Zwiebeln – nicht Ihre Leidenschaft?

Und noch weniger: Sie zu schneiden? Wegen ihrer Tränen flutenden Wirkung? Oder weil Sie die zu Tränen rührenden Biester nicht so recht zu fassen oder schneiden wissen?

Gegen die Tränen verursachende Wirkung haben Generationen an Utensilien und Geräten gebastelt. Erinnern Sie sich noch an Zick zack Zyliss? Oder auch in der Schreibweise Zick Zack Zillis zu finden. Den Zwiebelhacker? Nachfolgemodelle sind heute noch im Handel zu finden. Das erste Modell auf dem Markt hatten meine Eltern in unserer Küche. Es wurde von den verschiedenen Familienmitgliedern unterschiedlich gern eingesetzt.
Abgesehen davon, dass die ätherischen Öle beim Anheben des Gerätes über den geschnipselten Zwiebeln dennoch in die Nase stiegen, störte mich vor allem daran der Aufwand, die Teile spülen zu müssen, deren Säuberung mehr Aufwand macht, als Brettchen und scharfes Küchenmesser und wenig an Tränen ersparten, vor allem, wenn man auch noch grössere Mengen an Zwiebeln schneiden musste. Die zudem natürlich geschält und mindestens halbiert und geviertelt werden mussten usw. Womit wir wieder bei den von vielen so verhassten ätherischen Ölen der Zwiebel wären.

Spätestens wenn Sie zwischen 2 und 3 Pfund Zwiebeln für einen hübschen grossen Kessel Gulasch bei entsprechender Fleischmenge vorbereiten, werfen Sie die Zick zack Zillis nach hinten über die eine Ihrer beiden Schultern, seufzen einfach ein bisschen und machen sich ans Zwiebelwerk. Per Mano. Mit scharfem kleinem Küchenmesser und einem ordentlichen Arbeitsbrett.

Für meinen Grossvater wäre eine “ZZZ” eh unnötiger Krusch oder Ramsch oder Glumpp gewesen, meine Grossmutter hätte sie eher ausprobiert, aber auch nicht als notwendig angesehen. Die beste Methode ist (nach meinem persönlichen Geschmack) einfach: Zügig und geschickt ans Werk und mit gut geschärftem Küchenmesser.

Bunte Zwiebelvielfalt © Liz Collet
Bunte Zwiebelvielfalt © Liz Collet

So, wie man es mir von Kindesbeinen an beibrachte. Und zum Thema Tränen gab es keine Ausrede. Höchstens humorvoll- unnachgiebige Anweisungen und Kommentare wie “Das muss eine ordentliche Hausfrau eben auch können” oder “Bis zur Hochzeit trocknen die längst wieder”. Oder “Und gesund sind die ätherischen Öle eh und machen die Augen wieder klar”. 

Sie lesen den Subton? Genau:  Drücken galt und gilt nicht.

Und mit Zwiebeln wurde gern und viel gekocht, auch weil sie zu den Grundzutaten vieler Saucen gehörte, bei Braten und anderen Fleischgerichten, aber auch zu Kurzgebratenem. Hier galt zudem eine weitere Regel:

“Eine Köchin, die Mondamin oder Packerlsuppen oder -saucen braucht, ist keine g’scheite Köchin oder Hausfrau”.

Wobei “g’scheit” durchaus doppeldeutig mit klug wie auch ordentlich gemeint war. Wer nur Fleisch braten wollte oder konnte, aber keine ordentliche und schmackhafte Sauce passend zum jeweiligen Gericht und Fleisch, Fisch, Gemüse etc zustandebrachte oder nicht ohne “Tütensaucen”, taugte auch nicht viel als Köchin.

“Mondamin kommt nicht in meine Küche”

war Gesetz bei meinen Lehrmeistern. Und Lehrmeisterinnen.

