Unter unserem Himmel…… [1]

My First Steps © Liz Collet
My First Steps © Liz Collet

Im Regal sind sie noch immer zu finden. Die karierten Schreibhefte, in denen ich meine allerersten Rezepte sammelte. Aufgeschrieben, die Rezepte aus meiner Familie. Meine eigenen Ideen dazu und Änderungen. Und meine ganz eigenen natürlich. Dazwischen Ausschnitte von Rezepten mit Fotos aus Zeitschriften oder von den Tütchen mit Backpulver und Vanillezucker, die bei uns zuhause zu den Backzutaten gehörten.

Gelernt habe ich von Kind an vom Zusehen, Abschauen, Zuhören, Helfen, Mithelfen. Ob daheim oder wenn man zu Besuch war und so kam manches zusammen an Wissen über Rezepte und Familienrezepte, einfache Gerichte waren viele darunter. Gekocht, gebacken wurde nach Jahreszeit und nicht “saisonal”. Nicht mit “regionalen”, sondern schlicht mit Zutaten, die oft aus eigenen kleinen Gärten oder Gartenfleckerln stammten, die zum Haus oder zu den Mietshäusern hinter diesen für alle Mieter gehörten oder aus den Schrebergärten, die gepachtet waren.

Ich wuchs auf mit Schnuppern in Küchen in München, die je nach Familien und deren “dazugeheirateten” Familienmitgliedern kleine Fussnoten aus Berlin bei einem meiner Grossväter, viel Wurzeln und Rezepten aus der Pfalz, dem Elsass und dem Französischen bei meinem anderen Grossvater, hatten. Mit einer Kindheit mit ungezählten Tagen und Schnupper- und Genuss-Momenten natürlich im Allgäu. Im Oberland, im Pfaffenwinkel am Rande des Allgäus, wohin eine meiner beiden Grossmütter mit beiden Töchtern und ihren eigenen Eltern vor den Bombenangriffen meiner Isarmetropole umgezogen war. Und wo sie auch blieben, als mein Grossvater endlich wieder heimkehrte. Jener Grossvater mit den familiären Wurzeln in der Pfalz, dem Elsass und Frankreich, die sich noch in meinem Geburts- und Fotografennamen wiederspiegeln. Und in der Küche und der Art zu kochen und Rezepten, die ich von ihm lernte. Denn er war derjenige und der einzige von mehreren seiner Brüder gewesen, der dank einer lebensklugen Mutter erst weniger gern (Mann und Kochen?), aber doch seiner Mutter zuliebe kochen gelernt hatte.

Und der später froh war, dass er ihrem Rat gefolgt war: “Du weisst nie, wofür Du brauchen kannst, was Du gelernt hast. Lern’, was immer Du lernen kannst.”

Er war es, der nicht nur Kochen, sondern den Haushalt für eine nach Kriegsende todkranke Ehefrau und zwei kleine Töchter neben der Arbeit schaffte. Auch  später behielt er das Kochen bei, als meine Grossmutter allen ärztlichen Prognosen zuwider gesund wurde (Ärzte , Schwestern und Notfallsanitäter um Jahrzehnte überlebend) und wieder Kochen und Backen und für die Zutaten für beides aus der Natur und eigenen gepachteten Gärtchen sorgte, so wie beide vieles aus dem Wald an Zutaten sammelten.

Von meinem Grossvater wiederum lernte ich sehr viel. Von beiden – Grossvater und Grossmutter.

Grossvater © Liz Collet
Grossvater © Liz Collet

Ebenso wie man in Österreich kochte und backen lernte, wo eine meiner Grosstanten “hinüber geheiratet hatte”. 

Ländliche, einfache Küche, einfache, aber gute Zutaten waren in meiner Kindheit und Familie Alltag. Und die Fantasie und Kunst von Hausfrauen, aus wenig viel machen zu können. Vielerlei. Grosstanten und Grossonkel, die ausserhalb Münchens ein Häusl hatten mit Grund für Gemüse, Obstbäume, ebenso wie eine Grosstante in Pasing in einer Villa, deren Hintergarten Obstbäume wie Beerenhecken besass.

Was nicht verbraucht werden konnte und überhaupt wurde angebaut und bewirtschaftet, was immer möglich war und eingeweckt. Selbst gesammelt wurde, was Wald, Wiesen und Feld hergaben und je nach Zutaten getrocknet, eingekocht und in die Vorratskammern, -keller, -schränke und -speicher genommen und damit soweit gewirtschaftet, dass möglichst wenig zugekauft werden musste. Rezepte und Gerichte meiner Kindheit und mit denen ich nicht nur gross wurde, sondern die ich bis heute liebe und zubereite, müssen heutzutage wieder von Sterne- und Fernsehköchen eigens herausgezaubert werden, weil sie oft schon in Vergessenheit geraten sind. Foren von Kochcommunities spiegeln das in vielen threads wieder.

Mit Fragen wie “Meine Oma hat immer ein Gericht gemacht, das heiss soundso… leider habe ich kein Rezept mehr davon, weiss jemand das Rezept dazu.” Und nicht selten ist ebenso bezeichnend, dass mancher noch die Gerichte, aber eben auch keine Rezepte mehr dazu selbst kennt. Und manchmal – mit Glück – wird dann in Foren der eine oder andere doch noch fündig. Oder Stück für Stück und halbwegs wieder zusammengetragen und gebastelt, wie das Rezept vielleicht ungefähr gewesen sein könnte, Zutaten und Zubereitung.

Ein andere Fundquelle sind Beiträge wie der folgende. Und viele andere aus der Serie “Unter unserem Himmel”. Und vielleicht …….mag ich sie deshalb auch so gern, weil ich nicht selten dabei denke: Grad, als schaute ich ein bisserl zurück in die Küchen meiner Grosseltern, Grosstanten und Grossonkel und anderen Verwandten, deren Basen, Cousinen und Vettern und Cousins und anderen Verwandten und Bekannten, wo  ich als Kind genauso hauptsächlich  in der Kuchl und Stube war und mithalf , wie auf den Fahrten mit meinem Grossvater über Land. Wo wir zusammen in Hofkäsereien, bei Bauern, bei Hausbäckereien, Metzgern und anderen Schmankerlquellen, die er überall kannte, immer mittenrein schauen konnten, wo was und wie hergestellt, gebacken oder gekocht wurde. Woanders – hätte mein Grossvater nichts gekauft oder gegessen. Auch nach meiner Kindheit habe ich – wo immer ich hinkam – Studium, Beruf, Urlaub, Freizeit genau das kennengelernt, gesucht und besonders gern gemacht – Reinspitzen, reinschauen dort, wo – auch und eben grad – die einfache Küche, alte und überlieferte Rezepte herkommen und noch zu finden sind. Wie auch in Sendungem, die der BR  über “Dampfnudeln und Gewichste – Von einfachen Mehlspeisen”   am 05.06.2011 ausgestrahlt hatte.

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