„Adstringierend”

Brainwalking © Liz Collet

Ich hege die Befürchtung, das wird das nächste Hype-Wort der Foodblogger-Welt.  Es gibt ja eine ganze Reihe davon.  Alle irgendwann ennervierend und penetrant wie Fruchtfliegen, wenn mehr als vereinzelt auftretend, die sich heimlich mit dem frisch gekauften Obst im Einkaufskorb in Ihre Küche eingeschlichen haben.

Ich würde sie aufzählen, wenn es mir nicht schon dermassen gegen den Strich ginge, sie zu sammeln für die Hitliste der kulinarischen Unworte des Jahres.

Lassen wir beiseite, dass manche scheinbar nur noch in Food & Beverage Porn & Sex on the Tongue zu sehen und schmecken und zu finden scheinen. Es sei ihnen gegönnt, aber müssen sie es in jedem 2. Satz und bei jeder Zutat, Getränk oder Gericht so etikettieren? Für diese Fälle und die Liebhaber dieser zum Gähnen langweiligen, weil auf so minimale Ausdrucksvielfalt reduzierten Worte für Geschmack und Qualität von Food & Beverage gleichermassen hat bekanntlich Wilhelm Busch bereits alles und doppelt hintersinnig und wahr gesagt:

„Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben.“ 

Schlicht – weil es eben ihre letzten, übriggebliebenen und einzigen Genüsse werden und sind.

Dehnen Sie oder tauschen Sie jenen Wein bei Wilhelm Busch gegen andere aus der Traube gewonnene Elixiere , die heute ebenso oder mehr en mode und en vogue sind oder dazu gemacht werden sollen. Addieren Sie dann  zu dem kargen Umfang des Wortschatzes “Porn” oder “Sex on the Tongue” noch ein gelegentliches “g..l”, das mit Geiz bei Preisen der angebotenen Produkte natürlich nicht einhergehen sollte, schliesslich gönnt man sich sonst nichts und schliesslich (Sex sells) soll der Kunde ja kaufen und teurer kaufen und einsehen, dass alles einen höheren Preis beim Genuss hat. Et voilà, Sie haben die Ersatzbe……😉

Ok,…Sie sind geistreich genug – denken Sie das Wort einfach selbst zu Ende.

Man wünschte sich, dem Sprachschatz der Liebhaber und Möchtegern-Liebhaber würde wieder einmal mehr oder wenigstens halb so viel Vielfalt hinzuwachsen, wie aus dem scheinbar so kargem Boden und unterschiedlicher Bodenqualität nicht selten die exzellentesten Trauben und Weine und andere Tropfen zu gewinnen sind. Die eine in Aromen und Geschmack und Vielfältigkeit immer neu erstaunliche und faszinierende Qualität und Diversität hervorzubringen verstehen, selbst aus scheinbar nur steinreichem Boden.

Was oftmals hinterherhinkt ist der Sprachschatz ihrer Liebhaber. Der  sich auf   steinzeitlich anmutenden  Minimalwortschatz beschränkt. Und zum Ausgleich dafür dann nach Worten zu suchen scheint, die dies kompensieren und kaschieren sollen und wollen. Dabei gäbe und gibt es so unerschöpflich vieles herauszuschnuppern und herauszuschmecken, dass es mehr Wort- und Sprachschatz wert wäre. Solchen, der auch richtig verstanden, gebraucht und verwendet und verstanden und nicht nur – très chic – nachgeplappert wird, bien entendu. Bien entendu – in jedem Sinne.

Demnächst wird dann vielleicht und leider allüberall das Wort “adstringierend” hineingewürzelt. Bis auch dieses wieder seinen Reiz verliert. Sei es mangels wirklicher Substanz oder sei es irgendwann ebenso ausgelutscht und ausgezuzelt als weiteres Hypewort der Food & Beverage Community.

Suchen Sie das Wort also besser nicht mehr in den folgenden Posts dieses Blogs. Sie werden es öfter als im vorliegenden Post nicht mehr hier finden.

Und Sie so ? Welches sind Ihre “Favorites” der schier tot getretenen Modevokabeln der Food & Beverage World? Welche kulinarisch wieder und wieder ausgezuzelten Worte gehen Ihnen auf den Nerv?

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