Das ist nicht allein eine Generationenfrage. So erlebte ich in Familien meiner Freundinnen wie Nachbarschaft und auch im späteren erweiterten Familienkreis auch Frauen der Generation meiner Eltern und Grosseltern eine gänzlich andere Haltung, selbst bei denen unter ihnen, die beruflich Hauswirtschaft beruflich gelernt hatten und ausgerechnet dort, dass ausnahmslos Fertigsaucen verwendet wurden. Besonders nachdrücklich, wenn auch nicht nachhaltig im heute üblichen Sinne, in Erinnerung ist mir dabei ein Gericht, das als “Schnitzel in Zwiebelrahmsauce” von einer – eigentlich ausgebildeten und professionellen –  Hauswirtschafterin gern serviert wurde:  Der Inhalt einer Fertigtüten-Zwiebelsuppe  wurde in einer Schüssel  mit Sahne verrührt und die Schnitzel in dieser “Melange” ein paar Stunden oder über Nacht darin eingelegt und andertags so wie es war in der Microwelle gegart und dann zu Beilagen serviert.

Nun – jedem das Seine und manches (zB bei Verbraucher- und Produkttests, die ich durchführe) probiere ich auch aus Spass am Ausprobieren aus. Mit unterschiedlichem Fazit, manchmal, aber im Grunde bleibt bei mir der Grundsatz: Selbst und mit dem zubereiten, was ich so frisch wie möglich bekomme und wovon ich dann weiss, was im Gericht enthalten ist und eben vor allem: Selbstgemacht.

Das hat nicht nur damit etwas zu tun, was man wie gelernt hat und wie man es gewohnt ist. Oder mit einer Philosophie nach dem Motto “Du bist, was Du isst” oder weil es frischer, gesünder, preiswerter sei.

Das alles sind AUCH Gründe neben dem vorrangigem des Geschmacks und derm Spass und der Lust am Selberkochen und Zubereiten, dem Können und Geniessen und der Entspannung, die Kochen und alles andere für mich persönlich in der Küche ist.

Und dann ist da noch etwas anderes, das in der Diskussion zwischen Take Away Food , Convenience und Fast Food und Fertiggerichten völlig vergessen wird und nirgendwo in den Themen auftaucht. Das Selbermachen und damit das Können jeder Hausfrau, Köchin (und gern auch jeden Hobbykochs wie Profikochs) waren und sind mit der ganz eigenen Handschrift und Geschmack ihrer Rezepte und Gerichte viel mehr als nur ein Menü oder Mahlzeit, die auf den Tisch kommen. Sie begründen einen Ruf, eine Klasse für sich, die vielleicht nicht in Sternen ausgewiesen wird. Wie bei Sterneköchen. Sie sind bei manchen aber – traurig genug  für die Profis an Herd und Küche – mehr Sterne wert und Auszeichnung, weil ausgezeichnet zubereitet, wenn sie eben nicht wie viele Köche und Küchen sogar in der sog. gehobenen Gastronomie mit Fertigprodukten arbeiten, die dem Gast vorgesetzt werden. Und für welche er im Restaurant ein Mehrfaches des Preises zahlt, den er für eine Tüten- oder Konservensuppe oder Kartoffelsalat etc  in angelieferten Eimern oder Verpackung im Laden zahlen und sich nur daheim auf den Teller umfüllen müsste.

Von den Lehrmeistern, bei denen ich in der Küche zur Schule ging, hatte jeder seine besonderen Fähigkeiten und Talente, Rezepte und Gerichte neben den Basics, die sie alle beherrschten. Jede(r) hatte seinen Ruf in und über die Familie und den Freundes-, Kollegen und Kreis der Nachbarn hinaus für die verschiedenen besonderen Schmankerl, die eben nicht bei jedem sonst so auf den Tisch kamen. Die bei dem einen am allerbesten waren, wie gut auch die anderen vielleicht bei ihren Gerichten sonst sein mochten.  So war die eine berühmt für ihre Torten, die andere für ihre eingeweckten Schmankerl aus dem eigenen Garten, die dritte für ihre Saucen usw.

Die Unverwechselbarkeit und nicht austauschbar und ersetzlich zu sein, ist eines der hübschesten Komplimente und Gründe  für die Zubereitung mit frischen Zutaten und eigenen Rezepten.

