Brot.Zeit.Glück V.

Klosterbrot © Liz Collet
Klosterbrot © Liz Collet

Dieses Klosterbrot ist mir bei einem der letzten Marktgangerl am Ort in den Einkaufskorb gefallen, als ich ein Paket beim Postamt am Ort aufzugeben hatte. “Postamt” ist ein dehnbarer Begriff heutzutage und ein bisserl old school auch. Denn “amtlich” ist die Post seit ihrer Privatisierung vor geraumer Zeit eh nicht mehr wirklich zu nennen. Und so mancher mehr oder weniger kleinere Ort hat damit zu kämpfen, wenn Mitarbeiter derjenigen Poststellen ausfallen, welche eigentlich dort arbeiten, wie im “Zwei-Seen-Land” (Kochelsee und Walchensee) immer mal wieder (siehe hier und da und dort )

In Murnau gab es einst ein hübsches Postamt, das ich noch lebhaft besucht kenne, als wir seit 1992 hier im Blauen Land jedes Jahr im Winter und auch oft im Sommer und zwischendurch mal Urlaub machten oder sonst auf einen Ausflug hergekommen sind. Das Gebäude des Postamtes steht – auch nachdem es seit 2010 nicht mehr als Postfiliale betrieben wird –  noch und zwar vis-à-vis des Kultur- und Tagungszentrums an der Kreuzung Kohlgruber-Bahnhofstrasse/Burggraben/Postgasse. Genauer: auf der Ecke Bahnhofstrasse/Kohlgruberstrasse selbiger Kreuzung. Dort wird derzeit rege alles an Strasse und Erdboden aufgerissen, was Bagger und Bauschaufeln hergeben, weil auch vor dem Kultur- und Tagungszentrum alles ein bisserl schöner werden soll.

Seit ein paar Jahren dient als “Postamt” eine Poststelle im Eingangsbereich eines der Supermärkte, bei Feneberg nämlich. Und während man dort darauf wartet, kann man dem Betrieb an den Kassen zusehen. Manchmal duftet es ein bisschen nach Äpfeln der Region, die es “VonHier” gibt zur Erntezeit. Und die in den bei Supermärkten in den gleich nach dem Eingang zu findenden Obst- und Gemüseabteilungen angeboten werden. Oder man lässt die Augerln über Regale des Brotregals spazierengehen und durch die Ladentheke der Backwaren, welche Feneberg verkauft und zwar aus eigener Fertigung.

Das alte Postamt in Murnau am Staffelsee wurde übrigens 1923 errichtet und ist – dank Eintrag als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste – noch zu sehen und sehenswert mit seinem zweigeschossigen, historisierendem Satteldachbau mit Treppengiebeln. Es wurde von den Münchener Architekten Franz Holzhammer, Robert Vorhoelzer und Sigmund Schreiber erbaut. Das Gebäude besitzt ein Wandgemälde um das spitzbogige Portal, das den Blick lohnt. Vor dem Postamt noch eine der wenigen Telefonzellen. Die meisten schwinden aus dem öffentlichen Raum, weil – vermeintlich – eh jeder ein eigenes Telefon in der Tasche habe. Dass man auf solche hin und wieder aus mehr oder weniger planbaren oder unvorhersehbaren Gründen angewiesen sein kann, habe ich nach meinem Umzug hierher erlebt. Und die Telefonzelle vor dem Alten Postamt war mir da so sehr Hilfe, wie ein Internetzugang, den ich in der kleinen Bücherei nutzen durfte, die gegenüber im Kultur- und Tagungszentrum zu finden ist.

Zurück zum Brot, das einen beim Warten für Paketpostaufgabe ins Auge fällt. Und manchmal in den Einkaufskorb. Diesmal: Klosterbrot, ein mit gemahlenen Gewürzen verfeinertes Brot mit einer röschen Kruste.

Bei mir bleibt Brot nie wirklich übrig. Ich kaufe nach Bedarf und verbrauche es auch bis zum letzten Krümel. So wirklich altbacken oder trocken kann es nicht werden. Zumal ich zu denen gehöre, die Gerichte wie Brotsuppen verschiedenster Art ebenso lieben, wie geröstete Brotscheiben mit Spiegelei oder andere Rezepte, in denen nicht mehr ganz und gar frisches Brot Verwendung finden.

