Dreikönigstag und eine süsse Versuchung

Dreikönigskuchen © Liz Collet
Dreikönigskuchen © Liz Collet

Wer aus dem Weizen
einen Kuchen haben will,
muß das Mahlen abwarten.

William Shakespeare

Manchenorts sind sie heute unterwegs, hier am Ort waren sie es bereits in den letzten beiden Tagen – die Sternsinger, die für die Heiligen Drei Könige stehen.

Durch hohen Schnee zogen sie auch an der kleinen Lindenburg nicht vorbei, ohne Neujahrswünsche bei uns und  Kreidezeichen an der Türe hinterlassen. Statt drei waren es fünf kleine Heilige Könige, die sich wacker durch den Schneefall von Tür zu Tür sangen, mit einer Keksdose als Schatzkästchen, die wie ein Sparschweinchen einen Schlitz für freundliche Gaben bekommen hatte. Weihrauchduft durchzieht wie jedes Jahr das Haus sacht. Auch die Rauhnächte gehen mit dem Dreikönigstag nun zu Ende, in deren Zeit traditionell der weitere Brauch des Hausräucherns gepflegt wird. Elfie Courtenay aus Ohlstadt, die Sie in dem kleinen Videobeitrag des BR sehen, ist hier im Blauen Land auch bei Wildkräuterführungen und häufig im Kräuter-Erlebnis-Laden des Klosters Benediktbeuern anzutreffen. Sie hat als Kräuterpädagogin ein umfassendes Wissen über Wildkräuter, das sie gern bei Führungen in der Natur vermittelt.

Auch der Lauf der Perchten an den Tagen und zu den Nächten der Rauhnächte ist hier verbreitet.

Der Dreikönigstag selbst am 6. Januar ist hierzulande der letzte oder einer der letzten freien Tage der Winterferien und des Winterurlaubs. Gesetzlicher Luxusfeiertag, weil nur in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen. Das neue Jahr 2017 hat nicht nur wie jedes Jahr ein paar extra Feiertage in Bayern, sondern diesmal und einmalig dem Reformationsjahr geschuldet und gewidmet einen zusätzlichen gesetzlichen (und btw. stillen!) Feiertag in allen Bundesländern am 31.10.2017, dem Reformationstag.

Dreikönigswetter
Dreikönigswetter

In diesem Jahr liegt der Dreikönigstag ideal vor einem Wochenende und wer nicht ohnehin Urlaub hat, kann eines der ersten “langen Wochenenden” geniessen.

Bei einem so sagenhaftem Dreikönigswetter, wie es auch heute allerortens in der Region und auf der Zugspitze mit dem skurril vereistem Baukran anmutet, ist der Feiertag schon wettermässig Genuss pur.

Wer es sich auch versüssen mag, dem könnte dieses Rezept des Dreikönigskuchens Freude machen. Galettes des Rois wird in Frankreich üblicherweise mit schön verzierten Mustern und aus Blätterteig gebacken. Beispiele solcher Blätterteigrezepte habe ich HIER und DORT für Sie entdeckt, welche die Zubereitung erläutern.

Die Geschichte der Galette des Rois geht auf zwei Ursprünge zurück:

Zum einen auf die römische Saturnwoche, ein 7-tägiges Fest, bei dem üblicherweise die Kinder mit Kuchen beschenkt wurden. Der Termin fiel mit der Zeit der Lehnsabgaben zusammen, und der Kuchen erhielt daher den Namen „Königskuchen“.

Der zweite Ursprung geht auf das Konkordat von 1801 zurück, das als Datum für das Epiphaniasfest (Erscheinungsfest/Heilige Drei Könige) den 6. Januar festlegte. Das Epiphaniasfest gedenkt des Besuchs der Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar, die gekommen waren, um dem Jesuskind die Geschenke Myrrhe, Weihrauch und Gold zu bringen. Ihren Weg zur Krippe in Betlehem fanden die Heiligen Drei Könige, indem sie dem Stern folgten, der ihnen den Weg wies.

Diesem Doppelursprung ist die heutige Tradition zu verdanken, eine „Königstags-Galette“ untereinander zu teilen. In der Galette ist eine Fève (dicke Bohne) genannte kleine (Porzellan-)Figur eingebacken. Wer in seinem Kuchenstück die Figur oder die Bohne findet, wird mit einer Pappkrone gekrönt und ist König für einen Tag. Er darf sich seine Königin aussuchen, die sich auch eine Krone aufsetzen darf. Immer wenn der König sein Glas zum Mund führt, müssen alle Familienmitglieder „Le roi boit“ (Der König trinkt) ausrufen, eine für Franzosen schwierig auszusprechende Wortkombination. Der Brauch wird vor allem in Familien mit Kindern und in Kindergärten gepflegt.

