Lichtmeß – Wenn es wieder “ins Jahr hinaus geht”: Brauchtum und Genuss “Back to the Roots”

Schmetterlinge, Falter, Farfalle, Schmetterlingsnudeln, Frühling in der Suppenküche © Liz Collet
Frühling in der Suppenküche © Liz Collet

Es wird Früüüühling! Nunja. Bald. Heute ist Lichtmeß und das ist im Kalenderjahr bis heute ein wichtiges Datum. So heisst es bei den Bauernregeln, die Sonnenschein an Lichtmess als ein schlechtes Zeichen für den bevorstehenden Frühling bewerten:

Ist’s an Lichtmess hell und rein,
wird ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit.

Ist’s zu Lichtmess klar und hell,
kommt der Frühling nicht so schnell.

Wenn es danach geht, wie es im Blauen Land heute aussah, dann ist der Frühling bald sicher: Dichtes und windiges Schneetreiben, dass es gerade so eine Freude ist. Das klingt doch himmlisch nach Frühling in baldiger Nähe!
Und derweil es draussen noch so schneeverwehend kalt ist, wärmt eine schöne Wurzelsuppe von innen her und macht mit Schmetterlingen bei der Pasta und den Gemüsen Frühlingslaune.

Wurzeln für Allerlei © Liz Collet
Wurzeln für Allerlei © Liz Collet

Während Sie und ich das Gemüse – Lauch, zweierlei Karotten und Petersilienwurzel – putzen und schneiden, erzähle ich noch ein bisserl was über Lichtmeß:

Zu Lichtmeß war Zahltag beim Lohn, wurden Arbeitsverhältnisse bei Mägden, Knechten und anderen in Diensten stehendem Arbeitern beendet und neu eingegangen, nicht nur auf dem Land und dem Dorf und bei den Bauern. Aber es war auch der Beginn des sogenannten Bauernjahres.

Ferien, Food und Freizeitspass am Bauernhof © Liz Collet
Ferien, Food und Freizeitspass am Bauernhof © Liz Collet

Viele Volksbräuche, Reime und Wetterregeln gibt es um diesen Festtag, der bis 1912 in Bayern sogar ein gesetzlicher Feiertag gewesen ist.

Während es bei uns zuhause Brauch ist, den Christbaum bis zum Dreikönigstag stehen zu lassen und dann abzuschmücken, ist es durchaus in einigen Gegenden noch Brauch, den weihnachtlichen Schmuck in Kirchen und daheim bis Lichtmeß stehen zu lassen. So ist er in den Kirchen hier in Murnau und im Blauen Land noch überall zu sehen gewesen bis heute und auch bei einigen Nachbarn kann man ihn noch durch die Fenster und Balkontüren oder Terrassentüren stehen sehen.
In vielen Gemeinden in denen die schwäbisch-alemannische Fastnacht Brauch ist, gilt Lichtmess als deren Beginn.

Wichtiger natürlich ist die Zunahme des Tageslichtes, die zu Lichtmeß nun wirklich spürbar wird. So soll das Tageslicht verglichen mit dem zum Zeitpunkt der Wintersonnwende,  der längsten Nacht, „an Weihnachten um einen Hahnentritt, an Neujahr um einen Männerschritt, an Dreikönig um einen Hirschensprung und an Lichtmess um eine ganze Stund’“ länger sein.

Regionale Schafwolle, Holzknöpfe und Energiesparen© Liz Collet
Regionale Schafwolle, Holzknöpfe und Energiesparen© Liz Collet

Wo sparsam zu wirtschaften war und ist, macht das doppelt Vorteil aus:

Die Zeit im Winter verbrachte man bei Einbruch der Dunkelheit allenfalls noch mit Arbeit im Stall, in der Kuchl oder in der Stube mit Flicken, Stricken von Kleidung, wie Jacken, Socken und anderem, wozu man unter dem Jahr wenig Zeit fand oder das man auch gern mal verkaufte, als Zubrot; auch mit dem Reparieren und Ausbessern, mit Schnitzen, Besen- und Bürsten- oder Korbbinden und Ähnlichem. Doch dazu brauchte man Kerzen oder anderes Licht und das war teuer und daran war zu sparen. So wird die Stunde Tageslicht ab Lichtmeß für die Arbeit spürbar im Jahreslauf:

Die Stunde mehr Tageslicht bedeutet

  • 1 Stunde mehr Arbeit draussen
  • und Sparen von Licht mit Kerzen und Wachs oder Öl bei Lampen, wenn es die Stunde länger hell ist.

Beides Gründe, warum dann auch zu Lichtmeß das Bauernjahr beginnt und je nach Wetterlage auch die Feldarbeit wieder möglich ist.

Dazu passte dann auch der Wechsel von Dienstboten und Gesinde, das den Jahreslohn erhielt und sich eine neue Dienststelle suchen konnte oder auch musste. Anderenfalls wurde mit Handschlag die Arbeitspflicht um ein weiteres Jahr besiegelt.

