Nur eine halbe Bratwurst pro Woche? {WIeSOooooo?}

Blau in Blau das Blaue Land und der Staffelsee © Liz Collet
Blau in Blau das Blaue Land und der Staffelsee © Liz Collet

Heute ist so ein Wetterl, bei dem man träumen könnte. Die Wolkerl sind wie einzelne Flockerlwolken aus dem Wattevorrat gezupft und in den Himmel gestreut und so mancher sieht ihnen beim Schweben zu und möcht’ sie ein bisserl anpusten, einfach so und aus purem Übermut und träger Junisommerlaune. Jener Junilaune warmer Tage, an denen sich eher wenig rührt, Wind schon gar nicht, der das Seglerinnenherz am Leben hält. So dass man sie anpusten möchte, die Wolkerl über dem himmelblauem Land, damit sich was rührt und bewegt im Blauen Land. Den Gästen aber ist dieses Wetter naturgemäss kommod. Denen, die gern spazieren und wandern und denen es nicht zu heiss und nicht zu kalt, nicht zu sonnig und nicht zu regnerisch sein soll. Und denen, die im Gartenstuhl unter Obstbäumen dem sachten Wachsen der Äpfel, Birnen und Zwetschgen zuschauen und am liebsten so lang bleiben würden, bis selbige erntereif sind. 

Und reif für einen schönen frisch gebackenen Obstkuchen, für den das Obst mit ausgestrecktem Arm gepflückt und an die Bäcker-Lizl nur weitergereicht zu werden braucht. Die – Männerträume seit Adam im Paradies – nichts anderes zu tun hat, als folgsam das zu tun, was Adams Gaumen und Magen gut tut und was ihm im Paradiese ein lebenslanges Wohnrecht sichert.

Wie jene Geschichte aber ausging, weil Lizchen, respektive ihre Urururahnin Evchen mehr wissen wollte, als ihr zugestanden war, wissen wir. Seither gibt es unzählige Apfel- und Apfelkuchenrezepte, mit denen SIE mit Lust und Laune und feinen Zutaten IHM das Leben versüsst, wenn er nett und galant und charmant ist. Und reichlich Zutaten im Gewürzschrankerl, um ihm notfalls die Suppe zu versalzen, wenn er auf weniger nette Ideen käme oder Gewohnheiten verfiele.

Ärgere nie die Köchin oder Bäckerin, die Dir Dein Essen serviert.

Ein bisserl mehr an Wissen hat Eva sich ja nicht ohne Grund erbeutet, als Adam zu erlangen willig war. Versuche der späteren Geschichte, in Pflanzen und Kräutern und anderem weise Frauen durch Erhitzen ihrer Fußsohlen über aufgeschicheten Holzstapeln gefügiger zu machen oder – so das nicht gelang oder zu erwarten stand – ins Fegefeuer reisen zu lassen, waren nicht dauerhaft so erfolgreich, dass sie es in die zivilisierteren Zeiten und zumindest nicht in demokratische Rechtssysteme geschafft haben. Bösen Gerüchten zufolge wussten selbige Damen sogar noch auf dem Fegefeuer soviel Genussreiches anzurichten und zuzubereiten, dass selbst der Teufel nicht widerstand und seinen Schrecken und damit sein Imagepotential für Zwecke der Kirche schier in Rauch aufging.

Champignonsuppe mit Bratwurst © Liz Collet,Champignonsuppe mit Bratwurst © Liz Collet, food, markt, shopping, gastronomie, gastronomy, kochen, ausbildung, konsum, einkauf, genuss, lebensmittel, cooking, speisen, zutat, holztisch, nachhaltig, ingredients, Pilze, Pilzssuppe, Champignons, Culinary Photography, Foodfotografie, Bratwurst, Brät, Bratwurstbrät, Pilzsuppe, Schwammerlsuppe, Suppe, Suppenküche, Gastronomie, Fotografie für Restaurants, Fotografie für Kochbuch, Kochbuchfotografie, Kochbuch, Fotografie für Gastronomie, Kochkurs, Seminar, Kochseminar, Schulküche, Suppenrezept, Thymian,
Champignonsuppe mit Bratwurst © Liz Collet

Zu den ungemein schmackhaften Dingen, die im Rauchfang und über dem Feuer und Rauch als Fang zu finden sind, gehören auch Würste. Bratwürste. Geräucherte Würste. Luftgetrocknete natürlich auch, die aber weder Feuer noch Rauch brauchen. Und rohe Würste, die über Rost und in Schmurgelkesseln und Pfandln köstliche Aromen schon beim Garen verströmen und beim Genuss unschlagbar sind.

