Schwammerlgmias mit Bädasui und Brot {Schwammerlgemüse oder -Gulasch mit Petersilie und Brot}

Schwammerlgulasch © Liz Collet
Schwammerlgulasch © Liz Collet

Der Geist einer Sprache
offenbart sich am deutlichsten
in ihren unübersetzbaren Worten.

Marie von Ebner-Eschenbach

Wer regelmässig oder schon länger bei mir hereinblinzelt, weiss um meine Vorliebe für Schwammerl. Die heissen im nichtbajuwarischem Sprachraum, also ausserhalb Bayerns, Pilze. Und gemeint sind Wild-, Wald- und Wiesenpilze ebenso wie Zuchtpilze. Nichts aber ist so schön wie die Farbe von Dialekten. Bayerischen wie anderen. Nichts hat soviel Klangfarbe und Wärme und gibt allem Gefühl und Zwischentöne, was Menschen Heimat bedeutet, wie Dialekt. Das gilt nicht nur für bayerischen, wohlgemerkt. Wenn Sie schon einmal eine Liebeserklärung oop Platt bekommen haben, wissen Sie, wovon ich rede.

Jeder, der noch eines, seines eigenen heimatlichen Dialektes fähig und diesen von Kind an vertraut ist, weiss es auch. Anderen wird man es nur noch schwerlich beibringen können, auch wenn es Versuche gar mit Unterricht in der Schule dazu gibt. Über deren Sinn kann man unterschiedlichster Meinung sein. Verstehen werden Kinder so vielleicht Worte lernen. Eigen, zu eigen, heimatlich verwurzelt zu eigen werden sie es damit nicht – meiner Meinung nach. Umgekehrt wäre es anders: Wenn Kinder von daheim, aus dem Elternhaus, aus der eigenen Familie noch mit Dialekt aufwachsen und zugleich auch Schriftdeutsch lernten.

Ich kann das guten Gewissens aus eigener Erfahrung sagen. Meine ganze Familie war mit Münchner und bayerischem Dialekt verwurzelt und verwachsen und mir ist beides damit von jeher vertraut. Gleichzeitig achtete mein Vater aber sehr darauf, dass ich auch Schriftdeutsch lernte und sprach, weil er selbst und bei seiner Ausbildung an Kollegen gesehen hatte, wie viel schwerer vor allem bei Sprachen es denen fiel, die “nur” Dialekt sprachen. So korrigierte er mich geduldig, wenn ich wie er und alle anderen aus der Familie “grea” plapperte, dass es “grün” heisse und ich es oftmals übermütig dann grad mit Fleiss weiterhin sagte, um ihn zu necken und zu tratzen. Er nahm’s mit Humor, wusste genau, ich konnte beides und es war nur Gaudi und Übermut, wenn ich daheim mal so mal so plapperte.

Wer beides kann, kann auch damit spielen und es nutzen, wie es ihm und wann es ihm lieber und passender ist. Sprache ist Mittel, Brücke zwischen Menschen, Werkzeug und Instrument, das als solches selbst verfeinert und damit vielfältiger und raffinierter einsetzbar ist. Und als Werkzeug eingesetzt anderes gestalten, verhandeln, erreichen lässt. Wer sein Werkzeug beherrscht, kann es, darf es auch verwutzeln, verhutzeln und damit spielen und jonglieren und aus den verschiedenen Zutaten mischen, wie in der Küche auch.

Vor allem, wann mit welchem Sprachschatz was am besten vermittelbar ist, was man ausdrücken möchte. Manchmal muss man mit Menschen in der Sprache reden, die ihnen eigen und vertraut ist. Wie ihnen der Schnabel – wenn man so will – gewachsen ist. Ich habe damit lustige und interessante Erfahrungen gemacht auch in meinem eigentlichen Beruf als Anwältin und Juristin, sowohl mit “hochdeutscher” Sprache, als auch Dialekten und nicht zuletzt auch bei Kongressen mit Fremdsprachen. Aber das sind eigene Geschichten und auch Anekdoten. Ein buntes, mal ernstes, mal heiteres Potpourri dessen, wie Sprache und Dialekte Gespräche und Verhandlungen, ja sogar wissenschaftliche (rechtliche, medizinische) Diskussionen erleichtern und Hürden ebnen können.

Recht behielt mein Vater also ohnehin. Und ich lernte nicht nur die Fremdsprachen, die ich auf dem Gymnasium hatte und mit denen ich auch mein Abitur als Hauptfächer machte, sondern noch drei weitere neben der Schule. Einfach weil mir Sprachen Spass machten. Nicht unbedingt Grammatik, deren Regeln man halt lernen muss. Aber Wortschatz, Orthograpie auch der Fremdsprachen und akzentfreie Aussprache fielen mir leicht.

