Burg, Brot und keine Bange vor dem Schnee

Burgbackstube © Liz Collet

Solang Mehl, Eier, Butter nicht ausgehen, und der Espresso natürlich. Kleiner Scherz.

Nicht, was den Espresso angeht. Ohne den werde ich brummig. Er gehört daher zu den TOP 10 der Vorräte, die nie im Haus fehlen dürfen.  Jedenfalls nicht in meinem. Ich bin damit aufgewachsen, sie sind für mich selbstverständlich. Und ebenso selbstverständlich ist, dass sie nicht alle gekauft werden.

Nein, nicht aus Angst eingeschneit zu werden, ist Vorratshaltung für mich so normal. Obwohl ich es mehrmals war.

Was passiert, wenn man eingeschneit wird? Harte, kalte Winter kenne ich als Kind und sogar in Regensburg während meines Studiums habe ich einen besonders eisigen Winter mit rund 20 Minusgraden erlebt. Den letzten wirklich eisigen Winter in München hatten wir dagegen vor rund 6 Jahren.

Wenn Sie aber  wie ich im Allgäu geboren sind und viele Wochen im Jahr auch dort verbringen, bei Grosseltern, sind Ihnen Schneehöhen von einem Meter ganz normal und auch die rechts und links des Weges bis zu Mannhöhe aufgetürmten Schneeberge des beiseite geräumten Schnees auch. In dem kleinen Ort an der Romantischen Strasse mit seiner Stadtmauer  wohnte nicht jeder innerhalb derselben und wer ausserhalb der Stadtmauer wohnte, wie meine Grosseltern, die nach den ersten Jahren innerhalb der Stadtmauern in eine Wohnung ausserhalb derselben zogen,  lief nicht einfach immer mal eben “rauf in die Stadt”, wenn was im Haus fehlte. Und auch nicht für alles zu dem kleinen Tante Emma Laden am Ende der Strasse. Man versorgte sich so weit es ging mit allem, was über das Jahr der eigene kleine gepachtete Garten und sonst Wald und Wiese hergaben, hielt Vorrat und wirtschaftete damit, was davon auch im Winter getrocknet, eingekocht, eingemacht und zum Teil auch gefrostet im Tiefkühlfach war oder wie Gemüse und Kartoffeln im Keller lagerten. Oder was – wie die Salami, die Landjäger und das “G’räucherte” – an Haken in der “Speis'”, der Vorratskammer befestigt im kühlen Raum auch über Wochen und Monate haltbar war und allenfalls weiter “lufttrocknete”. Und natürlich immer auch Käse.

8g Trockengewicht © Liz Collet

Getrocknete Schwammerl, Kamillenblüten, Brombeerblätter für Tee, Ringelblumen, Kornblumen, Rosenblüten, und vieles andere mehr waren und sind selbstverständlich gewesen und bleiben es für mich, wann und wie immer möglich. Hollerblüten frisch für Speisen verwenden ebenso wie sie zu trocknen oder mit Zitronen und Zucker zu Sirup zu verarbeiten. Oder – wie ich seit Jahren – auch zu Likör. Ebenso wie Kirschen und Brombeeren, etwa.
Dazu Marmelade aus Waldbrombeeren und -Himbeeren und Blaubeeren oder Hagebutten, Hollerbeeren, von den Marillen ganz zu schweigen, oder anderem Allerlei in Gläsern aus Kirschen, Zwetschgen, Äpfeln, Birnen, dazu Haselnüsse, Bucheckern. Natürlich auch  selbst eingelegte Pilze, Gärtnergurken, aber auch anderes Gemüse, was immer der Garten meiner Grossmutter oder der Wald und die Wiese hergaben. Lauch, Karotten, Zwiebeln, Petersilie, Dill und vieles mehr, das getrocknet, gefrostet und bevorratet wurden. Und was Wald, Wiese und Burggarten selbst in der Dachgartenlaube der Isarmetropole oder der nunmehrige heute und auch im nächsten Jahr wieder  für mich  hergeben.

