Blue Hour Moments – die kleine grüne Kinderstube

Gemüsezöglinge© Liz Collet
Gemüsezöglinge und Grünlilie © Liz Collet

Noch ist es früh. Früh im Jahr. Früh auch sonst. Morgens. Frühmorgens. Das Licht am Fenster für die Fotos ist noch von der blauen Farbe, die nicht nur dem Blauen Land seinen Namen gegeben hat. Früh ist es auch noch beim Wachsen der ersten Gemüsezöglinge, die in Kürze in tiefe Töpfe umsiedeln. Sehr tiefe Töpfe. Vielleicht geht es Ihnen ebenso – es kribbelt mich schon wieder in den Fingern und auf dem Gaumen bei der Lust, dem Glüstl auf frische Kräuter aus dem eigenen “Burggärtchen”. Über den Winter werden bei mir auf den Fensterbrettern Zwiebeln und Knoblauch in der Erde zu Lieferanten für frische Kräuter, die Suppe, Salat und Butterbrot würzig bereichern und üppig und frisch nachwachsen und den Kauf der schlappen Kräuterbüschl für 80 Cent bis 1 Euro je Bund im Supermarkt um Längen besser ersetzen. Nicht im Bild zu sehen sind zwei Kästen im anderen Zimmer, in denen dichte Büschel von Zwiebel- und Knoblauchgrün den ganzen Kasten füllen.

Wie gesund nicht nur Zwiebel, sondern auch ihr Grün ist, ist nur einer der Gründe, warum sie zur Heilpflanze des Jahres 2015 erklärt wurde.

Dass im folgenden Bild nur wenig gesetzt ist, hat seinen Grund. Der Meerrettich, dessen noch zartes Grün noch wenig davon ahnen lässt, welch ausladende Blattstauden im Sommer oberirdisch daraus werden, breitet sich längst schon bis zur Kartoffelpflanze und dem Lauch aus und wird auch schon mehr als 2 cm im Durchmesser dick. Wie er unlängst aussah, habe ich hier verraten.

Daneben ist noch ein rechts Minipflanzerl bei der Kartoffel zu sehen, aber auch die täuscht ihre Harmlosigkeit nur vor. Im letzten Jahr füllte sie nicht nur einen recht grossen Topf gut aus und geriet schon vor den Eisheiligen zu einem stattlichen Buscherl, sondern warf auch im Herbst  gute anderhalb Pfund neckischer Kartoffelernte aus, die ich gar nicht erhofft hatte. Der Lauch macht sich auch bereits, obwohl er aus nix anderem als dem Rest einer vom Mittwochsmarkt mitgebrachten und bis 3 cm über der Wurzel abgeschnittenen und verbrauchten Lauchstange stammte, die ich erst ein paar Tage ins Wasser setzte und dann in die Erde. Sobald die grösseren Töpfe und tieferen Kästen vorbereitet und auch der Lauch mit den anderen umgesetzt wurde, wird er sicher reichlich ins Grün schiessen. Und bekommt Gesellschaft von weiteren Restlauchstücken, die von weiteren Stangen Porree in den kommenden Wochen übrig bleiben.

Gemüsezöglinge© Liz Collet
Gemüsezöglinge© Liz Collet

Wenn er mal gross und stark ist, will er ein Mords-Meerrettich werden, dass mir die Augen tränen werden. (Wir warten das gelassen ab), der Schlingel, der hier dann etwas später am Morgen schon im Sonnenschein des Ostfensters die Blätter streckt.

Meerrettichpflanze© Liz Collet
Meerrettichpflanze© Liz Collet

Ebenso die Kartoffelpflanze. Ob sie blühen wird, warte ich mal ab – bis zum Frühjahr und Frühsommer ist noch Zeit. Aber da ich auch für die Kamera Kartoffelblüten brauchen könnte, wäre das schon hübsch. (Von Erbsenblüten träume ich auch, aber on va voir)

Kartoffelpflanze© Liz Collet
Kartoffelpflanze© Liz Collet

Nichts weiter als den Strunkrest des Porrees war nötig, ca 3 cm über den Wurzeln, um ihn wieder wachsen zu lassen. Und im Vordergrund das Grün , das aus einer Knoblauchzehe wächst und wächst und wächst…

Gemüsezöglinge© Liz Collet
Gemüsezöglinge© Liz Collet

Anstelle von Schnittlauch, wie im folgenden Bild auf ‘s Butterbrot mag ich Knoblauchgrün ebenso gern. Schmeckt auch gut zu Kartoffeln mit Kräuterbutter oder Kräuterquark. Oder auf’s Eierbrot (aller Art: hartgekocht, Rührei, Spiegelei auf’s Brot) . Oder zu Eiern in Senfsauce zu Kartoffeln.