In einigen Familien legt man das „Armenstück“ oder das „Liebe-Gott-Stück“ beiseite, um es unvorhergesehenen Besuchern zu geben.

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von „Galette des Rois“, la brioche (Hefeteig) und galette feuilletée (Blätterteig).

Bei uns werden oftmals auch Dreikönigstorten und zu diesem Anlass als Rezepte angeboten.

Für einen Dreikönigskuchen die Krone zu finden, ist kein Problem, wer sie nicht aus Goldpapier basteln mag, findet bei Faschingszubehör und Spielwarenabteilungen Passendes. Für den König gibt es entweder passende Porzellan- oder Gipsfigürchen.  In vielen Rezepten findet man stattdessen eine Bohne, eine Münze oder eine Porzellanfigur.

Ich mag den Dreikönigskuchen aus Hefeteig besonders gern. Und bei mir ist der „König“ eine blanchierte Mandel. Erstens schmeckt sie dann auch und ist hygienischer als eine Münze etwa einzubacken. Und zweitens wird bei mir der Dreikönigskuchen mit Hefe gebacken und mit Mandeln aussen verziert, so dass dann nicht nur der eine Finder der Mandel „König“ ist, sondern alle königlichen Mandelgenuss beim Kuchen haben.

Mein Rezept zum Dreikönigskuchen ist heute folgendes:

375 g Mehl
30 g frische Hefe
Mark einer Vanilleschote
etwas Abrieb einer Zitrone
80 g Zucker
50 g zerlassene Butter
Prise Salz
190 ml Milch
1 Ei
60 g in Rum eingelegte Rosinen

1 ganze blanchierte Mandel zum Verstecken im Kuchen und einige halbierte blanchierte Mandeln zur Verzierung

etwas zerlassene Butter zum Bepinseln vor dem Backen (ca 10 g)

2-3 El Marillenmarmelade zum Aprikotieren

Und so wird er gebacken:

1.
Zerlassen Sie Butter in einem Haferl oder Topf und lassen Sie diese dann wieder auf Zimmertemperatur abkühlen.
2.
Erwärmen Sie etwas von der Milch in einem Haferl auf Handwärme.
3.
Vermischen Sie die zerbröckelte, frische Hefe in der bis handwarmen Milch, bis sie sich darin gut aufgelöst hat.
4.
Geben Sie Mehl, Vanille, Zucker, Zitronenschale, Salz in eine grosse Schlag- oder andere Schüssel, bilden Sie in der Mitte eine Kuhle, fügen Sie die Milch dort hinein und verrühren Sie diese mit ein wenig von dem Mehl für den Vorteig (Gangerl). Decken Sie die Schüssel ab, lassen Sie den Vorteig 15 Minuten gehen.
5.
Anschliessend geben Sie unter Rühren die weitere Milch, dann das Ei und zuletzt die Butter und die Rosinen hinzu und verarbeiten diese Zutaten zu einem glatten Hefeteig. Decken Sie den Teig dann erneut mit einem sauberen Tuch ab und lassen Sie ihn rund eine Stunde an einem warmen, zugfreiem Ort in der Küche gehen, bis seine Grösse sich verdoppelt hat.
6.
Geben Sie den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche und kneten Sie ihn nur einmal kurz durch, formen Sie ihn zu einer Rolle und teilen Sie ihn in 7 Partien. Rollen Sie diese zu Kugeln und verstecken Sie die blanchierte Mandel in einer von diesen.
Legen Sie die Teigstücke zur Form wie oben im Bild, also 6 Kugeln um eine in der Mitte auf ein gebuttertes Backblech und lassen Sie diese unter einem Tuch erneut 10 Minuten gehen . Dann mit 1 El zerlassener Butter bepinseln und blanchierte Mandelhälften darauf stecken.
7.
Backen Sie den Kuchen bei 175-180 ° goldbraun, aprikotieren Sie ihn dann noch heisst mit 2-3 El erwärmter Aprikosenmarmelade und lassen Sie ihn dann abkühlen.
Sie können dann noch etwas Zuckerguss oder Puderzucker darüber geben, bevor Sie ihn mit dem Krönchen servieren. Wer die Mandel in seinem Stück findet, ist der König und darf bestimmen, was den Tag gemacht wird.

So, ….. nun wird es Zeit für eine Kanne meines Lieblingstees….. und ein Stück des Kuchens. Über das, was die Jagdfährte als Spuren und Jagdbeute ergab, erzähle ich Ihnen dann bei nächster Gelegenheit mehr. Und an eine Galettes des Rois wie diese wage ich mich dann vielleicht nächsten Dreikönigstag.

Bildquelle Dreikönigskuchen © Liz Collet

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