Fensterguggerl von der Burgzinne © Liz Collet

Irgendwas ist daher und dann immer im Haus. Im Schatzkeller. Sogar für die Zwitschervögel, die jetzt auch ihr Futter bekommen dürfen. Nicht auf dem Schnee hier beim Fensterguggerl, das im Schnee versinkt und das nichts mehr mit dem Fensterbrett meiner Küche in der Isarmetropole gemeinsam hat. Wo Gimpel, Buchfinken, Grünfinken, Meiserln, Spatzen, Amseln, und andere landeten und ans Fesnter pickten, wenn ich ihnen noch nichts rausgestreut hatte.Und von wo aus auch im Garten Spechte, Kleiber, Eichkatzerl und anderes zu sehen waren.

.Aber dafür unter dem Vordach zur Gartenseite nun hier eben. Und ich bin gespannt, was sich dann an bunter gefiederter Schar einfinden wird. Vielleicht auch wieder ein paar Gimpel? Man wird sehen.

Und was mich angeht?  Heute mal Steinpilze. Aus dem Vorratsschrankeerl. Schon aus 8-10 g Trockengewicht von Stein- oder anderen Waldpilzen ist eine Suppe, eine Sauce zu Pasta, Kartoffeln, Reis aber auch eine Füllung für Pfannkuchen machbar mit einer Zwiebel, etwas Butter,  Milch, etwas Mehl und Kräutern.Oder auch ein herrliches Gericht aus Ofencannelloni mit einer Schwammerlbechamel und etwas Käse darauf.

Eingeschneit zu werden macht da kein bisschen bange.

Habe ich auf Hütten schon erlebt. Zum Beispiel auf einer über dem Schliersee. Über Tage hin. Genuss pur. Blick auf einen zuckerweiss verschneiten Ort Schliersee und See, wenn die Wolken oder Nebel es nicht verhinderten, die dann im Tal lagen.  Besonders hübsch in der Blue Hour, wenn es aussah, wie die Miniaturlandschaft der Spielzeugeisenbahn. Bullerofen. Und sich miteinander die Zeit vertreiben und Zeit zu haben geniessen. Mit dem was man ist. Mit dem was man hat. Irgendwas ist ….. Sie wissen schon.

Beim Segeln ist man auch gewöhnt, gut vorbereitet zu sein. Selbst dann, wenn man bei WS 9 noch an den Hafen kommt, kann es passieren, dass der Steg bis zu halben Geländerhöhe und der Steg selbst ganz unter Wasser verschwunden sind. Tagelang. Wie vor ein paar Jahren beim Segeln im ostfriesichen Wattenmeer erlebt, als wir auf Wangerooge dann ankamen.

Vielen aber ist es zu lästig, sich auf Wetter einzustellen. Wundert es? Wo es schon bequemer geworden ist, nur sms zu senden, wo man Menschen schon “erschrecken” kann, wenn man statt langer und endloser sms-Wechsel mal einfach zum Hörer greift und anruft. Und dasselbe auf eine Weise  erledigt, die ich nicht nur als persönlicher empfinde, sondern die dennoch rascher und effizienter ist, als einen sms-Dialog über Zeitraum gestreckt zu führen und sich dabei und dafür dauernd bei etwas anderem zu unterbrechen (den anderen auch). Was nicht besonders konzentrationsförderlich ist. Und nicht effizient. Und schon gar nicht persönlicher.

Aber es ist eben bequemer, zu simsen, unverbindlich, jederzeit, ohne Mühe und Einstellen auf das vis-à-vis. Ebenso nur zu zwitschern, nur online social life in die timeline packen zu wollen und zu können, weniger und weniger face to face statt facebook? Dort aber dafür mit einer zeitlichen Aus-Dauer, die  weit über das hinausgeht, was es mehr an Zeit kosten mag, wenn der Schnee unseren Alltag zwischendurch und bereits im Oktober “ausserplanmässig”  verlangsamt und entschleunigt.