Gesund starten © Liz Collet
Gesund starten © Liz Collet
Gesund starten © Liz Collet
Gesund starten © Liz Collet

Wofür man Nutella-Messer alles so gebrauchen kann, gell?🙂

Schon sehnsüchtig erwartet werden auch dieses Jahr wieder die Bärlauchblätter, -Blüten und –Knospen. Das Glück, diese an einigen meiner geheimen Lieblingsplätze schier nur wenige Schritte vor der Haustüre im Blauen Land kapern und erbeuten und aus der Beute zu Pesto, eingelegten Bärlauchkapern und eingelegten und würzig marinierten Blüten verarbeiten und geniessen zu können, ist allein schon Genuss pur.

Bärlauchknospen © Liz Collet
Bärlauchknospen © Liz Collet

Kommen dann mit den ersten helleren Tagen oft schon im Februar und März die ersten Blüten von Schlüsselblumen, Löwenzahn, Brennessel und deren Blätter, Klee und Gänseblümchen hinzu, die würzig und fein das Butterbrot und die Geniesserin beglücken, ist die zu überbrückende Zeit bis zu vollen Kräutertöpfen auf dem Burgbalkon schon fast geschafft.

Blüten-Kräuter-Butter © Liz Collet
Blüten-Kräuter-Butter © Liz Collet

Ob ich mich erneut an diesen Schlingeln versuche, warte ich mal noch ab. Die Kicherbsenpflanze war schön dicht und buschig gewachsen, hatte aber dann den Standortwechsel beim Umzug nicht so recht goutiert. Und Verreckerles gespielt. Sie wurde auf dem Kompost beerdigt.

Zarte Zöglinge in der Kinderstube © Liz Collet
Zarte Zöglinge in der Kinderstube © Liz Collet

 

Zarte Zöglinge in der Kinderstube © Liz Collet
Zarte Zöglinge in der Kinderstube © Liz Collet

Aber vielleicht spendiere ich dem Blumentopf noch mal das eine oder anderer Versuchskaninchen, pardon: Versuchskichererbserl.

Kichererbsen © Liz Collet
Kichererbsen © Liz Collet
Rieslingsuppe, Weinsuppe, Kichererbsencreme, Räucherfisch, geräucherter Saibling,
Rieslingsuppe, Weinsuppe, Kichererbsencreme, Räucherfisch, geräucherter Saibling,

Auch wenn ich noch zweifle, ob auch Kichererbsen daraus wachsen werden. Noch mehr, ob es für eine Suppe reichen kann.

Aber der Spass liegt nicht immer nur im Ernten.

Dass Thymian

Thymian © Liz Collet
Thymian © Liz Collet

und Salbei

Salbei © Liz Collet
Salbei © Liz Collet

Thaibasilikum

Thaibasilikum © Liz Collet
Thaibasilikum © Liz Collet

Rosmarin

Rosmarin © Liz Collet
Rosmarin © Liz Collet

sowenig fehlen werden, wie Radieschen- und Rucolakresse, versteht sich von selbst.

Radieschenkresse und Rucolakresse © Liz Collet
Radieschenkresse und Rucolakresse © Liz Collet

Petersilie natürlich

Petersilie II © Liz Collet
Petersilie II © Liz Collet

von der man nie genug pflanzen und nie genug haben und nie genug geniessen kann.

Petersilie © Liz Collet
Petersilie © Liz Collet
Oregano © Liz Collet
Oregano © Liz Collet

Oregano

Minze © Liz Collet
Minze © Liz Collet

Minze

Majoran © Liz Collet
Majoran © Liz Collet

 

 Majoran werden dieses Jahr mehr Platz bekommen, der neue Burgbalkon ist nicht nur etwas geschützter durch das Glasdach über die ganze Breite und schattenspendende Markise bei Bedarf, als der bis zum hohen Giebel offene vorherige Balkon. Er hat auch auf der ganzen Länge eingebaute Kästenhalterung für viele grüne Schlingel dort und in Bodentöpfen ohnehin.

Wenn mich der Übermut packt, werfe ich vielleicht ein paar kleine Saatkörnchen für diese hübschen Jungfern ins Grüne:  Jungfer im Grünen {Nigella damascena}

Selbst bei den Stürmen dieser Tage ist der Unterschied des geschützteren Balkons sichtbar und spürbar. Das machte auf dem winzigen Balkon in der Isarmetropole, bei dem auf kaum 2qm der Platz auf den Bodenbrettern am Geländer entlang ebenso wie der am Gitter selbst auch auf kleinstem Raum ausgenutzt wurde, um stehend wie hängend den Kräutergarten und die blühenden, essbaren wie nicht essbaren Pflanzen zur grünen Insel zu verwandeln, zur Laube im Dachgärtchen.

