Nachsaison? Nach Saison – Erntekalender September 2012

Krautstrudel © Liz Collet

Für viele ist der Herbst, der September schon der Beginn der Jahreszeit(en), mit denen sie nichts anfangen können, der für sie trüb, trist, mit nieseligem Wetter, Regen, Nebel, Ungemütlichkeit, Kühle verbunden ist. Oft wurde ich schier bedauert, dass ich so spät und ausgerechnet im Herbst meinen Geburtstag hätte. Wegen nicht draussen feiern können. Wegen des ärmeren Speisezettels für Menü und Feier. Von Geburtstagen oder überhaupt.

Dabei gibt es kaum intensivere Farben rund um Natur und alles, was aus derselben gerade dann für Genuss und Sinne und Sinnesfreuden auch kulinarischer Art kommt und Lust auf Rezepte macht.

 

Allein die Vielfalt von Rezepten mit Kürbis um diese Jahreszeit ist unerschöpflich. Wie wäre es mit einem Spaziergang im Wald und über die Wiesen und ein paar hübsche leuchtende bunte zweige mit Beeren und Laub? Und dann einem Ofenschmankerl, das Sie unkompliziert vorbereiten und dann beim Heimkommen nur noch garen müssen? Bis dieses dann aus dem Ofen kommt, geniessen Sie vielleicht gern einen heissen Tee, Kakao oder Brot und Wein oder einen Aperitif?

Für ofengebackene Hokaido-Scheiben den Hokaido halbieren und in Scheiben schneiden, Kerne und Kerngekröse beiseite legen, die Kerne können Sie separat verwenden. In einem Reindl (Auflaufform) die Scheiben zusammen mit gesäuberten und geviertelten Kartoffeln mischen und mit einem Mix aus Öl, Knoblauch, Salz, Cayenne, Pfeffer und scharfen Paprika und wenn Sie mögen auch Rosmarin oder Thymian beträufeln, mischen und bei 220 ° im Ofen goldbraun und knusprig garen.  Dazu Salat oder Kräuterquark —– Genuss pur. 

Regelmässig hört und liest man dennoch dann wiiiie schade es sei, dass der Sommer schon ende. Für mich war das nie so – im Gegenteil, der Herbst war lange meine liebste Jahreszeit. Rang Zwo hatte der Winter. Wo andere nicht mal im dicken Mantel aus der Stube zu bekommen sind, war ich mit den selbstgestrickten Norwegerpullis warm genug verpackt und im Nu draussen, sobald der Schnee fiel. Der Herbst ist immer noch Platz 1, nur habe ich nach und nach den anderen Jahreszeiten auch ihre Vorzüge abzugewinnen gelernt.

Auch während der Studienzeit in Regensburg hörte ich immer nur von anderen, wie trist der Herbst sei und sie mache. Als ich selbst auf der Insel am Oberen Wöhrd, im letzten Haus dort lebte. Mitten im Grünen der Insel und alter Bäume und nur einen Schritt aus dem Haus zum Donauufer und um bis hinaus zum Winzer, nach Etterzhausen, zum Prüfeninger Schloss und  Mariaort und anderen Fleckerln zu spazieren, zu radeln oder zu joggen. Wo ich schon vom Fenster den Blick direkt hinunter auf Donau und hinüber zum Dom und die Silhouette und Dächer der Altstadt hatte und es viel Tage morgens nach Nebel aussah. Wochenlang hörte ich im ersten Semester von allen Kommilitionen nur Stöhnen über das nieselige, neblige Wetter in Regensburg. (Also ob im November sonst so viele Tage Sonnenschein mehr herrschen innerhalb der deutschen Landesgrenzen, aber Wetter und Logik und Wetterempf- und -befindlichkeiten sind Welten für sich).  Alles klagte über Herbst, Nebel und Donau. Und ihre Wirkung als  Depressionskatalysatoren. Selbst von denen war nichts anderes zu hören, die aus dem Hochfeuchtigkeitsbiotop entlang der Wupper oder von der hanseatisch regnerischen Küstenecke oder aus anderen auch nicht regen- und nebelarmen Regionen und Orten kamen.

Ich täte mich – glaube ich – ehr schwer in einer Region zu leben, in der die herbstlichen, winterlichen Tage und Stimmungen fehlen. Regen, Niesel, tief im Berg oder in der Ebene oder dem Fluss oder See liegende Nebelfetzen, Nebel und Wolken. Nebelweiber, wie sie hier heissen, wenn sie wie lang gezupfte Watte zwischen den Bergkuppen und -hängen …ja, eben hängen…. im  und zwischen Altweibersommer.

Nicht anders in Regensburg, wo der Nebel morgens oft über der Donau und der Stadt liegt und lag. Manchmal hob er sich dann und gab strahlendstem Sonnenwetter Platz frei, manchmal eben nicht und bot dafür ein für mich nie langweilig werdendes Bild von Stimmungen und Atmosphäre besonders im Herbst. Die mir, die ich es eh liebe so nah an Wasser wie immer möglich zu sein und zu leben, kein bisschen trübsinnige Laune machte und macht.