Fensterguggerl von der Burgzinne © Liz Collet

Mancher scheint beim ersten Schnee in Kummer zu versinken. Könnte man glauben. Ich geniesse ihn. Immer schon. Als Kind waren Herbst und Winter meine Lieblingsjahreszeiten. Die anderen mussten mich erst erobern, Kälte war mir lange lieber.
Liebe zu Schnee und Winter blieben. Die beiden Wochen Weihnachtsferien hier am Staffelsee seit ich als Anwältin in München arbeitete, waren mir wichtiger als Sommerurlaube sonstwo. Nicht allein wegen des Schnees. Aber er bringt hier etwas mit sich und mit den vielen hier vorhandenen Möglichkeiten “weit weg” vom Rest des Jahres und Trubel an anderen Urlaubsorten, das ich wie auch den Schnee eben liebe. Und auch wichtig finde. Ganz besonders, wenn man sonst mit Passion auch den Beruf und die Familie liebt, was auch auf Trab hält. Winter, Schnee empfinden viele nur als lästig – wo eine Chance zu dem besteht, sie zu dem zu nutzen, was sie wie von selbst mit sich bringen: Entschleunigung. Bewussterer Umgang mit der Zeit und der Zeiteinteilung. Und sich selbstkritisch zu fragen: Was hat wirklich Priorität, was muss wirklich getan werden, was muss wann und mit welchem Benefit davon getan werden? Und auf welche Weise? Internet hat dazu viele Optionen geschaffen, die als negative Nebenwirkung allavailability mit sich bringen. Aber nur, wenn man selbst das zulässt. Anstatt die Vorteile zu nutzen, nicht für alles dann mit der Bahn, dem Auto etc irgendwo hinfahren zu müssen. Und sich selbst zu disziplinieren, nicht auch die negativen Nebenwirkungen zu akzeptieren. Auch hier ist es eine Frage der Zeiteinteilung. Wieviel Zeit verschenke ich an was? Welche Zeit ist wie eine Münze gut in das investiert, was man als Ziel für wichtig hält und Benefit bringt?

Schnee als Hindernis zwingt zB sich zu überlegen, was muss wirklich zwingend ausser Haus erledigt werden? Ich kann Brot kaufen gehen. Oder es backen. Beispielsweise. Vorteile? Es macht sich wie nebenbei. Ich weiss, was drin ist. Weiss, woher ich die Zutaten beziehe, zB aus der Mühle der Region. Muss mir über Hygiene in Bäckereien sowenig wie über die Zutaten im Brot Gedanken machen. Und es rechnet sich in der Regel auch im Preis. Auch dann, wenn man Stromkosten mitrechnet.

Halbe Portion Mise en place © Liz Collet

Für den Singlehaushalt lässt sich für die “halbe Portion” mit 250 g Mehl, je 1/2 Tl Salz und Zucker, 160 ml Milch und 20g Hefe (halber frischer Würfel) und etwas Butter für eine Backform oder eine ganze Portion (verdoppelte Menge für Pfundweckerl oder zwei Halbpfundweckerl) mit kaum 50 cent für das Pfund Brot kinderleicht ein Brot backen, das frisch genauso wie anderntags schmeckt, als Toastbrot und als geröstete Scheiben auch nach 3 Tagen noch gut schmeckt.

Halbe Portion © Liz Collet

Wenn es denn je so lang “lebt”. Und nicht vorher wegschnabuliert ist.

Brot und Marillenmarmelade © Liz Collet

Was meist sehr schnell der Fall ist. Mit hausgemachter Marillen-Vanille-Marmelade. Oder mit Butter.

Pfundweckerl Sonntagsbrot © Liz Collet
Pfundweckerl Sonntagsbrot © Liz Collet

Oder Honig. Oder herzhaftem auf dem Brot. Wie zum Beispiel mit Frischkäse. Auch hausgemacht.

This slideshow requires JavaScript.

Irgendwie wurden aus diesem  Brot noch nie Serviettenknödl oder andere Rezepte, für die altbackenes Brot gebraucht würde. Und von dem so vieles an Brot aus dem Handel im Müll landet.😉

Pfundweckerl Sonntagsbrot © Liz Collet
Pfundweckerl Sonntagsbrot © Liz Collet

Mehr rund um Brot und Brotgebäck…….

This slideshow requires JavaScript.

8 comments

  1. Ja, du hast recht: man sollte immer wieder innehalten und über sein Verhältnis zu SMS, Facebook, Twitter etc nachdenken. Meine Kinder WhatsAppen lieber mit mir als mit mir zu telefonieren und es ist genau wie du sagst: letztendlich dauert das länger und ist anstrengender als zu telefonieren – aber vor allem ist es unpersönlich.
    Deine Liebe zum Winter und Schnee kann ich nicht mehr so teilen, noch als Kind in Baden-Baden und auch mit dem Eltern in ihrer Heimat (Allgäu) war das anders, aber über 30 Jahre im Norden haben da einiges bei mir verändert und nun ist mir Sommer, Sonne, Wärme lieber.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s