Indiskutabel

Zucchiniblüten, Zucchini und Serviettenknödl © Copyright  Liz Collet
Zucchiniblüten, Zucchini und Serviettenknödl © Copyright Liz Collet

 

Es gibt zwei Gerichte, die ich in keiner Gaststätte oder keinem Restaurant der Welt essen würde, bei einem der beiden Gerichte würde ich nur bei einem einzigen Koch eine Ausnahme machen.

Die beiden – bei durchaus vielen beliebten Gerichte (ich gönn’s jedem, wenn er’s mag – und wie es so schön heisst:  “wenn’s schee macht”) – spannen  einen Bogen entlang des Längengrades durch dieses Land zwischen

Süd und Nord und heissen Labskaus und Obazda. Diese beiden Gerichte, die in Restaurants oder Läden bereits aussehen wie “schon einmal gegessen”, haben bestenfalls unter diesen Voraussetzungen eine Chance, von mir gekostet zu werden:

  • wenn ich sie selbst zubereite,
  • weiss was reinkommt,
  • wenn ich weiss, wann es bereits hergestellt wurde
  • wie es zubereitet wurde.

Mir ist dabei auch völlig gleichgültig, wer mir wie treuherzig und glaubwürdig über seinem eigenen Teller versichert, dass es „subba“ oder „suuuuuper“ mundet. Da bin ich kompromisslos. So kompromisslos, dass mich mal jemand halb scherzhaft und – als ich konsequent blieb – ungläubig ernsthaft und leichtsinnig auf die Nagelprobe zusteuernd fragte, ob ich nicht mal bei Familie, Freunden oder einem Herzensallerliebsten eine Ausnahme machen würde, wenn……..  Meine Antwort ? …. Na, Sie dürfen gerne raten.

Und was ich speziell zum Obazdn schon vor Augen bekommen habe, hat lange, sehr lange sogar davon abgehalten, überhaupt selbst einen zubereiten zu wollen. Ein paar no-go’s für mich sind die Folgenden – und mir ist so was von wurscht, ob das im angeblichen und eh nicht sicher verbürgten wirklichem Originalrezept oder aus Tradition so ist, denn schmecken soll er mir. Und denen, die es von mir serviert bekommen. Und das den Augen und dem Gaumen und auch dem Magen.

Absolute No-Go’s:

  • Käsereste mag ich auch im Obazd’n nicht. Schon die Tatsache, dass ich keine Wirtschaftsresterl neu aufserviert bekommen mag, ist der Grund, warum ich ihn nie in einer Wirtschaft essen würde. Verwendet wird bei mir Camembert oder Brie oder anderer Weichkäse.
  • Wenn ich Lust auf ein Bier hab, trink’ ich’s. Aber ich schütt’s nicht in den Obazdn. Malziger oder leicht herber oder bitterer Geschmack muss für mich da nicht extra rein. Leicht herbe Note kann ich mit dem Käse und mit seiner Wahl erzielen. So kann man gern statt Camambert auch mal einen Obazd’n mit einem Romadour, einem Limburger oder anderen kräftigeren Weichkäsen zubereiten. Und eine aromatische Note durch die weiteren Zutaten, wie Kräuter etwa. Ich habe gar nichts gegen Alkohol in manchen Gerichten als Aroma. Und wenn ich einen Obazd’n wie in einem meiner Rezepte mit Birnen- oder Apfelstücken zubereite, ist gegen einen Schuss Birnenschnaps oder Cidre zum Aromatisieren nichts zu sagen. Bier aber mag ich nicht drin haben. Nennen Sie es mein persönliches Reinheitsgebot😉
  • Salzbrezln und Salzstangen mag ich weder zerbröselt noch „dekorativ“ in den Obazd’n reing’steckt haben oder serviert bekommen. Und wenn Laugengebäck, dann bitt’schön frische, goldbraune Brezen, Laugenmuggerl , Brezen-Zöpferl oder -Stangerl. Aber kein Brezndauergebäck.

