Herbstschnickelchen III: Für die Teestunde

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Muss ich wirklich noch bis Mitternacht…?

(warten…….fällt an Geburtstagen manchmal wirklich schwer).

Nein, es gab und gibt bei uns Guglhupf nicht erst oder nur im Herbst oder Winter. Und auch nicht nur an Geburtstagen. Und heute ist auch nicht mein Geburtstag. Aber:  Bei mir könnte es ihn eigentlich immer geben, denn er ist absolut “Top of all” unter meinen Lieblingskuchen und zwar der ganz klassische, wie ich ihn seit meiner Kindheit kenne und liebe. Mit Rumrosinen.

Bei uns hat er eine über Generationen zurückreichende Tradition, wie auf dem

Bild vom Ostersonntag 1936 zur Verlobung meiner  Grosseltern zu sehen ist, auf dem er ebenfalls nicht fehlen durfte.

Verlobungsguglhupf

Traditionsreiche Geschichte unseres Guglhupfs

Wenn ich dieses Bild mit meinen Grosseltern über meinem Arbeitstisch hier sehr gern (und immer mal aus vielerlei Gründen betrachte), bereitet es schmunzelnd (ich gestehe das durchaus) auch Freude, mir vorzustellen, was sie wohl sagen würden, wüssten sie, welche Karriere Guglhupf durch die Generationen bei mir inzwischen machen, hier beispielsweise bei einem von vielen Unternehmen und Bereichen – der Rezepte, der Fotografie, der Werbung.

Unter den Menschen, die heute Kuchen mögen, scheint es eine Grobaufteilung in zwei Kategorien zu geben: Solche, die Rührkuchen aus der Form oder auch vom Blech (wie Streuselkuchen) als “trockene Kuchen” wahrnehmen und alle anderen Kuchen mit Cremes, Obst, Sahne etc. vorziehen. Und solche, die wie ich zwar auch andere Torten oder Kuchen mögen, aber “ihre” Sandkuchen und Rührkuchen oder Hefezöpfe und anderen “trockenen” Kuchen lieben. Ein Geburtstag ohne meine Guglhupf wäre keiner. DA könnte ich auf jede noch so schöne Torte verzichten, wenn der Guglhupf fehlten sollte. Er ist Tradition. Und noch mehr: Passion. Und während ich den Klassiker mit Rosinen liebe, ist es für dbmS der Marmorguglhupf und für andere liebe Menschen gibt es ebenso jeweils ein Rezept ganz für sie und nach ihrem persönlichen Geschmack entwickelt. Und dann eben an ihrem “Ehrentag” frisch gebacken. So haben sich inzwischen einige Dutzend eigene Guglhupfrezepte bei mir angesammelt, die deswegen creiert und oft gebacken wurden.
Trocken ? Mitnichten. Das mag aber auch teilweise an Rezepten liegen, manchmal werden zu kleine Eier verwendet oder bei der falschen Temperatur oder zu lange gebacken oder ..oder …oder. Auch je nach Backform habe ich schon unterschiedliche Ergebnisse festgestellt. Als ich kürzlich gefragt wurde, wieviele Guglhupfformen ich denn hier besässe,  erntete ich leichtes Erstaunen bei meiner Antwort.  Ganz so viele wie auf den Bildern (siehe unten) sind es dann aber nicht…. noch nicht ganz. Doch sammelt sich halt das eine oder andere an, in unterschiedlichen Materialien und Grössen.

Bei den wunderschönen elsässischen Keramiken, unter denen ich natürlich auch bei meiner Tour “Lizchen goes Alsace – Dans les Pays de mon Grandpère” wieder gern und nur zu gern stöberte und (gestehe es) fündig wurde, geraten Guglhupfrezepte aussen eher hell gebacken.

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Meine persönliche Lieblingsbackform ist  die emaillierte Guglhupfbackform, aus der sich – was manche ja immer fürchten – der Kuchen auch völlig problemlos lösen lässt.

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Marmor-Cappuccino-Mandel-Guglhupf