Chinesischer Schnittlauch © Liz Collet
Chinesischer Schnittlauch © Liz Collet
Dill © Liz Collet
Dill © Liz Collet

 

Aromagarten © Liz Collet
Aromagarten © Liz Collet

Neben den vielfältig wieder möglichen Töpfen für den Aromagarten der Kräuter werden daher auch diese Lieblinge Platz haben, die “mit Stumpf und Stiel”, von der Blüte über Blätter

Tomaten, Kapuzinerkresse, Frischkäse ....perfekt © Liz Collet
Tomaten, Kapuzinerkresse, Frischkäse ….perfekt © Liz Collet

und bis zu den “Kapern” bei mir Verwendung finden. Nicht nur zu Spaghetti mit einem Sonnenblumen- oder Mandelpesto

Primadonna des Fleurs © Liz Collet
Primadonna des Fleurs © Liz Collet
Dessertkandidatin © Liz Collet
Dessertkandidatin © Liz Collet

 

Ballet des Fleurs © Liz Collet
Ballet des Fleurs © Liz Collet

Der Duft von Kräutern und Blüten, erst recht an lauen Sommerabenden zwischen den Windlichtern ist unersetzlich.

An einem lauen Abend© Liz Collet
An einem lauen Abend© Liz Collet
Aromagarten © Liz Collet
Aromagarten © Liz Collet
Blut-Ampfer, Blutampfer, Hain-Ampfer, Hainampfer, Rumex sanguineus © Liz Collet
Blut-Ampfer, Blutampfer, Hain-Ampfer, Hainampfer, Rumex sanguineus © Liz Collet

 

Brunnenkresse © Liz Collet
Brunnenkresse © Liz Collet

Zu den Lieblingen gehören auch die Blüten von Schnittlauch, die pur oder mariniert traumhafte Begleiter zu Butter, Käse, Joghurt, Frischkäse und Topfen wie auf Salaten sind.

Mozzarella-Schnittlauchblüten-Sticks © Liz Collet
Mozzarella-Schnittlauchblüten-Sticks © Liz Collet

Ebenso wie die Knospen der Kapuzinerkresse.

Kapuzinerkresseknospe © Liz Collet
Kapuzinerkresseknospe © Liz Collet

Aus dem Abschnitt der Karotten, die in der Küche verwendet werden, wächst zartes Karottengrün.

Was ist es ? © Liz Collet
Karottengrün © Liz Collet

Dass vor meinen Rezepten nicht nur Radieschen-, Kohlrabi -, Rote Beete-Blätter, sondern auch das Möhrengrün nicht sicher ist, haben Sie auch in anderen Beiträgen schon gelesen. Wie bei den Pappardelle mit Kohlrabistreifen und deren Blättern, die auch eine gute Suppe zubereiten lassen. Radieschen, die in diesem Jahr auch auf dem Burgbalkon zu ernten sein werden und ihr Grün geben genussvolle Zutaten für Rezepte wie diese mit Pasta und Petersilienwurzeln oder solche mit Wurzeln und Gemüse und Salat ab.

Der Griff in den eigenen Kräutergarten oder auch nur wenige Schritte vor die Türe für Zutaten ist kaum noch zu erwarten, bei mir. Und bei Ihnen?

Peterl und Radieserl © Liz Collet
Peterl und Radieserl © Liz Collet

Wenn Sie mögen, dann besuchen Sie doch gern auch meinen kleinen “Kräutergarten” der kleinen Lindenburg hier.

Ich würde mich freuen, Anregungen, Kommentare wie Sie herzlich willkommen.

Und mehr aus dem Blauen Land am Staffelsee, dem Werdenfelser Land, Leben, Brauchtum, Genuss durch’s Jahr und Land finden Sie hier:

6 comments

  1. Danke, liebe Karin, aber ich fürchte, ich tue nur sehr wenig dazu – die Hauptarbeit machen die kleinen grünen Schlingel, die meinen Speisezettel bereichern, ahnungslos ihrem Schicksal entgegenstrebend und wachsend, auf selbigem zu enden.🙂 Aber wenn Dich der Beitrag zum Frühlingsträumen bringen konnte, dann sind wir schon zwei, die sich darauf freuen! Liebe Grüße und schönen Wochenendausklang!

  2. […] Wenn jemand Sie nach Ihrer Kinderstube fragt, kann das den einen oder anderen vielleicht irritieren. Wenn mich das jemand fragt, ist das erheiternd. Denn in meinem Fall hat das seinen Grund und die Neugier auf die Fortschritte in der Kinderstube hat es mit diesem Nachwuchs zu tun: Blue Hour Moments – die kleine grüne Kinderstube , in der es vor etwas mehr als 14 Tagen noch so… […]

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