Kranzkuchen – ein viel zu seltener Klassiker auf dem Kaffeetisch?

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Kranzkuchen zum Tee© Liz Collet

Diese Frage ist – vor allem selbstkritisch betrachtet – leider nicht ganz unberechtigt.

Das hat bei mir vor allem damit zu tun, dass ich als Guglhupfliebhaberin – seit Kindesbeinen, nicht erst seit er trendy wurde mit überall herumkullernden Minigugls – mit einem nicht ganz kleinem Sortiment von längst mehr als 2 Dutzend an Guglhupfbackformen unterschiedlichster Grössen (hier nur drei der “mittleren” Grössen-Beispiele)

IMG_8312_1 © Liz Collet

eher zu diesen für Kuchen greife, als zu anderen Backformen für “Kranzkuchen” oder “Rodonkuchen” oder “Napfkuchen”, wie diese runden Kuchen oftmals heissen, welche in den meisten Fällen mit Rührteig-Rezepten gebacken werden.

Dabei sind die handelsüblichen Springformen in der Regel nicht nur mit dem Boden für Springformkuchen und -torten, sondern auch mit dem Zubehör für eben solche Kranzkuchen kombiniert zu bekommen. Bei mir wird dieses Zubehör, der sogenannte Rohrboden, tatsächlich leider etwas stiefmütterlich wenig genutzt, obgleich die grossen (26-er oder 28er) und kleinen (18-er) Springformen bei mir für süsse wie herzhafte Rezepte vielfach und regelmässig im Einsatz sind.

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Neuerdings sind die Springformen mit dem Rohrboden im Net gelegentlich mit überwiegend wenig wirklich verlockenden Fast-Food-Rezepten zu finden, in welchen Fertigpizzateige mit allerlei Zutaten belegt werden, wie sie für eben Pizza gängig sind, dann aufgerollt und in Kranzformen gefüllt gebacken werden.

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden – und mich verlocken weder solche Fastfood-Teige, noch wie diese dann zu undefinierbaren Massen und unter zähem Käseüberfluss aus Backformen gezogen werden, wenn sie serviert auf dem Tisch stehen. Aber jedem das Seine – und für herzhafte Rezepte auch in Guglhupf und Kranzformen gibt es durchaus Alternativen, dazu dann in einem der nächsten Beiträge Beispiele.

Das Rohr (oder “Loch”) in der Mitte der Kranzformen und des Rohrbodens dient wie bei Guglhupfformen der schnelleren und gleichmässigeren Wärmeverteilung im Teig und in der Form bei den Teigen, die wie eben die Rührteige länger als etwa ein Biskuit backen und anderenfalls aussen schon dunkler bräunen würden, während in der Backformmitte der Teig noch nicht gebacken wäre.

Als Kranzkuchen werden auch Kuchen bezeichnet, die sonst rund aus anderen Teigarten gebacken und zum Kranz, zur runden Form gelegt werden, wie Hefekränze oder Mürbeteigkränze (wie dieser Haselnusskranz) oder Kränze aus Quark-Öl-Teig-Rezepten beispielsweise.

Der legendärste “Kranzkuchen” mag für die meisten der Frankfurter Kranz sein, für den es eigene Backformen gibt, den man aber auch mit Hilfe von Guglhupf- oder eben mit dem Rohrboden der Springform ersatzweise backen kann.

Ein anderer Grund, warum der Kranzkuchen ein wenig in Vergessenheit geraten ist, dürfte sein, dass Motivbackformen, aber auch kleineres Gebäck wie Muffins, Cupcakes oder andere Backtrends ihn aus dem Blickfeld geraten liessen, zumal er vielen als “bieder” und bisserl spiessig anmutet, zu simpel, zu “altbacken”, zu sehr an Grossmutter- und Grosstantenkuchen erinnern, ein bisserl zu nah am Altersheim-Image der Backwaren. Anders als der Guglhupf, der mit dem Hype um Minugugls wieder zu Ehren kam und ins Rampenlicht der Bloggerbackstuben und Magazine rund um Food und Rezepte, sowie Rezeptbücher und Utensilien wie dazu erforderlicher (Silikon-)Backformen als vermarktbare  Marktlücke schnell Charme gewann, gelingt das dem Kranzkuchen leider eben nicht. Vielleicht auch aus eben den letztgenannten Aspekten, weniger charmant und “niedlichsüss” vermarktet werden zu können, wie “Duziduziduzi-Kreischalarm” auslösende Minigugls es vermögen.

Zeit, dem Kranzkuchen hier ein wenig mehr Augenmerk zu widmen und ihm vielleicht wieder einen durchaus verdienten süssen “Ehrenkranz” zu …….flechten und backen.

Denn zu den Kranzkuchen im weiteren Sinn gehören Rezepte wie etwa auch der (Wiener) Savarin, der seinen Namen dem französischen Richter, Schriftsteller, Gourmet und Gastronomiekritiker Jean Anthelme Brillat-Savarin verdankt, dem er gewidmet worden war. Eines der eleganten und anspruchsvollen Backrezepte französischen Ursprungs und rund um das Jahr 1840 von Pâttiseur-Brüder Julien in Paris aus der Napfkuchen-Spezialität Baba als neue Kreation entwickelt.

Der Savarin wird als Hefe- oder mit reichlich Eiern zuzubereitender Sandkuchenteig in Rund- oder Kranzformen mit offenem oder geschlossenem Rohr gebacken und noch heiss mit alkoholischer Flüssigkeit oder Sirup getränkt oder auch gerne mal aprikotiert und mal pur, mal mit Früchten in der Mitte und Sahne serviert.