Zur Hölle daher mit einer Limitierung von Würsten und ihrem Genuss auf maximal eine halbe Bratwurst pro Woche! Wird da mancher wohl rufen, der selbiges zu lesen bekam:

Ich würde ihm nicht widersprechen, der die zum Teufel wünschte, die ihm pro Woche von der Wurst nur die Menge von einem Ende der Wurst bis zur Mitte hin gönnen würden.

Was will ich mit einer halben Bratwurst, welche ihre nicht bessere, aber sicher mindestens so gute andere Hälfte im Kühlschrank zurücklassen soll? Die kann nach einer Woche nicht mehr die bessere Hälfte und nicht mehr halb so frisch und gut sein. Kleiner Scherz. Natürlich ist von statistischen Durchschnittsdaten des Verbrauchs die Rede. Genug Bratwürste aber werden wohl gegessen, allein schon am Fast Food Markt.

Dort oder auch aus Metzgerei, von Marktstand oder aus dem Supermarkt gekauft, die Bratwurst ist nicht allein zu Grillzeiten eines der liebsten Gerichte nach wie vor.
Aber gute sollten es halt schon sein.

Gab es in meiner Kindheit Bratwürste, dann waren das die klassischen Rindsbratwürste, die gegrillt oder in der Pfanne gebraten wurden. Mein Vater schnitt sie dann mit dem scharfen Messer längs ein, träufelte “Wuschtersauce” in den chirurgisch sauber offengelegten “Bauchraum”, gab Senf oder Ketchup darüber und Currypulver. Kraut, Brezen, Semmel oder Brot und Kartoffelsalat oder Bratkartoffeln dazu…… gern ein Samstagmittag- oder Abendessen seinerzeit. Für mich durfte extra viel Curry drüber.

Mit der Studienzeit in Regensburg entdeckte ich die kleineren Bratwurstschlingel, die man in Regensburg auf dem Kipferl oder auf dem Kraut isst und mit alles sagenden Sätzen wie “Fünfe im Kipferl” oder “Drei im Kipferl” ordert oder mit “Fünfe auf’m Kraut”.

Diese und die Nürnberger Bratwürstl sind ungefähr so gemein, wie Fingerfood – sie wirken klein und harmlos und schwubbwubbs sind mehr als Fünfe den Weg ihres Schicksals als Magentratzerl der Luxusklasse gegangen. Ich erinnere mich einer Veranstaltung, zu der ich als Medizinrechtlerin von der Kaiserin-Friedrich-Stiftung in Berlin eingeladen war, in deren Sitzungspause nettes, junges Personal mit Tellerchen zwischen den Teilnehmern in den Hallen der Stiftung herumspazierte, auf denen halbe Nürnberger Bratwürstl mit Fingerfood-Spiesschen lagen und angeboten wurden. Nie habe ich schneller die Herren Chirurgen und anderen sonst gern gesunde Ernährung predigende Mediziner bei den vielen Kongressen, an denen ich teilnahm, Fingerfood schnappen, verschlingen und schon nach den nächsten gefüllten Tellerchen Ausschau halten sehen, als bei diesen gebratenen Schlingeln.

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Woran das liegt, kann Ihnen jeder erklären, dem Wissen um Fett als Geschmacksträger, erst recht verbunden mit Fleisch und Gewürzen nicht fremd ist. Es amüsierte mich, wie schnell man mit ein paar kleinen Würstchen aus akademischen Koryphäen wieder gierige Jäger nach Beute machen kann, die Tellerchen mit Spiessen hinterherjagen, als seien sie ohne Steinzeitspeer, Pfeil und Bogen dem Hungertyphustod nahe. DENEN etwas von WISO und halben Würstchen maximal zu erzählen, wäre einen erheiternden Versuch wert gewesen, während ich schmunzelnd zwischen ihnen vom ebenfalls gereichten Obst an Fingerfood-Spiesschen naschte. Und auch von den Lieblingsbratwürstchen. Wenn Sie von mir erwarteten, dass ich sie verschmäht hätte, sind Sie selbst schuld. Ich halte es nur mit der goldenen Regel von der richtigen Dosis der Dinge.

