Drive-In-Shopping und Social Life

Ich frage mich gerade, ob das nicht eigentlich ein Widerspruch in sich ist. Hinfahren/Durchfahren….und Heimlieferservice

“Erste Drive-In-Station von coop@home” das nämlich vermeldet zum Moment des duftenden Espressogenusses die Mitteilung von Coop in meinem Postfach. Man kennt das – der Handel liefert seit einiger Zeit Lebensmittel gern nach Hause. Der Begriff “Handelswege” hat damit eine eigene Bedeutung erfahren.  Und Erfahrungen damit habe ich bei einer meiner beiden Grossmütter mit dem Supermarkt gemacht, in dem sie zuvor viele Jahre selbst eingekauft hatte. Bis es aus gesundheitlichen Gründen schwierig für sie wurde, selbst überhaupt noch und vor allem allein einkaufen zu gehen. Da können Sie als Enkel noch so gut organisiert dafür sorgen, dass schwere Ware wie Milch und Saft und andere Vorräte immer im Haus sind. Es bleiben jene Kleinigkeiten, bei denen sie eben auch dann noch gern losstiefelte, als ich längst die “schweren” und “grösseren” Einkäufe besorgte. Weil eben auch im hochbetagten Alter nicht nur Kleinigkeiten gern frisch und nach Tagesglüstl gekauft werden, sondern der Weg zum Metzger für 50 g Wurst oder frische Weisswürste aus dessen hauseigener Herstellung oder zum Bäcker in Familienbesitz nicht nur wegen der dortigen besten Brezn oder Hörndln gemacht werden, sondern weil das auch der Teil des “Social Life” ist, den mancher heute gar nicht mehr so empfindet, geniesst und vermisst, der seines online aus-lebt. Überwiegend.😉
Irgendwann aber werden auch “ein paar Strassen weiter” zu lange Strecken. Und Hauslieferdienste des langgewohnten Supermarktes werden zu einer Alternative. Wenn der nette Mitarbeiter des Supermarktes dann noch aus der Bäckerei nebenan die dort schon parat liegende Mit-Bestellung des Gebäcks des Bäckerei-Familienbetriebes mitnimmt und -bringt, obwohl das quasi Konkurrenz ist, dann ist das – für mich und manche(n) “80 oder 90Plussies” gelebtes Social Life wie man es sich wünscht.

(Wie “man”….oder eben “little Lizerls” es zuwege bringen, dass solche Mitarbeiter oder die anderer Geschäfte sowas und auch noch gern machen, wenn man als Enkel das eben auch beim besten Willen nicht zeitlich immer und täglich selbst erledigen kann, ist eine andere Geschichte. Nur soviel: Sowas erreichen Sie nicht – wie vielleicht vermutet – mit baren Münzen. Die Währung für solche …………. kleinen Dienste und Netzwerke, bei denen nicht die Liste, die Zahl der Kontakte zählt, sondern die Menschen, mit denen man es – auf beiden Seiten –  zu tun hat, ist eine ganz  ganz andere. )

Zurück zur Coop-News. Ein Widerspruch ? Natürlich ist es das nicht. Sondern die Weiterentwicklung eines zielgruppengerechten Handels, der den Bedürfnissen des zwar allavailable und multitaskingfähigen und dauern unter online-Strom-und-Social-media stehenden Kunden entgegenkommen will. Wenn der zu ihm kommen soll und keine Zeit mehr hat, um auch durch den Markt zu laufen oder eben nur nach Hause liefern zu lassen. Bestellung online, Abholen des Einkaufs im Vorbeifahren, die Ware wird servicehalber in den Kofferraum gepackt. Für manche scheint das verlockend.

Die Idee des Drive-In gibt es also nun auch beim Coop Online Supermarkt für Lebensmitteleinkäufe. Die neue Dienstleistung von coop@home will besonders Pendler mit eigenem Fahrzeug ansprechen, die in der näheren Umgebung des Drive-In arbeiten und nicht genug Zeit haben, tagsüber selbst in den Laden zu gehen. Sie können beispielsweise in der Mittagspause online ihre Bestellung tätigen und flexibel nach Arbeitsende abholen. Der sorgfältig gepackte Einkauf werde in der bedienten Drive-In-Station am Sihlquai 306 bei der Swissmill in Zürich kostenlos in den Kofferraum geladen. So sei der Online-Einkauf noch flexibler und das Einkaufen sozusagen «im Vorbeifahren» erledigt. Damit reagiere Coop auf das Kundenbedürfnis nach mehr zeitlicher Flexibilität.

