Marillen, Jahrgang 2015, Erstabfüllung

Marillen- Marmelade © Liz Collet
Marillen-Marmelade © Liz Collet

Kein Erntejahr ohne Marillen ins Glas. Ins Marmeladenglas. Marillen sind die aromatischsten Ladies unter den Aprikosen. Und sie werden sehnsüchtig erwartet. Frisch zum Naschen, mehr noch zum Einkochen der Marmelade. Auf Brot oder Semmel, für die Biskuitroulade, als Klecks auf dem Joghurt oder der Quarkspeise – sie ist nicht nur farblich “Gold” pur unter den Marmeladensorten, die im Vorratskammerl nicht fehlen dürfen. Ich kaufe kaum jemals noch Marmelade im Laden, Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn bestimmte Sorten für Rezepte benötigt werden. Das liegt dann schlicht daran, dass man einfach nicht alle Sorten selbst als Marmeladen verarbeiten kann, selbst wenn man möchte. Und für manche Sorten möchte man es auch nicht, nur weil man könnte. Warum sollte ich etwa Orangenmarmelade fabrizieren, wenn sie alle Jubeljahre mal benötigt werden könnte für ein Rezept oder um sie ins Bild zu setzen für Foodfotografie?
Hier wird an Rezepten bekanntlich nur entwickelt, zubereitet und fotografiert, was auch wirklich 1:1 dann mit Genuss verzehrt und vernascht wird.

Bedarf und Bedürfnisse an Vorräten – und damit auch Marmeladen – wandeln und verändern sich im Laufe des Lebens unter anderem nach persönlichem Gusto und familiären und persönlichen Lebenssituationen und Vorlieben derer, für die man sie bislang ins Glas und in den Vorratsschrank füllte. Und die Marmelade, die man vielleicht viele Jahre für eine Grossmutter selbst fabrizierte, wird entweder nicht mehr oder jedenfalls nicht mehr in der Menge eingemacht wie bisher, wenn jene Geniesserin der Früchterl im Glas den letzten Wohnsitz gegen eine hoffentlich gemütliche Wolke mit hübscher Aussicht eingetauscht hat. Und manchmal kommen dafür neue Sorten wieder oder erstmals hinzu. Sei es, eben weil Geschmäcker sich ändern, sei es weil man durch Umzug leichter und mehr Gelegenheit hat, fruchtige wie andere Schätzchen für die Vorratsküche selbst zu sammeln.

Brombeeren © Liz Collet
Brombeeren © Liz Collet

So hatte meine Münchner Grossmutter viele Jahre direkt hinter dem Haus, in dem sie lebte, auf einem verwildertem Grundstück viele Brombeerhecken, von denen sie während meiner Studienzeit in grossen Weck-Gläsern Marmelade kochte, die sie selbst und ihr zweiter Ehemann mit den bei vielen unbeliebten Kernchen mochte. Und ich. Sonst aber niemand in unserer Familie. Immer wenn ich sie besuchte, gab sie mir eines mit und ich genoss Brombeermarmelade auf meinem Frühstücks- und Abendbrot, im Joghurt oder Quark oder im Pfannkuchen.

Und mit meiner anderen Großmutter ging ich oft in den Ferien in den Wald mit einem 3- oder 5 l Eimerchen, das wir mit Brombeeren und Himbeeren aus dichten Hecken geerntet füllten. Mir ist wie heute in Erinnerung, wie ich – anders als Erwachsene und eben meine Oma – geduckt unter den dichten Hecken weiter in diese hineinkam und dort die schönsten der Beeren sammelte und fand, weil sie dort sonst keiner erntete von denen, die allenfalls im Wald im Vorbeigehen an Hecken die leicht erreichbaren Früchte naschen. Ich erinnere die Hitze an manchen Tagen an sonnigen Plätzen bei solchen Hecken und dass es nicht nur deswegen frühmorgens schöner war, Beeren pflücken zu gehen. Sondern weil dann auch die Wespen sich noch nicht so emsig dort tummelten, die ich sonst schon nicht leiden mochte, erst recht nicht, wo man ihnen unter oder mitten in einer stacheligen Brombeerhecke schwer schnell ausweichen kann🙂 Aber wer Beeren naschen will……….

Himbeere © Liz Collet
Himbeere © Liz Collet

Ich wäre auch später nie ohne ein Behältnis im Rucksack beim Wandern oder Radtouren unterwegs gewesen. In dem sich Schätzchen unterwegs sammeln und transportieren lassen. Und sei es eine passende Brotzeitdose, die nach der Brotzeit dann wieder füllbar ist oder einen leicht verstaubaren Gefrierbeutel oder eine Papiertüte. Für Schwammerl, Kamillenblüten, Lindenblüten, Spitzwegerich, Himbeeren, Brombeeren, Preiselbeeren, Heidelbeeren, Walderdbeeren ……….u.v.a.m.

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Zutaten der Natur, die dann je nach Menge abends und nach Rückkehr frisch verzehrt wurden oder in einem Vorratsglas landeten, getrocknet wie Pilze oder Kamille, zu Marmelade gekocht die Früchte.

