Fleischeslust ? ……Was Fleisch wirklich kostet

Kaffeehausstimmung © Liz Collet

 “Die große Mehrzahl der Dummen
wird von denen gebildet,
die durch die böse Gewohnheit,
ihr Denkvermögen niemals anzustrengen,
die Fähigkeit dazu verloren haben.”

John Locke

5 Uhr morgens, der Espresso steht auf dem Tisch – besser kann kein Tag beginnen, bevor das leise Geräusch des  ersten Morgenzuges etwas unterhalb der Burg die Stille hier am Rand des Naturschutzgebietes des Murnauer Mooses für Sekunden unterbricht. Vor ein paar Tagen habe ich   auf einer Fahrt im Zug zwischen Murnau und Garmisch ein nettes Gespräch zweier anderer Fahrgäste miterlebt, das sich rund um das Thema “Fleisch oder nicht Fleisch” drehte. Im Grunde kennt man die meisten Argumente der Verfechter beider Seiten. Neu sind allenfalls immer mal wieder die Berichte aus dem Medien über  Lebensmittelherstellung, Zutatenlisten von Lebensmitteln, Health Claims, Mastbedingungen und Klimaauswirkungen, usw.

Diese sind wichtig, sofern sie sachlich korrekt sind. Und man kann nur immer und immer wieder Verbraucher informieren – aber eben auch von ihnen verlangen, selbst mitzudenken und zu entscheiden und nicht alles zu konsumieren, nur es mehr Mühe macht. Jede noch so unverständlich formulierte Betriebsanleitung für Multimedia-Produkte, technische Geräte wird ausgiebig gelesen, bis sie halbwegs verstanden und das Hightechteil für den multimedialen Konsum in Betrieb gehen und rund um die Uhr mit der globalen Welt vernetzt online und medial laufend unterhalten kann. Mehr unterhalten als informieren, scheint es. Denn nicht ansatzweise derselben Mühe, etwas zu lesen, das sie täglich konsumieren, unterziehen sich eben nicht wenige Verbraucher. Foodblogs, Kochcommunities und -Foren suggerieren ein anderes Bild. Betrachtet man das aber über einen längeren Zeitraum, wie ich seit einigen Jahren und inhaltlich näher, zeichnet sich immer noch leider ein anderes Bild ab. Foodblogger mit “highlevel” performance sind da nicht repräsentativ, auch nicht ihre Gruppen, in denen sie bei FB et.al. vernetzt sind.

Noch absurder wirkt aber gelegentlich die Realität, die eben NICHT die Ausnahme ist: Kochduelle und -Shows anzusehen und nebenbei Fertiggerichte aus der Mikrowelle auf den Tisch zu bringen, bei deren Zutatenliste sich meine Nackenhaare sträuben. Fertiggericht ist nicht Fertiggericht und ich habe auch nichts gegen TK-Ware, nicht grundsätzlich. Aber ich achte darauf, was darin ist. TK-Gemüse ist nicht selten von besserer Qualität als discounter-Gemüse in der sog. Frischwarenabteilung. Kochen war und ist für mich immer auch Genuss-Zeit. Zeitersparnis per se ist für mich daher ein absolut sekundäres Kaufkriterium. Habe ich weniger Zeit, ziehe ich eine selbst und frisch zubereitete Gemüsesuppe einem Fertiggericht oder Fastfood allemal persönlich vor.  Die Unterhaltung im Zug der beiden drehte sich darum, wie wenig gut die Qualität von Lebensmitteln sei, es ging um Fleisch und seinen Preis und wo es am billigsten von ihnen eingekauft werde  usw. …. Und zu den Füssen der beiden standen ihre Einkaufstasche und -korb. Sie dürfen raten, wie hoch der Anteil der Fertigprodukte war, den ich dort sehen konnte und woher das Fleisch nach der Verpackung stammte. 😉

Was Fleisch wirklich kostet ist eine Frage.

Was es kosten muss, um gute Qualtität zu haben, eine weitere.

Mit der ersten beschäftigt sich dieser Beitrag.

Mit der zweiten sollten man sich beschäftigen – und selbst entscheiden, ob man eher bereit ist, mehr zu bezahlen und lieber nicht täglich Fleisch zu essen oder für weniges Geld geringere Qualität zu akzeptieren.

Ich bin weder Vegetarierin, noch mag ich auf  Fleisch verzichten – ich bin ein Fleischkatzerl. Jeder hat seine Grenzen. Aber es muss nicht täglich sein. Eine Woche kann daher beispielsweise so aussehen, wie die aktuelle Woche mit dem Menüplan:

Herzhaft gefüllte Pfannkuchen © Liz Collet

Montag:

Herzhaft gefüllte Pfannkuchen. Zugleich immer eine gute Gelegenheit, “Resterl” zu verwerten, zB vom Wochenende. Wenn es – als Dessert zum Samstags- oder Sonntagsessen – Crêpes oder Pfannkuchen gibt, werden 1 oder 2 mehr gebacken, aufgerollt oder unter Folie für Pfannkuchensuppe oder herzhaft gefüllte Pfannkuchen bis Montag gekühlt aufbewahrt.  #NoWasteOfFood

Kräuterbutter © Liz Collet

Dienstag:

Salz- oder Pellkartoffeln mit feiner hausgemachter Kräuterbutter und grüner Salat dazu – bunt aufgerüscht mit Radieserl.