Alles kann, nichts muss – gilt dafür bei diesen Zutaten, wie bei allem sonst im Leben:

  • Kümmel kann, muss man aber nicht reingeben und wenn dann nicht unbedingt in ganzen Kerndln (die ich durchaus mag), Prise gemahlen tut’s auch. Nicht jeder mag ihn aber und so sollte man ihn für die Nicht-Kümmeligen einfach separat für sich selbst zum Drüberstreuen dazugeben.
  • Zwiebeln machen den Obazd’n erstens leicht bitter und sind auch für mich persönlich nicht der Kick, auch wenn ich Zwiebeln sonst liebe. Beim Obazd’n ziehe ich Zwiebelschärfe und –Würze mit Lauch vor: Frühlingslauch, Frühlingszwiebeln, Schnittlauch, je nachdem was grad da ist oder in der Dachgartenlaube am besten wuchert und worauf ich am ehesten Gusto hab. Die werden fein geschnitten und entweder teilweise druntergemischt oder drüber gestreut.
  • Gern hab ich Streifen von Kapuzinerkresseblättern, Kresse, Radieserl- oder Rucolakresse drin und drüber.
  • Kleine Prise Salz, mittlere Prise Cayenne, tüchtige Prise schwarzer Pfeffer aus der Mühle.
  • Spritzer Zitronensaft kann je nach weiteren Zutaten ebenso gut passen, wie etwas Abrieb der Zitronenschale.
  • Paprika? Wenn schon, dann nicht der dabei meist Übliche süße, sondern der hübsch Scharfe – bei mir eher keiner, dafür s.o. Cayenne
  • Butter ist für viele ein Muss. Bei mir nicht. Meiner Meinung nach war er im sog. Originalrezept aus vielleicht zwei Gründen drin: um die Käsereste geschmeidig zu machen und als Geschmacksträger für deren Aromen. Da Camembert eh schon nicht grad kalorienunterfüttert ist, muss man nicht unbedingt auch noch Butter dreingeben. Wenn überhaupt würde ich persönlich ganz zuletzt unter die Mischung 1 Tl Nussbutter mengen, wenn ich ihn mit leicht ankaramellisierten Walnüssen oder Mandeln oder mit oder an Birne oder beidem serviere und zu richtig dunklem Bauernbrot. Sonst eigentlich nicht.

Lieblingsrezept ist dieses (Zutaten für zwei Personen)

1 Camembert, sparsam entrindet (Mancher lässt’s dran, meine Gäste stehen eher nicht drauf, ich auch nicht), in Würfelchen geteilt

150 g Frischkäse

2-3 EL Sahne oder Milch

6-8 Radieschen, geputzt, gewaschen, gestiftelt

1 Stück Gurke, ca 10 cm lang, ebenfalls gestiftelt

4-5 El fein geschnittene Schnittlauchröllchen

4-5 mittlere oder 5-6 kleinere Kapuzinerkresseblätter, in feine Streifen geschnitten

Kleine Prise Salz, mittlere Prise Cayenne, tüchtige Prise schwarzer Pfeffer aus der Mühle.

je nach Geschmack nach dem Mischen des Obazd’n noch einen Spritzer Zitronensaft kann je nach weiteren Zutaten ebenso gut passen, wie etwas Abrieb der Zitronenschale.

Zutaten vermischen und abschmecken. Bloss ja nicht den Käse pürieren, wie in manchen Rezepten geschrieben wird – man sollte in der Konsistenz schon noch Stücke des Camemberts auf die Zunge bekommen und nicht nur einen einzigen Käsematsch. Wenn der Käse länger vor dem Servieren zubereitet wird, Gurken erst zuletzt drunter geben, sie ziehen sonst etwas Flüssigkeit nach und machen den Obazdn zu weich.

Passt gut zu :

  • Vollkornbrot, Tomaten, Bratkartoffeln, Pellkartoffeln, gebackenen oder Folienkartoffeln, Tomatensalat, Blattsalat,
  • Radicchio und Chicoree (kann in deren Blättern als „Schiffchen“ gut auch gefüllt als Fingerfood serviert werden),
  • zu leicht angebratenen Zucchini-Scheiben oder Längshälften,
  • zu ofengebackenem Kürbis,
  • zu gedünstetem Kohlrabi (in Scheiben oder kleine Kohlrabi, die ausgehöhlt und nach dem Dünsten mit dem Obazd’n gefüllt sofort serviert werden),
  • zu Rote-Beete-Carpaccio,

Eine interessante und leckere Kombination ist auch die mit einem gegrilltem oder gebratenem Steak und auch mit  Geflügel (gebratene Hühnerbrüstchen, zB)………..darüber kann man gern mit mir diskutieren😉

Zucchiniblüten, Zucchini und Serviettenknödl © Copyright by Liz Collet

Bildquellen als RFL bitte click hier oder hier für  mehr Infos

und als diverse Prints bitte hier clicken für Details oder auch da

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