Dazu genügte auch die einzelne kleine Kochplatte in meinem ersten Studentenzimmer, erst recht die zwei Kochplatten in meiner zweiten kleinen Studentenwohnung. Und so landeten von 130 km Tages-Radtouren durch die Oberpfalz so manche fruchtigen Schätzchen im Obstschälchen, im Joghurt oder als Marmelade auf dem Brot.

Lizchens Holunderlikör © Liz Collet

Später in der Isarmetropole hatte ich Glück unter dem alten Baumbestand in Moosach hinter dem neu zwischen alte Wohnhäuser gebauten Haus auch Holunder- und Brombeerbüsche vorzufinden; mit den Holunderblüten und -beeren wusste und wollte sonst ebensowenig jemand etwas anfangen wie mit den Blättern der Brombeerhecke oder deren Beeren.

Lizchens Hollerlikör © Liz Collet

Mit dem Wechsel ins Blaue Land liegt so manches Schätzchen direkt vor der Haustüre – man braucht in einem Markt wie Murnau nur wenige Schritte, um mitten in der Natur zu sein. Und was ins Marmeladenglas wandert, bestimmt sich bei mir wie bei anderen Vorräten nach dem, was dort zu finden ist. Und erst in zweiter Linie dann noch nach dem, was ich kaufe. Himbeeren und Brombeeren im Handel, die in 100 oder 200 g Schälchen für teures Geld und von woher auch immer erst transportiert und vom Aroma und Frischequalität überschaubar verlockend anmuten, lohnen nicht zu Marmelade verarbeitet zu werden – schade um’s Geld für sie und den Zucker. So kommen beide Sorten ins Glas, wenn ich genug in der Natur finde. Ebenso Blaubeeren.

Erdbeerfelder habe ich früher gern in Regensburg genutzt, wo sie zB beim Prüfeniner Schloss gut erreichbar für mich waren mit dem Rad oder dem Auto. Oder in München mit dem Rad von Moosach aus nach Feldmoching oder in die Fasanerie. Hier gibt es keine und die Erdbeeren aus dem Handel locken mich nicht mehr so recht.

Bei mir persönlich geblieben sind für selbstgemachte Marmeladen im Wesentlichen Johannisbeeren (rot und schwarz), Brombeeren, Himbeeren, Marillen, Blaubeeren und seit ich hier im Blauen Land wieder wirklich wunderbare Zwetschgen aus der Region bekommen kann, auch diese wieder.

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Von der Menge her wird gekocht, was ungefähr für ein bis anderthalb Jahre an Vorrat reichen wird zum eigenen Verzehr. Und für diejenigen, die sich freuen und dankbar sind, das eine oder andere Glas zu bekommen. Weil sie selbst es nicht mehr können (altersbedingt zB) oder den Aufwand mit Einkauf und Verarbeitung für die Mengen scheuen, die sie selbst dann nutzen würden. Aber lieber selbstgemachte Marmeladen mögen, als solche aus dem Handel. Bei denen eben nicht nur Frucht und Zucker ins Glas kommt, wie bei mir. Die ich allenfalls noch Vanille hinzufüge, die zu mancher Fruchtmarmelade wunderbar sein kann. Oder vielleicht Zimt.

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Vom Vorjahr habe ich in diesem Jahr noch 4 Gläser Johannisbeeren übrig, das war gut kalkuliert, denn ein bisserl Reserve schadet nicht.

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Die ersten Marillen diesn Jahres nun haben für drei Gläser gereicht. Es sollen nicht die letzten sein, aber mal sehen, was der Markt diese Woche hergibt.

Marillen-Vanille-Marmelade © Liz Collet
Marillen-Vanille-Marmelade © Liz Collet

Und wenn Sie nun murmeln, da sei ja ein Etikettenschwindel oder Verbrauchertäuschung im Bild zu sehen, weil das Glas links Himbeere verspreche, aber Marillen enthalte, dann werden Sie zwar keine auf den Deckel für die Kritik bekommen, aber damit leben müssen. Ich nutze Gläser wieder und wieder und wieder, die seit zig Jahren Erntejahr für Erntejahr geleert und wieder gefüllt werden. Und wenn noch nicht genug Marillengläser wieder frei sind, dann werden eben andere gefüllt. Dafür gibt es beim Inhalt keinen Schwindel und keine Verbrauchertäsuchung: Bei mir kommt nur Frucht und Zucker rein. Manchmal Einmachzucker, meist aber normaler Zucker.  Fertig. Und höchstens mal ein wenig Zimt bei einem Teil der  Zwetschgen oder Brombeeren. Oder Vanille bei einem Teil der Himbeer- oder Marillenmarmelade.

NB: Wenn Sie nun kritisieren, dass alles das keine Marmeladen, sondern Konfitüren seien, dann haben Sie – nach den Regeln des Lebensmittelrechts und der EU – seit 2003 recht. Ich bin aber nicht 2003 geboren und “ein paar Jahre vorher” aufgewachsen und wenn ich nicht grade lebensmittelrechtliche Beiträge verfassen muss, in denen ich das juristisch und korrekt bezeichnen würde, heisst bei mir im Alltagsgebrauch die Marmelade weiterhin Marmelade. Punktum. Und daher auch hier im Blog. Und da ich mit meiner Marmelade nicht  Handel treibe, muss damit die EU schlicht leben.😉

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