Omelette Springtime

Omelette © Liz Collet
Omelette © Liz Collet

Sagen Sie nie einfach Rührei dazu. Ein Omelette zu bereiten ist kein Hexenwerk. Aber eine hohe Kunst. Glauben Sie nicht? Könnte man glauben, Julia Child zuhört und zusieht. Vielleicht steckt aber

auch einfach nur die Liebe im Detail. Wie bei jeder Arbeit. Und – bedenken wir, welchen eigentlichen inhaltlichen, zeitlichen und funktionellen Anteil es in unserem Leben hat oder wenigstens haben sollte – doch eben auch im Essen. Und seiner Zubereitung.

Omelette mit Salat, Karotten und Roter Beete© Liz Collet
Omelette mit Salat, Karotten und Roter Beete© Liz Collet

Dabei sind  selbst mit einem Rührei ganz besonders schwierige Esser selig zu machen: Mediziner. Im Allgemeinen. Chirurgen im Speziellen. So jedenfalls meine Erfahrung während rund 12 Jahren Kongressarbeit, im In- wie Ausland. Ob beim Hotelfrühstück oder dem Kongress-Lunch oder dem Dinner des Rahmenprogramms. Das Rührei holt Sie ein. Immer wieder. Bei manchen mit Selbstironie gewürzt. Die dann buchstabengetreu und theatralisch begabt Loriots Szene mit den Knollenmännchen und dem Frühstücksei wiederzugeben verstehen. Und pflegen. Als fänden Sie derlei Pingeligkeit selbst urkomisch. Um im nächsten Augenblick von einem Koch zu schwärmen, der ihnen irgendwann “auch bei Frühstücksbuffet” – m.a.W. also auch unter härtesten Bedingungen – “das perfekte” Rührei zubereitet habe: nicht verrührend, nur zur Mitte und bissi hierhin und dahin schwenkend, schiebend (!) und so garend, dass es nicht mehr glibberig, aber cremig soft und weich und saftig gewesen sei. Und und und. (Sie verzeihen mir das Kürzen der vielfach gehörten Schilderungen). Das Rührei aber war: Perfekt eben.  Leider können selbst Chirurgen solche Köche nicht aus Kuba mit nach Hause nehmen. Da müssen dann wir ran, Mesdames et Messieurs.

Omelette  © Liz Collet
Omelette © Liz Collet

Also…üben …üben…üben. Und dann klappt es auch mit dem Rührei, und sogar dem Omelette und … dem einen oder anderen Chirurgen. Oder anderem Liebhaber. Der feinen Küche. Und in der gilt ja auch: Fantasie  zaubert. Kreatitivität fesselt. Und:  Simply is best.

Eier garen, braten, verlieren, pochieren, zu Baiser, Biskuit, Parfaitbasics, Zabaione und anderem zu perfektionieren, kann man lieben. Und lernen. Manchmal mit so Kleinigkeiten, wie dem Braten von Spiegeleiern auf eher provisorischen Kochplatten.Wie in den ersten beiden meiner Studienjahre in einem Zimmer auf der Donausinsel in Regensburg, als dieses Foto kurz nach meinem Einzug in das Zimmer entstand, zu dem eine einzelne Kochplatte   auf einem niedrigem kleinen Kasterl gehörte. Ein Kühlschrank stand im Badezimmer der Wohnung und wurde dort gemeinsam mit den Herren der vier anderen einzeln, nicht als WG, vermieteten Wohnung genutzt. Das Zimmer hatte einen unschlagbaren Blick auf die “Skyline” der Regensburger Altstadt und Dom und hohe Räume, wie das der Jugendstilära entsprach und entsprechend hohe Fenster und Oberlichter, war mit Bett, Kleiderschrank, Küchentisch, Schreibtischchen, Küchenstuhl (für den Schreibtisch) und einem Regalschrank ausgestattet. Mit anderen Worten: Allem, was ich  als Studentin brauchte zum Glück.

