Extreme Down-Levelling Food-Budget – Das Oktober-Experiment

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Wann immer man sich mit Food beschäftigt, seiner Qualität, seiner Herkunft usw, kommt man irgendwann einfach auch nicht um die Frage der Kosten dafür herum. Berufsbedingt landet das Thema zudem in anderer Weise ebenfalls seit vielen Jahren ebenfalls immer wieder einmal auf meinem Schreibtisch, auch jenseits jenes juristischen Blogs mit der §§-Arbeit. Natürlich ist und wäre es wünschenswert, wenn jeder  für Lebensmittel sowohl Budget als auch Bereitschaft und Einstellung dazu hätte, lieber mehr Geld in gute Ernährung zu investieren, als in mehr oder weniger unumgängliche andere Aufwendungen. Aber man muss nur mal vergleichen, was Menschen an der Kasse des Elektronik- und Medienfachhandels locker “locker machen” und wie mürrisch sie mit dem Preis all dessen umgehen, was sie an der Lebensmittelkasse zahlen – und erst recht zahlen müssten, wenn sie dabei bewusster auswählen würden. Oder mit welcher Heiterkeit sie – sei es mit PKW oder sonst – Wege zum Elektronikfachhandel nehmen, auch wenn er nicht um die Ecke liegt….aber keine 2000 m weiter gehen oder radeln würden, um in einer Gemüsegärtnerei beim Hofverkauf einzukaufen, anstelle in einen der näher gelegenen Discounter zu gehen. Wenigstens für frisches Gemüse zu einem keineswegs teurerem Preis, schon gar nicht bezogen auf den Qualitätsvergleich.

Hier schüttle ich innerlich nicht selten erstaunt den Kopf bei der Beobachtung der Prioritäten, die Menschen bei ihren Geldausgaben setzen.

Aber das mal beiseite gelassen, worüber sich in diesem Zusammenhang trefflich und bestens diskutieren lässt und womit man bei mir offene Türen einrennen würde.

Denn völlig abgesehen davon, ob und wie sinnvoll und effektiv und real wirklich das vorhandene Geld dafür eingesetzt wird – ohne Frage muss ein Mindestbudget dafür erst mal da sein – nein, das wird jetzt keine Diskussion über die Höhe und Angemessenheit von Hartz IV-Budgets. Aber so weit weg davon ist das Thema nicht, Anlass war für mich aber eher ein anderer Gedankenweg:

Schon vor geraumer Zeit kreuzten Fotos vom Inneren von Kühlschränken meinen Blick und Fotos aus aller Welt, in denen Familien, Paare oder auch Singles ins Bild gerückt gezeigt hatte, was sie für 1 Woche an Lebensmitteln zur Verfügung haben und benötigen oder verbrauchen. Es wäre aber wenig reizvoll, das einfach  nachzumachen. Mich interessiert etwas anderes, nämlich:

Was, aber, wenn man einmal eine andere Frage  stellt: Mit wie viel …..oder viel mehr, mit wie wenig Budget könnte man finanziell auskommen, wenn man mal ganz ganz ganz extrem das Budget herunterminimiert?

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Aus meinen eigenen Studentenzeiten weiss ich durchaus, mit wie wenig ich da zT über Wochen hauszuhalten verstand und verstehen musste, da jeder Pfennig erst mal durch jobben verdient werden musste. Derlei Erfahrungen sind nicht unnützlich, egal mit welchem Budget man später umgehen kann und zur Verfügung hat.

Unter der Prämisse, so wenig wie irgend machbar, an Geld dafür im Portemonnaie zu haben – wie würde ein solcher Monat aussehen? Diese Frage kam jüngst in mehr als einer Hinsicht auf den Tisch. Berufsbedingt. Aber auch bei dieser Gelegenheit: Vor ein paar Tagen hatten wir bei einem unserer „meet & eat“ –Treffen  mit 8 ausser mir anwesenden weiteren Personen darüber ein Gespräch. Die Themen drehten sich nicht nur, aber auch wegen Erntedank und wegen des Films  “Taste the Waste” um Fragen wie die,  ob und was an Lebensmittel vergeudet oder weggeworfen wird oder wieviel Geld für gute oder nicht gute Lebensmittel ausgegeben wird oder werden müsste und anderes mehr.

Nachdem ich bei einigen Argumenten eingewandt hatte, dass das doch eine Klage auf mehr als hohem Niveau sei und es für nicht wenige Menschen erst mal um Budget geht und gehen muss und erst sekundär dann um Frage, wie BIO und wie sonst vorzugswürdig Wahl der Ware bei Einkauf ist, egal ob sie es jenseits von Budget anders machen würden oder auch nicht, war ich  keineswegs überrascht über manche Einwände. Und auch darüber dass das jeder könne, egal mit welchem Budget. Und auch nicht überrascht über die Beträge, die dabei als vermeintliches  absolutes Minimum / Person / Monat genannt wurden, um einen solchen Monat zu überbrücken, wenn man mal vom Minimum an Kosten für Ernährung ausgehe, bevor man darüber diskutiere, was “zuviel” an Nahrungsmittelkosten sei. Von 150 bis 500 Euro PRO PERSON und Monat war so ziemlich alles dabei. Es war eine äusserst lebhafte Diskussion. Bei der es bunt gemixt quer durch alle Argumente, Begründungen, Gründe ging, wie es zu solchen Schätzungen oder Berechnungen kam. Nun ist es eben ein dehnbarer Begriff, was wirklich ZWINGEND und als ABSOLUTES Minimum sein muss, um einen Monat über die Runden kommen zu können. Als Kind lernte ich: Man muss sich nach der Decke strecken und sein Geld einteilen. Ich lernte das vor allem von den Frauen in meiner Familie und von meinem Grossvater mütterlicherseits, WIE man das am besten macht. Und fügte eigene Methoden dazu, die ich mir selbst nach und nach überlegte und aneignete.

