ich es aufkritzelte und ein paar Tage später erstmals zubereitete. Seither gab es das auch regelmässig in meinem Elternhaus.

Neben Rezepten, die ich mir aus Zeitungen und Zeitschriften oder aus dem Fernsehen ab- oder mitschrieb, enthalten diese meine Hefte mit “Kochrezepten” und “Backrezepten” auch die aufgeschriebenen Rezepte, die ich mir selbst ausdachte und ausprobierte und solche, die in der Familie weiter gegeben wurden, von meinen Grosseltern beispielsweise.

Meine Handschrift veränderte sich mit der Zeit. Und auch dieses wie andere Rezepte wuchs über das Nachkochen nur der einen Variante hinaus. Wer Handwerk und Werkzeuge beherrschen lernt, kann kreativ mit beidem und weiteren Zutaten umgehen. Das ist das Schöne nicht nur beim Backen, sondern auch Kochen. Rezepte sind offen für Änderungen oder Varianten, je nach Saison und Zutaten. Anstelle von Bohnen aus der Konserve verwende ich längst entweder zur Erntezeit frische und blanchierte Bohnen oder im übrigen Jahr Bohnen aus dem TK-Fach, die in der Erntezeit dort eingelagert werden; Sie können auch TK-Ware aus dem Handel verwenden.

Im Laufe der Zeit wandelte ich es hin und wieder ein wenig ab, sei es mit unterschiedlichen Kräutern oder Erbsen statt Bohnen, mit Lauch oder Karotten oder beidem, mit Zucchini (grüne u/o gelbe)  oder durch Kombination mit Streifen von buntem Gemüsepaprika. Oder – wie heute – einfach durch zwei bis drei Esslöffel Joghurt, der dem Haché mit den frischen Tomaten einen leichten Touch verleiht. Von welchem Tier das Hackfleisch stammt, ist ebenso variierbar.

Verwendet man beispielsweise Lammhackfleisch anstelle von Rind, Schwein oder einer Mischung beider passt als Gewürz neben Rosmarin oder Thymian auch etwas Knoblauch gut und etwas Zitronensaft oder -abrieb für den Joghurt.

Variiert man das Rezept mit Wildfleisch, sind ansteller der Bohnen Steinpilze, Reherl (Pfifferlinge), aber auch Egerlinge oder Champignons eine feine Kombination mit dem Fleisch und den Tomaten, zu der als Gewürz neben Pfeffer, Salz und einer Prise Rosenpaprika Petersilie passt.

Heute habe ich schlicht das Basisrezept mit Hackfleisch, Zwiebel, Bohnen und Tomaten zubereitet und mit Radieschen, roten Kopfsalatblättern, Radieschen, Naturjoghurt und Basilikum serviert.

Haché mit Bohnen und Tomaten © Liz Collet
Haché mit Bohnen und Tomaten © Liz Collet

Das Gericht ist binnen einer Viertelstunde zubereitet und daher auch ideal als Mahlzeit für die Büromittagspause  Zum Zwölfeläuten.

Tipp:

Wenn Sie gekochtes Rindfleisch oder Suppenfleisch oder sonst einen Rest Braten oder Fleisch haben, können Sie dieses anstelle des frischen Hackfleisches in Streifen oder gewürfelt braten und auf diese Weise Reste verwerten und das Rezept damit variieren.

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