Klosterbrot halbieren und vierteln © Liz Collet
Klosterbrot halbieren und vierteln © Liz Collet

Ich habe zudem die Angewohnheit, einen Teil frisch eingekauften Brotes nach dem Einkauf einzufrieren. Das ist praktisch, um jederzeit ein wenig Vorrat zu haben. Nicht nur, weil ich darauf zurückgreifen kann, wenn einer der Lieblingsbäcker seine jeweiligen Betriebsferien einlegt oder für die Tage, an denen er geschlosssen hat, wie beispielsweise der Bäcker im übernächsten Haus montags. So kann ich auch unterschiedliche Brotsorten in den Mengen nach Lust und Laune aus dem Vorrat holen und habe damit Abwechslung. Entscheidender aber ist, dass ich sehr gern ganze und auch grössere Laibe Brot von guten Bäckern kaufe. Manchmal am Ort hier, aber auch wenn ich unterwegs bin und bei Bäckereien nur dort zu bekommende Brote und Kleinbackwaren des jeweiligen Handwerksbäckers kaufe. Mit oder ohne eigenem Auto – man fährt ja nicht jede Woche in die Nachbarorte zu dortigen Bäckereien, die ein Brot backen, das es nur dort gibt, wie beispielsweise das Waldstaudenkornbrot aus 100% Ammertalgetreide in Bad Bayersoien. Das bekommt man halt nur in Bad Bayersoien, Bad Kohlgrub, Oberammergau oder wenn man das Glück hat, an der Route des Verkaufsmobils der Bäckerei Brandmeier zu leben. Ich nehme es mir mangels eigenem Auto gern dann mit, wenn ich z.B. Termine in Bad Kohlgrub oder Oberammergau habe und eh mit dem “Eisenbähnle” dorthin fahre.

Auf dem Weg von Murnau nach O'gau © Liz Collet, Bahnlinie, Bahn, Bahnstrecke, Murnau, Bad Kohlgrub, Bad Bayersoien, Oberammergau
Auf dem Weg von Murnau nach O’gau © Liz Collet

So auch bei Brot von Bäckern anderer in der Region gelegener Orte.

Ich gebe zu, das ist ein Faible von mir, weil ich gutes Brot einfach liebe. Hierzulande.Und ein bisschen bin ich wohl auch frühkindlich konditioniert darauf – von klein auf mit meinen Grosseltern und vor allem meinem Grossvater in seinem bordeauxrotem R4 unterwegs: Über die Dörfer im Pfaffenwinkel, Allgäu und bis nach Österreich wusste er ganz genau, wo und wie er die besten Schmankerl fand und wo es sie gab und wo er sie einkaufte. Zu denen neben Brot auch “Zeilen” und “Stengel” einer Bäckerei in Lermoos, besonders gutes Geräuchertes und Hartwurst aus Österreich, aber auch Landjäger in einer Metzgerei im Pfaffenwinkel und im Fünf-Seen-Land gehörten, die dann aufgehängt am Haken in der Speisekammer weiter lufttrockneten und peu à peu schnabuliert wurden. Oder Käse von Höfen und Käsereien und Brot aus Landbäckereien. Aber auch Fisch, frischer und geräucherter. Und vieles anderes mehr. Ich liebte diese Ausflüge über’s Land und wenn auf dem Rücksitz 4 kg Laibe Brot nur auf Papier lagen, weil sie noch heiss aus dem Ofen gekommen von uns erbeutet die weitere Fahrt lang im Auto mit dem unvergleichlichem Duft von gutem Brot verströmten.