Bei Pellkartoffeln am besten gleich mehr garen – und im Lauf der folgenden Tage dann für Rösti, Bratkartoffeln oder Gnocchi verwenden.
Fenchel © Liz Collet

Anders als in München, wo  Markttage Donnerstag bzw  Freitag bei Wochenmärkten sind  oder die Märkte am Freitag oder Mittwoch von mir genutzt wurden, ist hier in Murnau  immer ab 7 Uhr früh Markttag, sagen wir: halber Tag, denn gegen 12, 13 Uhr wird wieder abgebaut. Gute Gelegenheit für Frisches und Gemüse als gute Wahl für den Speisezettel. Spontankochen, je nachdem, was mir dort dann saisonal in die Finger kommt.

Reibedatschi mit Apfelmus © Liz Collet

Donnerstag:

Es ist Apfelerntezeit. Mit den richtig schön süss-säuerlichen mag ich das dann zubereitete Apfelmus am liebsten. Gute Gelegenheit zwischen dem Apfelmus-Kochen für ein Lieblingsessen – Reibedatsch mit Apfelmus :  Ich mag sie mit mehligen Kartoffeln und roh gehobelt. Sie können aber auch mit gekochten Pellkartoffeln vom Dienstag als Rösti zubereiten. Varianten mit grünem Salat und Radieserl oder Tomaten und Gurken dazu oder mit etwas selbst zubereiteten Kräutertopfen (Topfen, Schnittlauch, Petersilie, Salz, Pfeffer, Zitronensaft)

Tagliatelle Verde © Liz Collet

Freitag:
Da die Kräuter derzeit noch so hübsch wuchern und büschelweise zur Verfügung stehen, wäre “Pasta Verde” eine gute Idee für den Freitag. Die Tagliatelle oder Papardelle natürlich hausgemacht. Den Nudelteig  kann man – wenn man berufstätig ist – auch am Vorabend zubereiten oder frühmorgens für das Pastaessen am Abend. Mehr als Kräuter, etwas Nussbutter, Salz, Pfeffer und vielleicht etwas frisch geraspelten oder gehobelten Parmiggiano braucht es dazu dann nicht.

Reherl © Liz Collet

Samstag:
Früh aufstehen. Ab in den Wald. Und: Mit Glück und einem vollem Körberl vielleicht wieder zurück? Nicht jeder kann oder muss das, zugegeben. Wenn Sie aber lieber welche kaufen, dann sollten Sie auf das Herkunftsland achten. Das gilt natürlich für frische Ware ebenso wie für die getrocknete Ware bei Pilzen. Letztere scheinen teuer, sie sind aber aromatisch und man benötigt nur wenige Gramm. Von klein auf gewohnt an das eigene Trocknen von selbst gesammelten Schwammerl , nutze ich sie zwischendurch sehr gern. Meine Grossmutter breitete sie dazu im (Wäsche-)Speicher unter dem Dach des Hauses  auf einem grossen Holzbrett und auf Papier aus, wo sie langsam trocknen konnten und dann in gut schliessende Schraubgläser gefüllt und später verwendet wurden. Es waren nicht die einzigen Lebensmittel, die so konserviert wurden – auch Kamillenblüten beispielsweise wurden von uns gesammelt und kein gekaufter Kamillentee duftete und schmeckte wie dieser Kamillentee, wenn er frühmorgens aufgegossen in der Kuchl meiner Grosseltern stand, nachdem der Tag mit dem Einschüren des Ofens begann.

Was ich mit Reherl zubereite ? Die Liste ist unendlich , angefangen zB mit Suppe, Omelette, Braten und Spiegel- oder Rührei dazu, Pasta oder Serviettenknödl dazu oder etwas gebratener oder geräucherter Fisch.…. sind da nur Beispiele, deren Liste sich fortsetzen lässt. Schon mal hausgemachte Ravioli oder Maultauschen mit Pfifferlingen probiert?

Rosenstück © Liz Collet

Sonntag:
Da glüstl’s dann mal wieder nach was Gutem aus der Fleischkuchl, vielleicht so ein hübsches Rosenstück?

Draussen steht der Korb für den Markt bereit – mal sehen, was heute dort oder bei einem meiner Lieblingsmetzger des Vertrauens hier am Ort für das Wochenende Verführerisches für die Fleischeslust am Sonntag zu finden sein wird.

Und bei Ihnen so – im Wochenplan für den Menüzettel?

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