Griessuppe mit Nürnberger Schlingeln © Liz Collet Photography
Griessuppe mit Nürnberger Schlingeln © Liz Collet Photography

Die kleinen Bratwurstschlingel waren die ersten, die mein höchstpersönliches “Regensburger Muggerl” als Bratwurst zu essen bekam. Das war nicht nur seinem Geburtsort geschuldet. Sie schmecken einfach höllisch gut. Wir lieben sie beide bis heute.

Würzige fränkische Kartoffelsuppe © Liz Collet
Würzige fränkische Kartoffelsuppe © Liz Collet

Die Dosis macht wie überall und nicht nur in der Medizin und Pharmazie das Gift.
Und so landen sie gern mal – nach wie vor – am Spiess und wohldosiert und aromatisch duftend und gebrutzelt über oder in Suppen, im Omelett, im Pfannkuchen oder im Gemüse oder in Pastarezepten oder auch in Quiches und deftigen Tartes oder auch mal auf der Pizza und Salat. Ebenso wie andere Bratwürste oder Wurst.

Toskanische Salsicce etwa gehören ebenfalls zu den Unwiderstehlichen, aber auch andere Bratwürste, von denen auch mal eine genug für ein Zwei-Personen-Gröstl ist. Eh voilà, da passt dann die halbe Bratwurst pro Person und Woche doch.

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Fragen Sie nicht WIeSO. Und wappnen Sie sich gegen Schnappatmung und deren etwaige Folgen, aber im heutigen Gericht waren gleich zwei Bratwürste unterwegs.

Zucchini-Tomaten-Gemüse mit Salsicce © Liz Collet
Zucchini-Tomaten-Gemüse mit Salsicce © Liz Collet

Denen ich das Fell über die Ohren, pardon: die Haut mit einem chirurgisch gekonntem Schnitt längs der Wurst abgezogen habe, bevor sie in Scheibchen in der Pfanne ohne weitere Zugabe von Fett sacht knusprig aussen, saftig innen gebraten wurden und Begleitung von zwei Handvoll Zucchini-Scheiben erhielten. Gewürzt mit Thymian, einer Prise meiner frisch gemörserten Curry-Mischung und frisch gemahlenem Pfeffer gemeinsam gebraten, werden sie mit frisch aufgeschnittener Tomate und einem Klecks Topfen (oder Joghurt oder Schmand) serviert.

Zucchini-Tomaten-Gemüse mit Salsicce © Liz Collet
Zucchini-Tomaten-Gemüse mit Salsicce © Liz Collet

Tragen Sie es mit Fassung, aber deswegen verspreche ich Ihnen noch lange nicht, dass ich jetzt eine Woche mit Bratwürstl aussetzen werde. Vielleicht esse ich drei Wochen keine, vielleicht vier. Oder morgen schon wieder zwei. Grad mit Fleiß. Oder einfach, weil mir der Sinn und das Glüstl danach steht. Wer weiss.

Oder vielleicht, weil noch eine im Kühlschrank liegt. Oder weil mich morgen auf dem Mittwochsmarkt zwei frische Bratwürste beim einem meiner Lieblingsmetzger anlachen. Bratwürstl. Und zwei Metzger auch. Letztere lachen mich ganz sicher an. Gute Lebensmittel machen gute Laune. Gütesiegel haben viele Gesichter. 

Zucchini-Tomaten-Gemüse mit Salsicce © Liz Collet
Zucchini-Tomaten-Gemüse mit Salsicce © Liz Collet

Lassen Sie sich was Gutes kochen oder servieren. Oder kochen Sie sich was Feines und lassen Sie es sich mit Genuss schmecken!

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