In meiner Kindheit gab es drei verschiedene Guglhupf-Rezepte:  ein klassischer mit Rosinen, ein Marmorguglhupf und der Nussguglhupf. Die abwechselnd und abwechseln mit anderen Kuchen und Torten gebacken wurden.  In keinem der drei damaligen Guglhupfrezepte  fehlte damals je die Flaschenkappe Stroh-Rum, die von Ausflügen nach Österreich mitreiste und mit in den Teig gegeben wurde. Und dessen Aroma besonders im dunklen Teig des Marmorguglhupfs und im Nussguglhupf den Geschmack verfeinerten. Während es die beiden erstgenannten Rezepte auch unter’m Jahr gab, war der Nussguglhupf frühestens in den ersten Herbsttagen und dann den Winter über auf dem Kaffeetisch zu finden.  Es gab ihn abwechselnd mit anderen Kuchen als “Einläuten des Wochenendes”, das freitags immer schon seinen Platz hatte, wenn  mein Vater eine Stunde eher als an anderen Tagen vom Dienst kam und später, wenn ich selbst bereits mittags oder am frühen Nachmittag freitags  das Büro schloss und  eher als an anderen Tagen dbmS von Kindergarten und Schule abholte.  Guglhupf, besonders Nussguglhupf ist eng verbunden mit Sonntagskaffeezeit und dem Besuch von Grosseltern und Grosstanten und -onkels bei uns daheim und dem Aroma von Kaffee in der Stube. Und wer von diesen lieber schwarzen Tee trank, mochte das eine oder andere Mal dann an kalten November- und Dezember-Tagen und wenn wir alle gemeinsam von langen Spaziergängen zuvor zurückkamen, von manchen Schneeballschlachten und Enten-, Gänse-, Schwäne- und Mövenfüttern an einem der drei Seen bei uns, auch noch einen Schuss dieses Rums in den Tee. Der sich dann rötlich in der Tasse stehend färbte. Natürlich nicht bei uns Kindern. Mein Tee leuchtete rötlichorange – ich trank ihn damals am liebsten mit einem Schuss Zitronensaft. Der Tee stand dann im Herbst in der Kanne auf dem Stövchen und der Blumenschmuck war bunt von leuchtenden Blumen und Laub und Beeren. Nussguglhupf ist daher immer auch heute noch für mich Auftakt für die gemütlichen Herbst- und Wintertage. Und am liebsten nach vorheriger Frischluftvergiftung. So wurde er auch heute wieder einmal gebacken und es duftet hier nach frisch gemahlenen Haselnüssen, nach ofenfrischem Nussguglhupf und – diesmal – ein wenig nach dem Amaretto, den ich anstelle des Rums hinzugefügt habe.

Lizchens Nussguglhupf

Zutaten:

250 g Butter, 4 Eier (je nach Grösse), 250 g feiner Zucker, Mark einer Vanilleschote oder 1 P. Vanillin,  1 P. Salz,  450 g  Haselnüsse fein gemahlen, 120 g Mehl, 1 P. Backpulver,  3 El  Rum (mind. 54% Pott oder 1 El  80% Stroh Rum), ca 1/4  l Milch.

Puderzucker zum Bestäuben
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Zubereitung :
Butter zerlassen, leicht abkühlen lassen, mit Zucker, Vanille schaumig rühren, Eier nach und nach zugeben, Salz,  Mehl mit Nüssen und  Backpulver  gemischt zur Hälfte zugeben, dann den Rum, sowie die Milch dazugeben, dann den Rest Mehl darunterrühren.

Der Teig soll nicht flüssig sein, sondern leicht reissend vom Kochlöffel gehen.

Teig  in eine gebutterte und mit Mehl ausgestäubte Guglhupfform geben,Kuchen bei 175° Elektroherd, bzw 155° Umluftherd ca 45 Minuten backen, Stäbchenprobe !!!
Kuchen sofort auf ein Kuchengitter umstürzen.

TIP: Wenn sich der Kuchen nach dem Stürzen auf das Kuchengitter nicht LEICHT löst, ein Geschirrtuch unter sehr kaltes Wasser halten, durchtrönken, auswinden und auf die Kuchenform legen, ca 2-3 Minuten darauf liegen lassen, danach löst sich der Guglhupf problemlos.

Nach dem Erkalten mit Puderzucker bestäuben,….

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Marmorierter Cappuccino-Mandel-Guglhupf

Wer Nüsse nicht mag oder verträgt, hat vielleicht an diesem marmoriertem Cappuccino-Mandel-Guglhupf noch mehr Freude. Rezept zu diesem dann am nächsten Freitag. Sie wissen schon – zum Einläuten des Wochenendes😉

© Copyright Rezepte, Bilder und Texte by Liz Collet
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Fragen? Gern, auch per Mail.

3 comments

  1. sag mal hast du gugelhupf auch schonmal mit reismehl oder maismehl gemacht? wenn ja wie wird der und wie schmeckt das so?

    lg fio
    ps super so einen blog hab ich noch gesucht😉

  2. Ich bin immer dankbar für ein bewährtes, schönes Rezept! Deins wird gleich morgen – fürs Wochenende🙂 – ausprobiert. Auf die Mandel-Cappuccino-Version bin ich auch schon gespannt!

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