Bis 14 Uhr online aus einer Auswahl von 13000 Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs bestellt, kann der Einkauf schon ab 16:30 Uhr am Drive-In abgeholt werden. Bedient wird die Station von Montag bis Freitag von 12:00 bis 20:00 Uhr. Der Mindestbestellwert beträgt 100 Franken, der Service ist franko Kofferraum gratis. Weitere Details siehe die Meldung von Coop hier.

Ich bin sicher, der Plan noch mehr solche Standorte zu schaffen, wird seine Interessenten und Kunden und damit auch Realisierung finden…..

Ob das was für mich wäre? Sie erraten es….. MIR würde da was fehlen. So lange ich noch selbst und auf eigenen Beinen lostraben und mir in meinen Bäckereien, Metzgereien und Supermärkten, Wochenmärkten etc gern selbst schnuppernd, spazierend, Ware ansehend schon den Einkauf geniessen mag. Aussuchen, Appetit machen lassen. Wenn ich nicht mehr die Zeit für mich selbst mir nehmen wollte, könnte, selbst auszusuchen und zu kaufen, …………? Da würde mir schon ein wichtiger Teil des Genusses fehlen, der bereits Muße und nicht Arbeit oder Pflicht oder Last ist. Sinnlicher erster Teil dessen, was Essen und was man darunter versteht und was dazu gehört als Life Style und Lebensgenuss, als Moment 4 Me eben zum eigenen Selbstverständnis gehört. Nun gehöre aber ich eben auch zu den Menschen, denen es auch nach einem 14 Stunden-Tag im Büro nie zuviel Arbeit gewesen wäre und war und ist, sich noch etwas frisch zuhause zuzubereiten. Für mich wie für meine Lieblingsmenschen. Denn bereits da fängt für mich Erholung und Abschalten an. Und auf dem Weg, den Minuten vorher beim Einkauf. Oder dem Einkauf in der Mittagspause, die ich lieber beim Schlendern über einen nahegelegenen Elisabeth- oder anderen Markt verbrachte oder verbringe, als in einer Kantine, im Office oder online.😉 Alles eine Frage der Prioritäten und der eigenen Zeiteinteilung. Dann bleibt auch genug Zeit, nicht nur am Laden vorbeizufahren, sondern auch noch reinzuhüpfen. Solange man noch hüpfen …oder eben gehen kann. Und abgesehen von der eigenen Wahl und Schnuppern, was es im Laden so gibt und mich “angankelt” (Appetit macht, Anm. d. Red.😉 ) , würde mir auch das Plaudern mit den Mitarbeitern fehlen, das eben auch ….. Sie ahnen es…. wie bei meinen Grosseltern eben die kleine tägliche Prise ist, die den Unterschied zwischen Erledigen und Erleben bedeutet, zwischen Lust und Last dessen, was so nachrangig wird. Im Umgang mit Lebensmitteln und der Zeit, Echtzeit, Realzeit mit Menschen im eigenen Lebensumfeld. Globalisierung ? Die Welt ist klein, FB beweist das wie andere “social life-Reviere” täglich? Virtuell….. scheinbar. Doch Beziehungen, die auch eine kleine Prise lebendige Bereicherung täglich und real und lebendig und überlebens-fähig bedeuten, wollen auch ein Gesicht vis-à-vis im Gespräch und nicht nur im Dialog. Wer den Unterschied von beidem noch nicht empfindet, ist vielleicht schon älter als 90 oder muss es erst werden😉 Allavailability……….. mag für manche erstrebenswert sein, die noch nicht merken, dass das zwar schnell und rud um die Uhr, aber nur eine oberflächliche und sehr reduzierte Menüwahl öffnet. Mit wenig  Substanz über oberflächliche Vernetzung hinaus, wenn sie nicht wechselseitig Bedürfnis hat, braucht und lebt, sich auch auf Augenhöhe und im Leben wirklich zu begegnen und ….. zu erleben.

Und sich ….. auch beim Einkauf noch immer sehr entgegenzukommen. Bei dem, was Kunde braucht und wie diese täglichen kleinen Freuden und Bedürfnisse eben auch entgegenkommend erfüllbar bleiben. Für jede Generation und jedes Alter.  Vielleicht mag ich aber – nicht erst und nicht nur in meinen eigenen Bäckereizeiten, sondern vorher und auch seither – einfach noch immer lieber ein “Schön, dass Sie hereinschauen”, wenn der Laden betreten wird und nicht nur ein “onlinehineinsehen” und lieber als ein “Drive-In” das in Wahrheit nur noch ein Vorbei-Fahren ist. 😉

“Man kennt sich………..”……. kann Inhalt haben – oder einfach nur einen Link für die Einkaufslistenposten.

Einen heiteren Tag – und…… geniessen Sie Ihren Einkauf. So ….oder so. Und – schauen Sie gern wieder mal herein …..😉

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