Kartoffelsuppe – mit geröstetem Brot und Petersilie und Erich Kästner

Kartoffelsuppe mit Petersilie © Liz Collet
Kartoffelsuppe mit Petersilie © Liz Collet
’’Das Essen ist einer
der vier Zwecke des Daseins.
Welches die drei anderen sind,
darauf bin ich noch nicht gekommen.‘‘
Charles Baron de Montesquieu

Als Kind war der Herbst meine einzige und absolute Lieblingsjahreszeit.

Das ging bis in die Studienzeit so weiter und hatte unter anderem den Grund, dass ich Kälte mehr als Hitze mag und der Herbst anhaltenderes Wetter für das bot, was mir bei allem lieb war, das man draussen unternehmen kann – Wandern, Radfahren, Schwimmen (ja, das auch) und vieles anderes mehr.

Der Himmel und das Land haben ihre ganz eigenen Farben und Stimmungen. Ich liebe das Schlendern durch raschelndes Laub, das bereits zu fallen beginnt. Und an diesen nicht mehr so drückend heissen, aber mal sonnigen, mal herbstlicheren Tagen über Wiesen und in Wäldern zu laufen, an Seen und auf dem See zu sein. In die Schwammerl zu gehen, Bucheckern, Nüsse, Kastanien und Eicheln zu klauben und den viel weiter reichenden Ausblick geniessen zu können, den das Wetter dann bis in die Berge erlaubt. Unbeschreiblich der Anblick des Grossen Ahornbodens dann in der Eng oder anderes.

Zudem lässt sich die Natur dann eher nicht so überfüllt geniessen, wenn die Sonnenbrätlinge nicht mehr an Ufern der Seen und Flüsse im Weg auf den Wiesen liegen und man die schönsten Plätze und Fleckerln ganz, fast ganz für sich haben kann. 

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Biokartoffeln, Buchenholztisch, Berghütte © Liz Collet

Es duftet nach Laub, nach Ernte und Kartoffelfeuern. Und morgens liegt Nebel in Fetzerln über der Wasseroberfläche von Seen, Flüssen, Bächen und Wiesen und hierzulande besonders über dem Moos und in den Bergen. Frischer ist es morgens und der Tau auf Wiesen ist barfuss besonderes Vergnügen. Nicht nur auf dem Weg ins Wasser des Sees, morgens zumal.

Es duftet nach einzukochenden Zutaten und fruchtiger Süsse von Konfitüren und erdigen Lebensmitteln, die nun mit der Ernte in die Vorratskisten und -kammerl und -keller wandern. Wurzelgemüse und — natürlich Kartoffeln.

Und nichts trifft es so gut, wie die Gedichte Kästners für die Monate Juli bis Oktober in seinem “13 Monate”-Gedichtband, wenn ich es auszudrücken versuchen wollte, warum ich diese Monate besonders liebe. Wenngleich jedes andere seiner 13 Gedichte um jeden der Monate nicht minder treffend und schön ist.

September

Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.

Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend ziehn die braunen
und bunten Herden in den Stall.

Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.

Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.

Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Die Karussells drehn sich im Kreise.
Und was vorüber schien, beginnt.

Erich Kästner, aus “13 Monate”

Die Zeit der Suppen beginnt auch für diejenigen wieder lieber, die ihnen im Sommer weniger abgewinnen mögen. Und die ersten Kürbisse locken orange-golden, in Einkaufskörbe kullern zu dürfen.

Bei mir darf es heute Kartoffelsuppe sein, die aus geschälten, klein gewürfelten mehligkochenden Kartoffeln zubereitet wird. In wenig Wasser mit fein gehackten Stengeln der Petersilie zusammen gegart, ein Stich Butter und Milch daran und püriert, mit Salz, Pfeffer, Prise Rosenpaprika abgeschmeckt. Wer mag, gibt eine Prise Muskat dazu. Petersilienblätter fein gehackt darüber und das Mittagessen ist fertig.

Einen Teil der Kartoffeln kann man unpüriert als Einlage servieren.

