Tee, Teegebäck und Teatime mit Alten Schätzchen

Teegebäck © Liz Collet

Dorothée von bushcooks kitchen wünscht sich alte Schätzchen.

Und meint damit Rezepte aus alten Schätzchen von Kochbüchern. Zu denen zähle ich persönlich alle Bücher, die Rezepte beinhalten. Also auch Kalte Küche, Backbücher und sogar Büchlein zu Küchengeräten, wenn darin auch mehr als nur ein,zwei Rezepte enthalten sind. Das konnte man teils früher durchaus antreffen.

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Ein Garantieschein und die Rechnung zu einem ESGE Zauberstab #7705 zum damals durchaus schon stattlichen Preis von 89 DM bei der Licht- und Kraftanlagen G.m.b.H in der Weinstrasse 7 in Schongau vom 27.1.1962 belegt das Alter des Buches: Die in eben dem 104 Seiten umfassendem Büchlein “ESGE Zauberstab der Hausfrau – Arbeitsanleitung und Rezepte” lagen. Das seinerseits beschreibt “nur” auf 22 Seiten mit Bildern und Texten, wie man das Gerät benutzen soll. Lesbar auch in normaler Schriftgrösse und weit entfernt von kaum 1mm grossen Betriebsanleitungen anderer Geräte heute, die woher auch immer stammend zu Lowbudget zu bekommen sind.

Jenes Gerät wurde vor meiner Geburt angeschafft. Ich “erbte” erst einen gebrauchten von der einen meiner beiden Omas, die ihn nicht mehr verwendete.

Später, während meiner Studienzeit, als jener dann den Geist aufgab, nach Jahrzehnten Arbeit, legte ich mir meinen ersten eigenen zu. 1985. Sie dürfen drei Mal raten, was er kostete: 89 DM.

Viel teurer ist die Basisversion des heutigen ESGE Zauberstab noch immer nicht. Trotz weiter unverwüstlicher Qualität. Meiner tat wiederum 21 Jahre seinen Dienst. Bis er in Rente gehen musste. 2006.

Auf den übrigen Seiten des Büchleins finden sich Rezepte quer durch die Kategorien von den Vorspeisen bis hin zu Desserts und sogar Säuglings- und Kleinkindernahrung, jeweils mehrere Rezepte pro Seite, dafür nicht ganz so viele Bilder, was den Rezepten keinen Abbruch tut, unter die sich auch “Rezepte aus aller Welt “mischen mit zT lustigen Titeln wie “Wüstensand” aus Finnland. Ein Rezept für Spritzgebäck.

Wüstensand © Liz Collet

Vermutlich auch aus diesem Büchlein stammt wohl ein Rezept, das wir als Kinder gern als Mittagsgericht nach der Schule bekamen: 250 g Quark, 1/8 l Milch, 40 g Zucker, ein Packerl Vanillezucker und 1 Eigelb verrühren – fertig.  Meine Mutter mischte noch  Rosinen darunter. Das Rezept findet sich im Bücherl unter “Quark- und Käsegerichten” und lief bei uns daheim seinerzeit als “Quarkspeise”.

DbmS liebt seit seinen Kindesbeinen die Variante ohne Zucker und Vanillezucker, dafür mit grob gehackter und geraspelter dunkler Kuvertüre.

Es wäre sicher ein Spass, eine ganze Reihe dieser ESGE Rezepte aus jenem alten Büchlein heute nachzukochen oder zuzubereiten. Mit einem neuen Gerät.

Ein weiteres meiner Alten Schätzchen ist Großmutters Kochbuch mit 2165 Rezepten, dessen Cover der Spruch ziert

“Und bist du noch so zickich, Dein Schweinebraten macht mich glicklich”

(Kein Tippfehler!). Das Original und die erste Ausgabe stammten von 1894 und meine Münchner Grossmutter (Jahrgang 1913) besass ein solches, in dem ich immer gern blätterte. Zu meiner eigenen Heirat bekam ich dann von ihr einen Faksimiledruck nach jenem Original, der 1987 gedruckt worden war. Ein Buch, das ich allein schon wegen seiner sage und schreibe 181 Suppenrezepten liebe. Denen im Buch dann sog. “Kleine Plättchen nach der Suppe und Beilagen zum Gemüse” folgen. Fazinierende Gerichte und Rezepte wie “Gebratener gespickter Hecht” finden sich darin ebenso wie “Hohlkippen mit Schlagrahm” und “Lerchen in Kästchen”  oder “Frikassierte Kalbsmilchlein mit Krebs in einer offenen Butterpastete” oder “Gesulzter gefüllter Wildschweinkopf”  und “Spanische Blättertorte” oder “Neapoletanische Torte”. Zwischen all diesen exotischer als heutige Gerichte anmutenden Rezepten sind ungezählte ganz schlichte, ganz solide und einfache, preiswerte und solche Gerichte zu finden, die mancher damals und seither eher als “Armeleute”-Essen bezeichnen würde.  Und ungezählte Klassiker, bei denen man noch “Basics” lernen kann. Oder lernen, wie mit preiswerten und Restezutaten schmackhaft gewirtschaftet werden kann.

