“Bevor Du kein Brot schneiden kannst….

Roggengezwirbelte © Liz Collet

………..brauchst Du ans Heiraten gar nicht zu denken.”

Nicht dass ich daran gedacht hätte, als ich den Satz zum ersten Mal zu hören bekam. Ans Heiraten gedacht hätte. Der Satz stammte von meinem Grossvater. Da war ich kaum 7 Jahre alt. Und gelernt habe ich es nicht, damit ich daran denken hätte dürfen. Abgesehen davon, dass mein Grossvater eh nicht der Meinung war, dass für mich Heiraten das Wichtigste sein sollte. Und ich eh nicht. Denn – Tatsache ist – Heiraten stand nicht auf der Prioritätenliste unter den ersten Rängen meiner Lebensplanung. Ganz und gar im Gegenteil.  Über Sinn und Unsinn des Heiratens an sich dachte ich später sicher das eine oder andere Mal nach, wenn andere darüber sprachen und es als das Alleinseligmachende betrachteten, gleich wie glücklich oder unglücklich sie grad waren, beziehungstechnisch. Aber selbst ans Heiraten dachte ich noch nicht mal bis drei Monate vor dem Zeitpunkt, als ich es dann tat.

Es schadete aber natürlich nicht, dass ich dann auch Brot schneiden konnte.😉 Brot schneiden lernte ich, weil es mir schlicht diebischen Spass machte, das Brot mit dem Brotmesser in akkurate gerade und gleich dicke Scheiben ebenso gut schneiden zu können, wie es die anderen in meiner Familie nur mit der Brotschneidemaschine schafften. Und weil es mir mindestens ebenso viel Lausbubenvergnügen bereitete, meinem Grossvater zu beweisen, dass ich das mindestens so gut konnte – und zwar egal, ob ich eh nicht heiraten wollte oder mir das irgendwann anders überlegen würde. Er schnitt das Brot an den Körper gehalten und mit dem Messer von vorn durch das Brot durch oder auf dem Brett. Erstere Methode wäre bei mir nie in Frage gekommen – allein der Gedanke, man würde mal versehentlich abrutschen ….

Alle anderen schnitten in unserer Familie das Brot mit der Maschine. Die meiner Grosseltern hatte noch einen Handkurbel und war fest am zweiten Küchentisch montiert, der neben dem Gasherd am Fenster stand. Und die meiner Eltern war anfangs eine ebensolche und dann eine elektrische. Ich schnitt und schneide Brot bis heute mit dem Brotmesser, wie ich es seit Kinderzeit lernte. Scheibe für Scheibe grade, sauber und gleich dick. Und so exakt, dass ich in den Jahren meiner Bäckereiarbeit immer für die Kolleginnen und Kunden das Brot halbieren musste – weil ich es zu deren allergrösstem Spass auf’s Gramm genau halbieren konnte.

Geschnittenes Brot zu kaufen widerstrebte mir immer schon. Um zu wissen, dass es schneller trocken wird oder früher schimmeln kann, braucht es wahrlich nicht viel Intelligenz. Das fand ich weder appetitlich, noch hatte ich Lust, mein Geld zu vergeuden, Brot wegwerfen zu müssen, das früh schimmeln konnte. Zudem hatte ich in manchen Supermärkten schon Brotscheiben in den Tüten schimmeln sehen, die lang vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums schimmelten, zB wenn sie noch zu warm bei Schnitt oder Verpackung waren und daher Feuchtigkeit dieser Wärme und diese den Schimmelprozess beschleunigen können. Wenn schon warmes, ofenwarmes Brot, dann offen und nur halb bedeckt von blossem Papier, nicht Folien oder Tüten und am liebsten von einer der Landbäckereien im Allgäu oder im Werdenfelser Land, durch das ich im bordeauxrotem R4 meines Grossvaters mit diesem sauste. Wenn wir “über Land” fuhren, um einzukaufen. Bei Bauern,  Bauernhöfen, Metzgereien , Bäckereien – wo gebacken, selbst geschlachtet und Käse hergestellt wurde.  Und wo das Brot im Korb neben mir im Auto zu heiss war, um es anschneiden zu können und duftete, wie Brot duften muss.

Während des ersten Semesters hatte ich in den Gassen von Regensburg die eine oder andere Bäckerei entdeckt, die noch selbst gebacken haben und gute und preiswerte Ware boten. Eine lag in der Lederergasse parallel zur Holzlände der Donau, ein altmodischer kleiner Bäckerladen mit alter Waage, Bonbongläsern auf der alten Theke und losem Papier, in welches das Brot noch eingeschlagen wurde. Und vom Laden sah man durch die Türe bis zur Backstube. Die wunderbaren Nuss- und anderen Hörndl waren wie das übrige Gebäck immer ein bisserl grösser als in anderen Geschäften und dennoch preiswerter. Dort wusste man noch wie man Plundergebäck  zu backen hat und sparte nicht  der Nussfüllung, die man in Hörndln anderer Läden mit der Lupe im Kipferl suchen muss.

Wenn ich kurz vor Ladenschluss kam, bekam ich das Brot ein wenig günstiger. In einer anderen Bäckerei, zur anderen Seite des Eisernen Stegs hin (über den ich auf der Insel mein Zimmer erreichte, das an deren Ende lag) entlang der Keplerstrasse und grad an der Ecke zum Durchgang zum Alten Rathaus hin, gab es eine Bäckerei, die verschiedene dunkle viereckig geformte Vollkornbrote gebacken anbot, von denen man nach Wunsch beliebig grosse Stücke am Stück oder auch geschnitten bekommen konnte. Anderntags gab es sie geschnitten und verpackt zum halben Preis. Ich bekam sie bereits am Abend kurz vor Ladenschluss und ungeschnitten zum halben Preis. Augenzwinkernd, weil sie wussten, dass ich bereits eine knappe Stunde vor ihrer Ladenöffnung morgens zur Uni sausen musste und morgens dann keines der reduzierten Restbrote erwischen konnte. Ja…… ich habe und hatte bei Bäckern und Bäckereien immer einen besonderen kleinen Stein im Brett. Fragen Sie mich nicht, warum. Ich liebe Bäckereien, sie…. mich irgendwie auch. Manche Liebe hält ein Leben lang. Und bevor Sie mich fragen – ja, ich habe auch hier meine Backstuben und Bäckereien, die ich besonders mag. Und geschnitten Brot kaufe ich auch dort natürlich nicht. Wenn ich Brot kaufe. Und nicht nur selbst backe.

Und wenn Sie es bisher tun, Brot geschnitten kaufen,  dann denken Sie ja vielleicht nach diesem Bericht des NDR Markt heute abend auch noch mal darüber nach.

Vielleicht.

Auch wenn Sie schon oder noch verheiratet sind.😉

PS: Nicht vergessen:

World Bread Day 2012 - 7th edition! Bake loaf of bread on October 16 and blog about it!

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