Die Tage sind im Herbst morgens und abends vielleicht frischer, aber zum Baden am See, zum Segeln, Wandern,für Radtouren, für alles, was mir sonst draussen Spass macht idealer, weil beständiger. Zudem steht die Sonne, das Licht anders, hat eine  andere Farbe und Intensität, andere Atmosphäre ……..nicht nur, aber besonders am Wasser, sei es Fluss oder See oder Küste. Wo dann ausserdem auch der Wind für meine Passion das schönere Temperament hat. Nicht nur beim Seglen. Je mehr, je lieber. So hatte und hat der Herbst im Jahreslauf meine besondere Vorliebe und die anderen Jahreszeiten müssen sehen, dass sie das wettmachen können. So hiess es schon als Kind über mich ” Du bist eben ein Herbstkatzerl”. Stimmt.😉

In mehr als nur einer Hinsicht. Und so geniesse ich ihn, diesen Monat, immer ganz besonders gern. Am besten wie hier beschrieben, in einem meiner besonderen Lieblingsgedichte.

Der September
Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.

Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend ziehn die braunen
und bunten Herden in den Stall.

Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.

Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.

Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Die Karussells drehn sich im Kreise.
Und was vorüber schien, beginnt.

[Erich Kästner]

 So, genau so mag ich, liebe ich meinen Geburtsmonat.  Wie jeden der anderen 13 Monate von einem meiner Lieblingsautoren mit Worten in Bilder und Stimmung gesetzt.

Und was vorüber schien beginnt…….in diesem Jahr auf mehrfache Weise besonders. Zum Beispiel mit der neuen Burg. Hier am See. Im Blauen Land. Und das macht neben dem Genuss, nun hier zu leben, wo ich jahrelang Winter- und Sommertage Urlaub machte und wo viele andere auch weiterhin “nur” Urlaub machen, dem Vergnügen, jetzt auf noch andere Weise Neues hier zu entdecken und oft back to roots zu spüren, zu geniessen, auch Vorfreude auf ……ja, eben diese wie die kommenden Jahreszeiten und den Weg durch und in ein neues Kalenderjahr. Saisonal, regional, ……und kulinarisch auch weiterhin.

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Der Speisezettel wird jetzt im September mit einer Fülle von Zutaten bestückt. Schon was an Gemüse und Salat (und davon manches in der Slide) an Möglichkeiten auf den Teller kommen kann, ist unerschöpflich. Dabei sind Obst und Früchte der Region, aus dem Wald noch nicht mal mit erwähnt, geschweige denn Fleisch oder Fisch. Wild im September, im Herbst im Besonderen. Rund um Wild und Wald ein Buchtipp?

Das Wild-, Wald- und Wiesenkochbuch (C) Dort-Hagenhusen-Verlag

Das Wild-, Wald- und Wiesenkochbuch von Marlisa Szwillus aus dem Dort-Hagenhusen-Verlag

Wildgerichte und das Sammeln und Verwerten von Pilzen und Beeren sind die ältesten Ernährungstmethoden der Menschheit. Wildfleisch enthält viel hochwertiges Eiweiß und liegt damit voll im Trend fettarmer, biologisch vollwertiger Küche. Pilze sammeln und Beeren pflücken ist wieder beliebt und nicht nur bei diesen (zudem kostenlos zugänglichen Zutaten) damit auch das Verwerten der natürlichen Rohstoffe. Essen, das Wald, Wild und Wiese hergeben, kann man besten Gewissens als Slow-Food bezeichnen – auch, weil schon der Weg zu diesen Produkten nicht durch Verkaufskniffe des Handels durch Flure der Supermärkte schleust und lotst und (ver-)führt, sondern in Wald und Natur und vor das Kochen, das Geniessen der Gerichte mit Slow Food den Genuss von Slow Foot setzt. Schritt für Schritt durch Wald und Wiese und Natur. Entschleunigung de Luxe. Ich habe selten in letzter Zeit ein Buch in die hand bekommen, das dazu so sehr und gekonnt verführt, wie diesen Band, der auch Zutaten wie Wildblüten und beinahe in Vergessenheit geratene Früchte nicht vergisst. Das Buch ist ein absoluter Favo-Tip, den ich zufällig hier in der Murnauer Bücherei an einem meiner ersten Tage hier entdeckte, als ich – ein bisserl net(t)-entschleunigt noch ohne Internet in der neuen Burg in der Bücherei darauf wartete,  den dortigen Internet-PC nutzen zu können. 7 von 7*.

Leseprobe als PDF hier.

Hardcover mit Schutzumschlag
Format: 22,5 x 27,7 cm, 208 Seiten
mit ca. 280 farbigen Abbildungen
Ladenpreis: € 24,95 (D), € 25,70 (A), CHF 37,90
ISBN/EAN 978-3-86362-001-1

Zum Buchtitel beim Verlag hier.

Zum Verlag selbst hier und bei FB dort.

Übrigens….. auch zu Nüssen und Walnüssen werden Sie dort fündig. Falls Ihnen noch Ideen fehlen sollten für…... diesen Event. Oder sonst.

Wer wissen will, welche Gemüse und Salate in diesem Monat aus dem Freiland auf Markt und Tisch kommen, findet das unter F bei einer meiner Lieblingsschmankerlquellen.   Bisherigen Schmankerlquellen. Bisherig, weil mir diese (noch) ein bisserl fehlt. Sie lag nur wenige Strassen von mir entfernt, in München. Und noch suche ich etwas ähnliches hier im Blauen Land. Gärtnereien gibt es schon. Aber….. Nun,  das erzähle ich Ihnen ein anderes Mal.  Sie haben jetzt sicher das eine oder andere mit den Schmankerln vor. Die heute auf Ihrem Speisezettel landen.

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