Die Quintessenz war (und ist es unverändert):

  1. Man kann sich nur nach der Decke strecken, die man hat.
  2. Wenn das nicht genug ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten:

2.1.

Geld sparen und einsparen. Schlicht: Verzichten und Unterscheiden lernen, was wirklich unerlässlich, unverzichtbar nötig ist und was nur verzichtbarer Wunsch.

2.2.

Geld hinzuverdienen – oder das, was man braucht, anders “verdienen”.

Im Laufe des Abends kam erst halb scherzhaft eine Art Wette auf:

Wenn man nur das, was man gerade jetzt zum Monatswechsel im Portemonnaie hat, für den gesamten nächsten Monat Oktober zur Verfügung hätte, …… was dann?

Es entspann sich ein wenig Debatte hin und her über die weiteren Regeln, denn diese Beträge variierten deutlich und als eine protestierte, dass sie ja kaum noch 100 Euro bei sich habe und ich (ja, wer sonst😉 ) spitzbübisch konterte, damit sei sie geradezu reich genug, um mehr als einen Monat auszukommen, wenn es nicht anders ginge, lag der Hut im Ring.

Und die Regeln wurden festgelegt wie folgt:

  1. Jeder von uns hat als Budget an GELD nur das, was er ab diesem Abend im Portemonnaie hatte.
  2. Es darf kein Geld abgehoben, keine Zahlung  per Ec-Karte oder Kreditkarte zur Zahlung verwendet werden, Finanzbudget ist nur was im Geldbeutel eben noch da ist.
  3. Gekauft wird davon: Essen und Getränke. Egal wo konsumiert oder zubereitet. (Ok, Ausnahme: Wer in dem Monat zum Essen eingeladen wird,muss das nicht ansetzen, was er damit erspart, aber Durchfüttern lassen woanders gilt nicht. Ehrenkodex!)
  4. Aus dem häuslichen Vorrat (Speisekammer, TK) darf verwendet werden, was vorhanden ist, es wird aber alles notiert und auch der dafür anzusetzende Preis erfasst.
  5. Nahrung aus der Natur ist erlaubt, soll aber nach Art und Menge ebenfalls natürlich erfasst werden, soweit mit Marktpreis vergleichbar auch dieser notiert; Möglichkeiten der Ersparnis sollen ja durchaus bei diesem Testlauf einbezogen und etwaige neue mit kennengelernt werden.
  6. Ziel ist sowenig wie möglich, von dem Barbetrag im Portemonnaie und auch insgesamt unter Einrechnung der im Haushalt bereits vorhandenen Lebensmittel an Geldwert im Oktober auszugeben.
  7. Ziel ist nicht: Hungern, Diät, sondern selbstverständlich Sattwerden mit dem, was dabei auf den Tisch kommt. (Jedem ist aber freigestellt, ob er einen Vorher-Nachher-Effekt auf seiner Waage ebenfalls erfassen will; Allerdings nicht als Diätaspekt, sondern unter der Überlegung, ob etwaige Änderung von Einkaufs- und Essverhalten in einem Monat eine Veränderung egal in welche Richtung mit sich bringt. Wer zB Süßes nicht kauft und isst um im Budget zu bleiben, ändert ja auch etwas. Und bei Fastfood-Experimenten in TV-Dokumentationen hat man derlei ebenfalls erfasst, wobei Gewichtszunahmen schon nach weniger als 1 Monat festgestellt wurden).

Die in Ziff. 4 enthaltene Regelung war rein praktisch gesehen erforderlich: Erstens geht es um ökonomischen Einsatz der vorhandenen Lebensmittel, die in jedemHaushalt irgendwie immer vorhanden sind, keiner lebt mit leerem Vorrats-, Eis- oder Kühlschrankfach. Und zweitens besteht kein Sinn darin, für das Experiment   Nahrung zu vergeuden  (im Gegenteil), noch quasi labormässig gleich den Haushalt zunächst auf Null für alle zu fahren. Denn durch die Erfassung von allem, was verwendet wird und dem dafür erforderlichen Preis, wird es ebenso erfasst, als würde es erst im Oktober mit dem noch im Geldbeutel vorhandenen Budget gekauft.

Ob und wer den Monat überhaupt durchhält, …..? Man wird sehen.

Testlauf : 1.-31. Oktober 2011.

Das nächste meet & eat haben wir in der ersten November-Woche. [Eine seufzte erleichtert, die schon im Hinterkopf rechnete, wieviel ihr von ihren rund 170 Euro davon gedanklich sonst aus dem Budget geflutscht wären ;-))) ]

Fazit des Testmonats ? Nach der Schluss-Runde und nach diesem eat&meet dann hier spätestens in der 2. November-Woche.

Ja, ich bin selbst gespannt – und verrate noch nicht, mit welchem Startgeld ich ins Rennen dabei gehe, auch das wird dann nach dem Testmonat aber natürlich verraten – Bisschen Spannung darf und muss schon sein.

😉

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