Und was für Fremdsprachen galt, das ist für Dialekte nicht anders. In Dänemark und von Skandinavien aus hat sich ein schon warm klingendes und für Wärme, Heimeligkeit, Gemütlichkeit und Behaglichkeit stehendes Wort und ein Trend hinter dem Wort auszubreiten begonnen: Hygge, hyggelig. Und so wie mit diesem Wort ist es mit vielen, die auch in Dialekten liegen, im Sprach-SCHATZ, der brachzuliegen droht, wenn er ungenutzt und ungebraucht nicht mehr gebraucht scheint und unterzugehen droht. Nur ein Weg ist vorhanden, dem wenigstens nicht auch noch Vorschub zu leisten: Sprach-SCHATZ nicht verbuddeln, sondern nutzen. Im Alltag. Nicht nur in einzelnen Schulstunden. Sondern jeden Tag und alltäglich. Man erzähle mir nicht, Kindern überfordere es, wollte man sie nicht entweder Dialekt oder Schriftdeutsch, sondern zu beidem parallel erziehen! Wer es für sinnvoll hält, dass Kinder bereits im Vorschulalter Englisch, Französisch oder gar Chinesisch lernen sollen (letzteres habe ich ernsthaft bei anderen Eltern in der Kindergartenzeit meines Sohnes schon vor rund 20 Jahren miterlebt), kann mir nicht logisch erklären, dass Kinder nicht auch zu Dialekt und Schriftdeutsch (oder Hochdeutsch, wie manche es nennen) fähig und davon überfordert wären.

Das Problem liegt eher bei Eltern heutiger Kinder, wenn diese oder einer von beiden nicht mehr Dialekt kennen und es alltäglich sprechen. Wenn Dialekt nur noch à la carte (mehr oder weniger richtig oder falsch geschrieben und gesprochen eh) von Restaurants und Gasthöfen steht oder à la carte eines Schulstundenplans. Wobei immerhin über regionale und klassische alte Rezepte immerhin noch wunderbare Worte der Dialekte Daseinsberechtigung erfahren. Auch wenn es den Gästen und Geniessern längst und oftmals an der eigenen Fähigkeit und Kenntnis fehlt, diese zuzubereiten. Aber das ist wieder ein eigenes Dilemma.

Zurück zu den Schwammerln. Das heutige Gericht heisst bei den einen Schwammerlgmias (Schwammerlgemüse), bei den anderen Schwammerlgulasch. Beides ist insofern heiter und irreführend, weil Schwammerl botanisch kein Gemüse, sondern eine eigene Art sind und weil in dem Gericht auch keine Faser und kein Gramm Fleisch enthalten ist. Beide Begriffe beschreiben eher die Art der Zubereitung, die ähnlich der eines Kartoffelgemüses oder eben Gulaschs ähnelt:

In einem Topf werden in wenig Öl, Butter oder Schmalz klein gewürfelte Zwiebeln glasig angeschwitzt, dann die geputzten und in Scheiben geschnittenen Champignons (oder andere Pilze) hinzugefügt und mit angebraten, bis sie Farbe nehmen. Ein wenig Mehl wird darüber gestäubt, mit angeschwitzt und dann sacht – damit sich keine Klümpchen bilden – Milch unter Rühren angegossen. Aufkochen lassen, Flüssigkeit reduzieren lassen und nach ca. 5-10 Minuten ist das Gericht bereits gar. Ein Löffel vom Rahm der Sahne (am besten das “Feste”, das oben auf der Sahen aufg’rahmt hat) untermischen und dann wird abgeschmeckt mit Salz, Pfeffer und viel frischer Petersilie (Peterl, Bädasui). Und schon kann angerichtet werden in einem Suppenschüsserl oder Teller oder wie bei mir heute in einer meiner Lieblingstassen einer Murnauer Keramikwerkstatt, die rund 500 ml Flüssigkeit fasst. Und für Tee, Kaffee, Kakao oder Suppe ebenso wie für ein Ragout oder Süßspeisen zum Servieren gern taugt.

Dazu gab’s Brot vom Lieblingsbäcker nebenan.

Mehr Bilder vom heutigen Gericht füge ich später noch ein – heute geht Werkeltischarbeit vor Bildverarbeitung der bereits geschossenen Bilder.

Mehr Gerichte rund um Schwammerl – eine kleine Auswahl hier:

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