Und nicht erst, als ich meine eigene Familie hatte, hielt ich es mit ihm gewohnt war, keine Termine, Ausflüge und Urlaub hierzulande, bei denen mein eigenes Auto dann nicht ebenso aromatische Düfte von guten Lebensmitteln duftete. Und mein eigener Knirps es ebenso von klein auf kennenlernte, wie viel Spass und Genuss das mit sich bringt. Auch bei der Rückfahrt von einem Kongresstermin in Maastricht über Belgien, Luxemburg und Elsass mit dem Auto liessen wir dieses Vergnügen nicht aus, für daheim und für Brotzeit und Picknick unterwegs die Schmankerl unterwegs zu entdecken und einzusammeln, bevor Food- und / oder Travelblogger begannen, derlei in ihren Blogs zu entdecken.

Aber auch in der Toscana wurde bei Fahrten über Dörfer und Orte Brot und Gebäck aus kleinen Familienbäckereien gekauft und ins Auto und in den Einkaufskorb dort gepackt. Und in manchen dieser Bäckereien durfte ich sogar in die Backstuben und hin und wieder mitbacken. Wer Brot und Backhandwerk liebt……versteht das.

Mit einem Brot aus dem Discounter-Automaten wäre ein TK-Vorrat in meinen Augen vergeudete Übung. Bei wirklich guten Broten von Handwerksbäckern ist das anders.

Bei diesem Klosterbrot wäre es auch nicht nötig, denn es ist ja hier am Ort zu bekommen. Der Laib eignete sich aber ganz gut, um einmal in Fotos zu zeigen, wie man (auch in kleineren Haushalten, als Paar oder Single) gutes Brot so einkaufen und portionieren und dann als Vorrat verpackt einfrieren kann, dass niemand alt oder hart gewordenes Brot nicht mehr verwenden kann oder gar wegwerfen müsste. Von befremdlichen Tricks, hart gewordenes Brot wieder mit Wasser weich zu machen, gar nicht zu reden, die so überflüssig und seltsam für mich anmuten, dass ich sie hier nicht einmal verlinken möchte.

Gut verpackt eingefrorenes Brot hält ohne Weiteres ein paar Monate, bei mir wird es aber binnen 6 Monaten in der Regel dann verwendet. Dazu taue ich es noch in der TK-Verpackung auf, was bei gevierteltem Brot kaum mehr als 1 Stunde dauert. In Scheiben muss man es vor dem Einfrieren nicht schneiden.

Klosterbrot halbieren und vierteln © Liz Collet
Klosterbrot halbieren und vierteln © Liz Collet

Die Feneberg-Bäckerei  am südlichen Ortsrand von Kempten gehört zu den modernsten Bäckereien im Allgäu. Hier arbeiten rund 150 Mitarbeiter, darunter neun Bäcker- und zwei Konditormeister. Seit 2011 verzichten die Feneberg-Bäcker auf industrielle Backhilfsmittel und arbeiten ohne künstliche Zusatz- oder Hilfsstoffe wie Emulgatoren und Phosphate.   Für ihre Backwaren verwenden sie nach Unternehmensangaben nur natürliche Zutaten wie Mehl, Wasser, Hefe, Sauerteig, Salz und Gewürze.

Sie backen täglich  etwa 14 Tonnen frische Brote und Kleingebäck (Semmeln, Brezn, Krustis, u.a.), dazu Kuchen und Süßgebäck. Damit beliefert die Bäckerei das gesamte Verbreitungsgebiet des Unternehmens Feneberg, welches sich für regionale Lebensmittel einsetzt.

Auf DIESER Website über die FENEBERG Bäckerei können Sie in einem virtuellen Rundgang Einblick in deren Produktionsstätte und -Abläufe nehmen. Im Menü rechts sind die einzelnen Produktionsschritte als Menüpunkte aufrufbar. Dort sind dann wiederum beim Anklicken der Themen Videos abspielbar, welche die einzelnen Arbeitsgänge zeigen und erläutern.

Klosterbrot halbiert und geviertelt © Liz Collet
Klosterbrot halbiert und geviertelt © Liz Collet

Die nächste Fahrt über’s Land geht übrigens nach……….na, lassen Sie sich überraschen. Und was ich von dort dann mitbringe. Aus Backstuben. Oder auch nicht nur aus Backstuben.

Mehr rund um Brot:

This slideshow requires JavaScript.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s