Einladungen zu Familientreffen und zum Kaffee oder Essen  gingen schon Tage vorher Fragen voraus, ob es wieder “Deine wunderbare Buttercremetorte” (das können Sie austauschen gegen andere Torten je nachdem, wer Gast war und je nach dessen persönlichen Vorlieben) , “Deine herrlichen Zitronenomelettes”, “Deinen Schweinsbraten mit dieser wunderbaren Sauce und den selbergemachten Knödln” gibt usw.

Man konnte den Fragenden das Kopfkino schon Tage zuvor im Gesicht ablesen, das ihnen den Genuss bereits schier auf Gaumen und Zunge zauberte und die Geschmacksknospen tanzen liess, zwischen Erinnerung an zurückliegendes und Vorfreude auf das kommende Zusammensein und Genuss-Schmankerl.

Das ging hin bis zu den Weihnachtsplätzchen, die im Advent verschenkt wurden und ihre Fans hatten, die sich jedes Jahr auf’s Neue freute, dass sie wieder welche bekommen würden.

Für keine Tütensuppe und -Sauce der Welt oder andere gekaufte Produkte habe ich solche Geniessergesichter je vergleichbar  leuchten sehen………….

Wenn Sie mich fragen – für den Genuss und die Gesichter der Geniesser, die ich bei meinen Saucen (und anderen Gerichte) wohlig und zufrieden an meiner Tafel erlebte und erlebe, habe ich stets liebend gern jede Menge Zwiebeln geschält, geschnibbelt und gebrutzelt. Als Kind mochte ich Zwiebeln nicht in jedem Gericht, in der Regel lag dies dann aber daran, dass sie nicht die richtige Konsistenz nach dem Garen hatten oder  zu dunkel gebraten worden waren, wenn sie zB zu Berliner Leber oder auf Spätzle mit Käse oder bei Schinkennudeln zu früh oder zu lang in der Pfanne mitgebraten wurden oder beim sauren Kartoffelgemüse oder bei Kartoffelgröstl aller Art oder zu Bratkartoffeln. Und in der Brotsuppe, die bei uns meist als klare Suppe mit knusprig gebratenen Bauernbrotscheiben und eben Zwiebeln auf den Tisch kamen.

Alles aber Dinge, die man beim eigenen Kochen und Zubereiten ganz leicht anders handhaben und seit langem liebe ich Zwiebeln in allen Sorten und Varianten und zu vielen Gerichten und Rezepten. Balsamicozwiebeln aus roten Zwiebeln etwa haben für mich Suchtpotential, zu denen ich nichts oder nur dunkles Bauernbrot brauchen würde. Alles andere dazu ist variabel, von Käse zu Fleisch, Fisch und Gemüse oder Kartoffeln. Einiges dazu habe ich bereits bei  Zwiebelgrün ausgeplaudert.

Und wenn Sie es nicht von Kindesbeinen an lernten, wie es kinderleicht geht, angefangen von den Zwiebelchen…………dann habe ich hier

ein hübsches Video von ichkoche.at, die Ihnen das vormachen.

Und ich….. ich gehe mir jetzt ein richtig schönes Leberwurschtbrot streichen. Und drei Mal dürfen Sie raten, was [neben der mit Senf] eine der Lieblingsvarianten meines Grossvaters dabei war und eine der meinen bis heute ist…..

Hätten Sie übrigens gedacht, dass (Tränen hin oder her) Zwiebeln weltweit zu einer der beliebtesten Gemüsesorten gehören?  Schärfe oder Süsse und Schärfe je nach Sorte, Aroma, Vielseitigkeit, einfache Kultivierung und  gute Lagerfähigkeit machen aus der Zwiebel ein wertvolles Lebensmittel. Rote  Zwiebeln bieten dabei übrigens Berichten zufolge weit mehr gesundheitliche Vorteile als gelbe oder weisse Sorten. Sie sind reich an Antioxidantien, unterstützen den Körper bei der Krebsprophylaxe, schützen vor Diabetes, verdünnen das Blut, fördern die Gewichtsreduktion und bekämpfen Entzündungen. So jedenfalls und noch viel mehr zu lesen hier.

Auch das könnte Sie interessieren:

5 comments

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s