Tatsächlich war es auch ein solcher grandios anmutender Savarin, der mir an den Ostertagen im Füssener Stadt Café Würkert zwischen den dortigen süssen Kuchen- und Tortenführungen begegnete, der mich daran erinnerte, dass er wie auch andere Kranzkuchen lohnen, wieder mehr Beachtung zu gewinnen. Einen Besuch der Ostallgäu-Metropole sollte man  mit einer genussreichen Stipvisite dieser seit über 100 Jahren im Herzen von Füssen gelegenen Adresse verbinden, die vor dem Café sommertags den Blick auf einen der schönsten Plätze Füssens und das Hohe Schloss bietet und drinnen in der ersten Etage  feinstes Wiener Kaffeehausambiente beherbergt. Im  Erdgeschoss befindet sich das Ladenlokal mit einer Vielfalt köstlicher Torten, Kuchen, Strudel und Gebäck und über 50 verschiedenen Pralinensorten angeboten werden.

Dass ich kein Foto von jenem Savarin machte, lag neben dem stets lebhaftem Andrang an der Kuchentheke des ausgezeichneten Cafés unter anderem auch daran, dass ich diesmal nur wenig Zeit neben der Betreuung von Gästen dafür hatte, die ich an jenem Tag durch das Ostallgäu und Füssen wieder einmal als Reisegruppe begleiten durfte und die dann natürlich Vorrang haben.

Das Foto jenes Savarins aus dem Füssener Stadt Café aber wird bei anderer Gelegenheit nachgeholt und zwar verbunden mit einem Rezept für selbst gebackenen Savarin.

Bis dahin muss ich Sie damit vertrösten, dass jener safran-dottergelbe Savarin, ein in einer mindestens 35 cm grossen Backform gebackener und geschätzte 15 cm hohe Kuchen eine hübsche Struktur aussen hatte, die perfekt glänzend getränkt und aprikotiert zum Naschen verführte. Wie – en passant – so ziemlich jedes der Werke aus der dortigen Konditorei, zu denen u.a. auch eine traumhafte Kaffeesahnetorte gehört. Zum Thema Kaffee habe ich ohnehin auch noch etwas für Sie – auch dazu in Kürze mehr.

Kaffeesahnetorte © Liz Collet
Kaffeesahnetorte © Liz Collet

Das und andere Köstlichkeiten des Cafés ist wieder eine eigene Geschichte und dazu und der Ostallgäu- und Füssentour an anderer Stelle in Kürze ebenfalls noch mehr.

Der Kranzkuchen aber soll peu à peu wieder hier im Blog einen kleinen eigenen Platz bekommen, mit verschiedenen süssen und auch herzhaften Rezepten.

Den Auftakt machte – als kleiner Alltagskuchen – erst einmal dieser kinderleicht zu backende Zitronenkranzkuchen mit Rumrosinen, der in einer 18-er Form gebacken wurde, die im vorigen Jahr vom örtlichen Haushaltswarenladen Paul in die Backstube der kleinen Lindenburg umziehen hatte dürfen und seither für den kleineren Alltagsbedarf bei Kuchen, Quiche, Tartes und anderes eingesetzt wird, während meine 26-er oder 28-er Spring- und Kranzformen eher für Rezepte mit mehr Gästen und Mitschnabulierer geeignet sind.

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Kranzkuchen zum Tee© Liz Collet

Zutaten:

  • 150 g Butter
  • 200 g Zucker
  • Mark einer Vanilleschote
  • 4 Eier (ich verwende L)
  • Prise Salz
  • 250 g Mehl
  • 2 gestrichene TL Backpulver
  • 2 El Rumrosinen
  • Saft einer Zitrone
  • Puderzucker zum Bestreuen
  • Etwas Butter für die Backform und etwas Mehl zum Ausstäuben selbiger

Zubereitung:
Zerlassene Butter schaumig rühren, nach und nach den mit dem Vanillemark vermischten Zucker hinzufügen, dann Eier, Salz und das mit Backpulver vermischte Mehl, sowie Rumrosinen und den Zitronensaft.

Teig in die mit Fett ausgepinselte und mit Mehl ausgestäubte Backform füllen, bei 175 ° (vorgeheizter Ofen) goldbraun backen. Stäbchenprobe !

Nach dem Backen Springform lösen, den Kuchen mit einem Kuchengitter stürzen, Rodonboden behutsam lösen und auf dem Kuchengitter abkühlen lassen. Mit Puderzucker bestreuen.

Tipps:

  • Wer es süsser mag, kann den Kuchen auch mit Zuckerguss teilweise oder ganz überziehen, der aus Puderzucker, Zitronensaft und/oder wenig heissem Wasser zähflüssig angerührt wird.
  • Sie mögen keine Rosinen? Wie wäre es alternativ mit getrockneten Cranberries oder anderen Trockenfrüchten wie Aprikosen oder Wildheidelbeeren, die ein fruchtiges Aroma im Kranzkuchen liefern. Man kann diese vor dem Backen zB in Rum oder auch in Marillenlikör oder etwas anderem “Geistreichen” oder einfach etwas Saft Flüssigkeit ziehen lassen, bevor man sie dem Teig hinzufügt.

Bon appétit © Liz Collet

Bildquelle:  © Liz Collet; Bei Interesse am Erwerb von Nutzungsrechten für die Verwendung der Bilder nehmen Sie bitte Kontakt auf für Details und Bedingungen.

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