In Österreich fand dann zu dieser Zeit der sog. Glanglmarkt, in der Regel am Samstag nach Lichtmeß statt: Ein Kleintiermarkt, bei dem das Gesinde das Geflügel oder andere Kleintiere wie Kaninchen verkauften, das sie an der bisherigen Arbeitsstelle selbst gehalten und aufgezogen haben.  Die konnten sie den Weg, der oftmals ein Fussweg zum neuen Bauern oder Dienstherrn war, nicht mitnehmen und auch dort nicht unterbringen. Also wurden die Kleintiere verkauft.

Dann folgte der Schlenggeltag, ein freier Tag für das Gesinde und die Zeit bis Agatha am 5. Februar. In dieser Zeit, dem einzigen “Urlaub”, den Dienstboten und Gesinde hatten, mussten sie bei einem Wechsel ihres Bauern oder Dienstherrn den Umzug zum neuen hinter sich bringen.  Und Glanglmarkt, das heisst mit dem Wort Glangln, dem Umziehen, nichts anderes als Umzugsmarkt.

Manchen Orts war es üblich, dass Gesinde zu Lichtmess ein Paar Schuhe als Lohn erhielt, ob es blieb oder auch für den Weg zu neuer Arbeit.

 Aus dieser Zeit stammt auch die Redensart “Neue Schuhe, neue Liebe”, denn mit dem Wechsel der Arbeitsstellen zu Lichtmess mischte sich das Gesinde auf einem Hof oder bei einem Dienstherrn natürlich neu. Dienstboten aber war bis ins letzte Jahrhundert das Heiraten nicht erlaubt und so hielt die Liebe und Liebschaften nur bis zu Lichtmeß und wenn einer der beiden seine Stelle wechselte.

Schmetterlinge, Falter, Farfalle, Schmetterlingsnudeln, Frühling in der Suppenküche © Liz Collet
Frühling in der Suppenküche II © Liz Collet

Nun hat die Gemüsebrühe mit den (am besten gleich in der Brühe) gegarten Farfalle lang genug geköchelt, der das geschnittene oder in Form geschnittene Gemüse einen feinen Geschmack und besonders mit frischen Kräutern gibt.

Bon appetit!

PS: Übrigens……… haben Sie in Ihrem Alltag schon einmal versucht, eine -sagen wir mal- gewisse Zeit nach dem Tageslicht und mit diesem zu leben? In der heutigen Zeit gar nicht so einfach, zugegeben. Aber es ist eine sehr interessante und zum Nachdenken anregende Erfahrung, es trotzdem zu versuchen. Sie können es ja beispielsweise einmal an Wochenenden ausprobieren, wenn Sie nicht zur Arbeit gehen müssen. Es beginnt schon morgens, wenn Sie nicht wie gewohnt das Licht anmachen, um zu lesen und anderes zu tun, sondern mit und während der Dämmerung nur die Handgriffe erledigen können, die mit dieser möglich sind. Und es zwingt, sich den Tag einzuteilen, alles das, wozu Sie helles, eben Tageslicht brauchen, rechtzeitig vor Einbruch der Dämmerung zu erledigen. Lesen etwa, nähen, schreiben. Dehnen Sie das auch auf Schreiben, Lesen an Geräten aus – kein eReader ab Einbruch der Dunkelheit, heisst das. Und da Bildschirm und TV mit “Licht” für die Screens laufen, diese benötigen, Smartphone ebenso – bleiben auch diese aus. Erlaubt sind allenfalls noch Kerzen und Teelichter. Lassen Sie sich ruhig einmal auf diesen Selbstversuch auf ein, zwei, drei Wochenenden ein, wenn möglich auch wochentags. Sie werden es anfangs anstrengend, mühsam, ungewohnt empfinden, …….bis Sie merken, dass darin etwas sehr Wohltuendes liegt. Ihre innere Uhr in gewisser Weise zu verlangsamen, aber auch Ihre Prioritäten neu zu setzen, wenn Sie manches in den Stunden erledigt haben müssen, was Tageslicht verlangt und mit der Dämmerung eine Ausklingen des Tages beginnt. Ein Zur Ruhe kommen, wieder zur Ruhe kommen. Sie werden – überrascht vermutlich – anfangen das zu geniessen…..und über Ideen, eine Verlängerung der Ladenschlusszeiten zu fordern, werden Sie beispielsweise auch noch einmal anders nachdenken.

Jetzt, um Lichtmeß herum ist das besonders gut zu merken, wieviel das ausmacht, wie oft wir wie selbstverständlich Energie nutzen und verbrauchen, mit jeder Lampe, jedem Lichtschalter allein schon. Den Strom für andere Geräte als Lampen, Warmwasser oder Heizung noch nicht einmal eingerechnet. Und ab Lichtmeß ist es jeden Tag doppelt spürbarer, dass und wie es “ins Jahr hinaus geht”, täglich ein paar Minuten mehr Tageslichtzeit, wenn Sie es einmal so weit und so oft wie möglich nur mit Tageslicht versuchen.

Dass man dann auch leichter mit den Hühnern schlafen geht (Sie wissen jetzt schon, welche ich meine, oder?) , ergibt sich wie ein gesünderer Schlaf, der Verzicht auf abendliche Eß- und Naschsünden und die Einsparung von Stromfressern  wie von selbst, wenn man die Nacht nicht mit unnötig zu verbrauchender Energie zum Tage zu machen gewohnt ist und versucht……….

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