Kartoffelsuppe mit geröstetem Klosterbrot und Petersilie © Liz Collet
Kartoffelsuppe mit geröstetem Klosterbrot und Petersilie © Liz Collet

Habe ich Brot, das schon zwei bis drei Tage alt ist, liefert es in der Pfanne in Würfeln, Streifen oder anderen Stücke geschnitten und in wenig Butter, Öl oder Schmalz geröstet ebenfalls eine knusprige Einlage für die Suppe.

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Heute war das etwas von dem Klosterbrot der letzten Tage.

Suppenschalen | Alfred Meakin, Staffordshire , 'Romance' , pink | rot © Liz Collet, Suppenschalen | Alfred Meakin, Staffordshire , 'Romance' , pink | rot {Flohmarkt-Schätzchen}
Suppenschalen | Alfred Meakin, Staffordshire , ‘Romance’ , pink | rot © Liz Collet

Die Suppenschüsseln sind mir unvermutet am letzten Wochenende beim Murnauer Höllischem Flohmarkt in die Hände gefallen. Der war besonders höllisch, weil von den eigentlich drei ursprünglich terminierten Flohmärkten zwei wegen Schnee bzw Regen abgesagt worden waren. Nun wollten offenbar alle die auch einen Stand haben und ihren Krusch und Kram und (teils wirklich mehr) Krempel loswerden, die ihn nicht schon zuvor loswerden hatten können und damit Bares für Rares erzielen. Eng gedrückt und zusammengerückt boten sich kaum Gassen zum Durchkommen zwischen den Tischen. So manches Erstaunliche konnte man sehen und entdecken, manches Brauchbare auch, doch eben auch jede Menge Zeug, über das wir Mantel des Schweigens legen. Bei Kinderkleidung und anderer auch konnte man aber viele sehen, die für kleine Münzen glücklich “neue” Stücke erbeuteten.

Unvermutet fand sich dann auf den letzten Metern für mich ein Schätzchen – genauer ein Duett, das wie neu und ungebraucht aussah:

Suppenschalen | Alfred Meakin, Staffordshire , 'Romance' , pink | rot © Liz Collet,Suppenschalen | Alfred Meakin, Staffordshire , 'Romance' , pink | rot {Flohmarkt-Schätzchen}
Suppenschalen | Alfred Meakin, Staffordshire , ‘Romance’ , pink | rot © Liz Collet

Ein ähnliches Geschirr – auch nur einzelne Stücke – hatte ich als “Ausstattung” für mein erstes Studentenzimmer von meiner Grossmutter bekommen, die es wiederum von “Barons” bekommen hatte, als diese sich neues Geschirr anschafften. Speiseteller, Dessertteller, Suppenteller, Teetasse und Kaffeekanne hatte ich damals so bekommen. Stücke, die sich mit anderen einzelnen weissen Tellern und Haferltassen und bunt gemischtem Besteck mischten und in einem Fach des Schranks in meinem Studentenzimmer für mich mehr als genügten.  Ich erinnere mich nicht an den Namen des damaligen Geschirrs, das nach und nach später den Weg des Irdischen ging oder im Studentenzimmer dbmS landete. Die beiden nunmehrigen Suppenschalen und deren Unterteller ähneln ihm – doch ausschlaggebend, sie mitzunehmen war nicht Sentimentalitis (höchstens ein bisschen), sondern die Notwendigkeit für Foodfotografie immer mal wieder anderes Geschirr ins Bild rücken zu können, in welchem man die Speisen präsentiert. Dass Country Cottage, French und Shabby Style in der Food- und Rezeptfotografie im Trend liegen, verlangt auch hier seinen Platz zu finden.

Und ganz entscheidend der unschlagbare Schnäppchenpreis von 2 Euro für beide zusammen, die keinerlei Nutzungsspuren haben. Ein Glücksschnäppchen, das ich mir selbst schenkte. Aus Gründen. Einmal im Jahr darf man sich selbst eine Freude machen.

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