Erste eigene kleine Küche© Liz Collet
Erste eigene kleine “Küche” – eine elektrische Herdplatte © Liz Collet

2 Jahre später zog ich in ein winziges Appartment um, das eine “Mini-Einbauküche” im winzigen Flur besass, bestehend aus einem kleinen (endlich eigenem!) Kühlschrank, Spüle, 2 (juchu!) Herdplatten und Hängeschränkchen darüber. Luxus pur.

Nicht was man hat, sondern was man daraus macht, ist bei Food wie immer sonst, der kleine Unterschied zwischen Nörgeln und Geniessen.  Selbst wenn man nichts anderes hat. Vor allem dann, wenn man nichts anderes hat.  Sie wissen ja: es ist kein Problem, mit edelsten und teuersten Zutaten alles zu verderben. Aber eine Kunst, aus den schlichtesten Zutaten Genuss pur zu machen. Auf dem Gaumen. Für den Moment des Geniessens. Ich habe bei mir und übrigens auch bei einigen anderen Foodliebhabern in Blogs und auch sonst schon lange festgestellt, dass es zu den erholsamsten Dingen gehört, selbst und gerade an den beruflich oder sonst turbulenten Tagen dennoch zu kochen. Oder zu backen. (Erst recht). Man kann ja nicht immer eben mal einen kleinen Segeltörn hinlegen, um sich etwas Auszeit zu nehmen. Kochen ist Auszeit. Gleichgültig wie simpel die Zutaten sein mögen. Gleichgültig wie spät es sein mag.  Und selbst in einer max. 1stündigen Mittagspause im Office. Man muss nicht bis zum letzten oder den letzten Tag warten, um sich das zu gönnen 

Omelette © Liz Collet
Omelette © Liz Collet

Wie wichtig das sein mag – mit den allerwenigst verschnickelten Schickifoodies, sondern den ganz simplen, scheinbar unscheinbaren Zutaten und Rezepten, das lassen Sie sich doch  bei Gelegenheit einmal von Ruprecht Schmidt erzählen.  Oder lesen es. Hier zB. Warum die für welche er kocht, es – auch – so lieben ? Seiner Schilderung nach auch deswegen, weil sie  wissen und spüren: Solange sie essen, leben sie.

Denken Sie mal drüber nach und dann gilt vielleicht auch:

Solange Sie essen und essen geniessen und seine Vor- und Zubereitung, solange leben Sie. Mit Genuss.

Omelette (für 1 Person)

3 Eier, 1 El Milch (manche mögen lieber Wasser), 1 Prise Salz, 1 Prise Pfeffer, verquirlen. In Pfanne Stück Butter schmelzen, aber nicht bräunen. Eier hineingiessen, einseitig bei milder Temperatur braten, dabei schwenkend (Sie wissen schon, wie hier bei Julia Child) und dann entweder pur auf den Teller und frische Kräuter darüber. Oder an und mit weiteren Zutaten. An Salat Ihrer Wahl. Rote Beete, Karotten, Tomate, Gurke, Zucchini, etc. Mit etwas Fisch – wie zB gedünstetem oder gebratenem Lachs, mit Stücken von Räucherfisch wie Forelle oder Saibling – oder mit Pilzen. Oder Gemüse.

Spielen Sie !

Mit Kräutern wie Kresse, Schnittlauch, Petersilie, Basilikum, Kerbel, Koriander. Oder mit Schärfe wie einer Prise Cayenne, geraspeltem Meerrettich, Radieschen. Und wenn Sie mögen, mischen Sie unter die Eier vor dem Garen in der Pfanne 1 Tl bis 1 El fein geraspelten Parmiggiano. Oder streuen Sie diesen kurz vor Ende des Garen  über das Omelette.

Das Spiel mit Möglichkeiten macht die Vielfalt und den Genuss. Im Kleinen.

 

4 comments

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s