Soupe au Lait

Soup au Lait © Liz Collet
Soup au Lait © Liz Collet

Sie hat einen französischen Namen. Und Allgäuer Wurzeln. Und das macht sie für mich geradezu symbolisch passend, weil wir es gemeinsam haben.

Aufgewachsen bin ich zwar in der Isarmetropole. Aber die Geburtsurkunde wurde in einer hübschen kleinen Stadt an der Romantischen Strasse und mit einer rundum von einer Stadtmauer umfasstem Ort und alten Häusern und Dächern darin ausgestellt. Dass ich noch im ersten Lebensjahr in meine Isarmetropole entführt wurde und dort zunächst im alten Schwabing aufwuchs, änderte und hinderte nichts daran, dass und wie liebend gern ich immer Zeit in dieser Stadt und Heimat am Lech und bei meinen Grosseltern verbrachte, viele Ferien und nicht nur dann, wann immer möglich. Wie sehr das von jeher auch prägte, stellen manche, die mich erst mit Studium und Beruf kennenlernten, die mich über meine Heimat und Deutschland hinaus an viele hübsche Orte führten, jetzt oft ganz erstaunt fest. Und nicht selten höre ich dann:

So kenne ich Sie / Dich gar nicht! Das sind ja ganz neue Seiten an Ihnen/ Dir! Schöne, aber …….doch ganz neue…”

Und dann muss ich manchmal ein bisschen schmunzeln. Und je nachdem, wen ich vor mir habe, denke ich dann nur, bei anderen sage ich es dann vielleicht:

“Nein, das sind keine neuen Seiten. Sie kennen mich nur einfach nicht. Nicht………richtig. ”

Oder auch – verschmitzt – : ” Du glaubst miiiich zu kennen????”

Und bringe den einen zum Lachen, den anderen zum Nachdenken, damit. Und (unbeabsichtigt) dazu, doch mal näher hinzusehen. (Ob das allerdings  immer lohnt, ……..fragen Sie nicht mich. Lieber nicht mich…. )

Diese Suppe jedenfalls ist aus einem der Rezepte entstanden, die ich als Kind bei meinen Grosseltern bekam – zubereitet wurde sie wie viele der Gerichte meiner Kindheit dann von meinem Grossvater. Das hatte – wie die Tatsache, dass er überhaupt Kochen gelernt hatte und meist derjenige war, der am Kochtopf stand, seit ich ihn kannte – seine Gründe schon in seiner Jugend. Da lernte er als einziger von mehreren Brüdern das Kochen von meiner Urgrossmutter, einer klugen, feinen Frau. So wirklich willig, Kochen zu lernen, war mein Grossvater anfangs keineswegs auf Anhieb. Unter einer Handvoll Brüdern der Jahrgänge Anfang des 20. Jahrhunderts wäre das auch wohl kaum überraschend. Wo Männer andere Vorbilder und andere Interessen hatten. Doch meine Urgrossmutter beharrte sanft und sprach:

“Lern es – lerne, was immer Du lernen kannst und jemand Dir beibringt, Du weisst nie, wofür Du es mal brauchen kannst”.

Wie wahr dies werden sollte, zeigte sich dann nach der Rückkehr meines Grossvaters aus dem Krieg. Als seine Frau in einer Klinik lag , an Krebs erkrankt und man ihr erklärte, dass sie ihre kaum schulpflichtigen Kinder wohl keine 5 Jahre mehr erleben würde.In dieser Zeit kochte mein Grossvater nicht nur, sondern versorgte Haushalt und Kinder neben seiner Arbeit und mit den beiden Mädchen zusammen. Von Kind auf helfen und mithelfen war da wie für mich auch von jeher normal. Auch in der Küche. Und so lernte ich auch als Kind bei meinen Grosseltern unter anderem viel über Kochen, Backen, Zutaten aus der Natur und sehr einfache Rezepte. Wie eben diese Suppe.

Diese Suppe kennt man auch in verschiedenen Versionen im Elsass und im Rheingau, ebenso wie hier im Oberbayerischen. Versionen mit “gstöckelter” oder “gsteckelter” Milch, bei der diese mit Mehl oder Brot und heissem Wasser aufgekocht wurden sind ebenso als Arme-Leute-Essen bekannt und verbreitet wie das Rezept, das in Buch und Film “Herbstmilch” über und mit Anna Wimschneider bekannt geworden ist. Das folgende Rezept ist eine leicht variierte Rezeptversion derjenigen meines Grossvaters.

Für 4 Personen:

10 fein geschnittene Scheiben altbackenen Weissbrots oder Baguette
2 – 3 El Schmalz oder Butter
je 1/2 l Milch und Gemüse- oder Hühnerbrühe
1 kleine Schalotte
1 dicker Bund Petersilie
Prise Salz und Pfeffer
Weitere Brotscheiben (frisch oder ebenfalls geröstet) als Beilage

Die Brotscheiben im Schmalz oder in der Butter hellgoldbraun knusprig rösten.
Milch und Brühe in einem Topf zusammen zum Kochen bringen, die Brotscheiben hinzufügen, die klein gewürfelte Schalotte in der Pfanne angehen lassen und ebenfalls in die Suppe geben. Die Suppe ggf. mit dem Pürierstab kurz aufmixen, dann die frisch gehackte Petersilie hinzufügen und mit Salz und Pfeffer die Suppe abschmecken.Sollten Ihre Brotscheiben grösser und die Suppe damit bisschen dicker geraten, “strecken” Sie sie mit wenig mehr Brühe oder Milch. Zusammen mit Brot, etwas Käse und frischen, geputzten und fingerfood-tauglich geschnittenen Karotten servieren.

Eines der Rezepte meiner Kindheit. Eines, das ich seit Kindheit liebe. Und das hat vielleicht AUCH damit zu tun, dass diese Zeiten mit meinem Grossvater, meinen Grosseltern zu meinen “Herzenstagen”  und manche auch zu meinen “Herrenhemdentagen” gehören, die mir ins Herz gewachsen und dort tief verwurzelt sind. Tief verwurzelt, wie Heimat, die nicht ein Ort sein muss und dennoch an vielen Orten liegen kann.

Und weil sie einfach ….und einfach lecker ist.

Und wem sie trotzdem zu einfach ist – aufpeppen kann man sie mit wirklich beinahe allem. Nur zu! Variieren Sie Petersilie mit Kerbel oder Schnittlauch oder Basilikum. Oder fügen Sie Gemüse, Schinken, Fleisch- und Bratenstücke, Salamiwürfel oder oder oder…. hinzu.

  • Soupe Au Lait
  • Noch mehr Suppen aus meiner Feder und Tiegeln und Töpfen? Aber gern, wie wäre es mit dieser kleinen Auswahl, zum Beispiel? Und ich habe noch einige hundert mehr in der Küche und im Kopf.😉 Blinzeln Sie doch gern wieder herein….. ich freue mich.

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