Kernig

Mein Grossvater © Liz Collet

Eine der verschiedenen Frühstücks-Varianten, die ich als Kind besonders im Winter bekam, waren Haferflocken in einer Dessertschale, mit je 1 Tl Kakao (ja, klar, der von Suchard) und 1 Tl Zucker darüber und dann heisse Milch darauf gegossen.  Sie standen schon fertig auf dem Küchentisch, wenn wir aus dem Bad kamen. Je nachdem wie fix nach dem Aufgiessen der Milch wir  am Frühstückstisch ankamen (sprich: wer fixer und vor der jeweils anderen von uns Schwestern im Bad war), desto weicher waren die Haferflocken bereits. Ich mochte sie nicht, wenn sie schon weich waren. Und noch weniger mochte ich Haut auf Milch oder Kakao. Schon gar nicht auf Haferflocken. Also musste ich fix vor den anderen  im Bad sein, um mein Frühstück anschliessend richtig  zu geniessen. Was nicht immer gelang.  Obwohl ich da bereits anfing, mich zur Frühaufsteherin zu entwickeln. Wenn auch noch lange nicht soooo früh, wie es heute der Fall ist. So oder so. – Haferflocken waren also nur teilweise mein Fall.

Bis ich irgendwann in einer der Ferienzeiten diejenigen entdeckte, die mein Grossvater kaufte. Und die er mit mir teilte, als ich wieder mal in den Ferien allein bei ihm und meiner Oma war. DIESE hier nämlich. (Dort habe ich übrigens eine recht interessante Liste von Rezepten entdeckt, Durchklicken lohnt sich.) Kernige. Kernige Haferflocken.

Und die gab es bei ihm nicht mit Kakao und Zucker. Sondern mit einer Handvoll Rosinen und einem über die Flocken geträufelten Löffel voll leckeren Landhonigs, den er wie so vieles auf den Fahrten mit dem bordeauxrotem R4 da kaufte, wo er die besten Schmankerl fand. Das galt für Honig nicht anders als für Brot, Käse, Gemüse, Fleisch, Wurst und anderes. Gegen den damaligen Mainstream gab es bei ihm daher auch nicht den Honig aus dem Lebensmittelmarkt mit demjenigen Markennamen, der heutzutage beinahe schon mehr Menschen für seine Eis- als für seine Honigprodukte bekannt ist. Sondern verschiedene Honigsorten eines Imkers seines Vertrauens. Bei dem er mit eigenen Augen sah, wie der Honig hergestellt wurde. Und ich daher auch.

Nichts gegen Marken (ich wuchs ja — wie Sie sicher auch — mit vielen und ihren Produkten auf, die man heute noch mag und auch bei meinen Grosseltern gab es einige, die sie überzeugten und denen sie treu blieben, WENN sie sie überzeugten) – aber Markengläubigkeit ohne auch den Blick jenseits von Werbung und auf anderes, das man vielleicht besser finden und entdecken kann gab es dadurch und vor allem durch meinen Grossvater  schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bei mir.

Bei meinem Grossvater lernte ich die ganz dunklen Honigsorten kennen, die für Waldhonige typisch sind. Woher ihre dunkle Farbe kommt, dass es Tannenhonig, Lindenblüten- und Kamillenhonig oder andere Blütenhonige u.v.a.m. gibt. Und die helleren Honigsorten. Die Unterschiede von Honig nach Farbe, Transparenz und Konsistenz, nach Herkunft von jeweiligen Bäumen und Blüten und die unterschiedliche Süsse oder geringere Süsse und andere Geschmacksfeinheiten und -unterschiede kennen. Es gibt Menschen, die nur den weichen fliessenden und durchsichtigen Honig mögen. Und mit dem hellen, cremigen Honig nichts anzufangen wissen.  Während ich schon als Kind lernte und wusste, welchen Honig ich lieber auf mein Butterbrot habe, von welchem ich gern mal einen Klecks im Kamillen- oder anderem Tee mochte (als ich Tee noch süsste) oder in einer heissen Milch am Abend. Auch noch zu Zeiten meines Studiums in Regensburg, nachdem ich dort spätabends in meine Studentenbude kam – nach dem mehrmals wöchentlichem Schwimmtraining im Uni-Schwimmbad nach Schluss der Unibibliothek um 21 Uhr und vor Schwimmbadschluss um 22  Uhr.  Duschen und heisse Milch mit Honig zum wohligen Aufwärmen nach dem winterlichen halbstündigem Fuss- oder etwas kürzerem Radweg nach dem Schwimmen durch das gern nebelige Regensburg – Genuss pur.

Und es gibt einen Lieblingshonig für meine morgendlichen Haferflocken.

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Haferflocken, Milch, Honig und Rosinen Porridge © Liz Collet

Über die wurde von meinem Grossvater DANN und auch erst dann, wenn ich am Tisch sass,   die heisse Milch gegossen. Und ich g-e-n-o-s-s  es, dann mit dem Löffel sacht die Flocken und Rosinen und den Honig unter der Milch zu vermengen, bis sie genau die Konsistenz hatten, die ich mochte: ein bisschen weich, aber in der Mitte der Flocken noch kernig. Und die Milch noch heiss genug, um ohne Haut der erkaltenden Milch und mit einem wohligen Vergnügen zu frühstücken.

So vergnügt, dass es selbst mir fast schwer fiel, die Füsse nicht von meinem Platz auf der Eckbank gegenüber dem Holzkohlenofen unter dem Tisch zappelnd baumeln zu lassen, einfach aus schierem, ungetrübtem Vergnügen, ….les petits plaisirs.

Während ich Löffel um Löffel naschte. Glück im Leben ? Das …….sind manchmal nur die richtigen Zutaten. Und wie man sie serviert. Und Grossväter, ….Grossväter, die sich auf vieles ……….und auch auf das beides verstehen.

🙂

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