Das Alte Schätzchen, aus dem ich heute aber für den Event von Dorothée ein Rezept herausgesucht habe, ist einer meiner One and Ever Klassiker. Dr. Oetker ‘s Backbuch. Das ist mir schon seit Kindheit vertraut. Aber es blieb in meinem Elternhaus. Auch Mütter brauchen ihre Rezeptbücher. Und keine der späteren neuen Auflagen von Dr. Oetkers Backbuch konnte mich seither überzeugen, anders mit anderen Backbüchern aus dem Hause Dr. Oetker.

Und so besass ich lange keins mehr. Stattdessen blieb es lange bei meinen handschriftlichen Notizen über einige Rezepte aus jenem Backbuch, die eben häufig gebacken werden bei mir. Das änderte sich vor ein paar Jahren in einem kalten, sehr kaltem  Winter.

Da bekam ich “mein eigenes Exemplar”. Auf ganz unerwartetem Weg.

Der Termin für einen meiner Vorträge hatte mich für die Ärztekammer und zu einer Vortragsveranstaltung an die Uniklinik Eppendorf in ein eiiiisig kaltes, verschneites Hamburg geführt. Nun liebe ich Schnee und Kälte und Winter. Aus dem Radisson Hotel hat man bei solchen Winterweiss-Tagen und Nächten übrigens einen hübschen Ausblick auf Hamburg – es ist höher als die anderen zentral gelegenen Hotels und ideal für traumhafte Ausblicke.

Ich plante nach der Anreise noch eine kleine Runde in der City ein für ein paar Fotos vor und nach dem Vortrag und der Rahmenveranstaltung. Doch dann wartete eine Überraschung am Ausgang der Uniklinik.  Statt meiner nächtlichen Fototour durch Hamburg wurde daraus Zeit für einigen spätabendlichen und nächtlichen Unfug in Hamburg. Alster bei Eis und Schnee und Nacht. Wettbewerbe im Eiszapfen von Schiffen abschiessen mit Schneebällen gehört un.be.dingt. dazu. Und einiger Unfug und einige  Überraschungen mehr.  Im Alex wieder aufwärmen bei was Heissem in der Tasse. Und leckere Ofenkartoffeln dort morgens um 3 Uhr. Und Ausblick auf Alster geniessen.  Sie wundern sich, was ich alles morgens um 2 oder gar 3 Uhr bekomme, wo andere um 1 Uhr bereits rausfliegen? Ich mich manchmal auch.  ;-)

Und dann — blieb ich noch “ein bisschen länger” in Hamburg als eigentlich geplant.

In einer hübschen hanseatischen Küche, in der ich in den folgenden Tagen dann auch Kaffee und anderes kochte und auch Kuchenteig rührte, entdeckte ich im Regal – meinen Augen kaum trauend – ein Duplikat jenes Backbuchs von Dr. Oetker.

Hanseatische Überraschung © Liz Collet

Es durfte mich auf dem Rückflug nach München begleiten. “Besuchsweise”. Der Backbuchbesuch dauert noch an. ;-)

Eines der ganz schnellen Teegebäckrezepte für ganz besonders kalte Tage mit Schnee und nach nächtlichen oder anderen Schneeballschlachten und -Spaziergängen nicht nur in Hamburg zu schönem s-t-eifem Grog, Eiergrog, Tee, Punsch, heisser Schokolade oder Glühwein habe ich aus diesem Buch als “Altem Schätzchen” herausgesucht. Ich habe davon heute nur die Hälfte der Rezeptportion gebacken, nämlich:

250 g Mehl
1 gestrichenen Tl Backpulver
75 g Zucker
1 Vanilleschote, das Mark davon (im Originalrezept: 1 Tütchen Vanillezucker)
1 Ei
125 g Butter oder Margarine
1 Eigelb, 1 El Milch
2 El gehackte Mandeln

Aus Mehl, Backpulver, Zucker, Vanille, Ei und Butter Teig herstellen, zu Rolle formen und kleine Stücke jeweils zu Kugeln formen, leicht flachdrücken und auf Backblech mit Backpapier legen. Backofen auf 175° vorheizen. Eigelb und Milch verquirlen. Mit Pinsel die Plätzchen bestreichen und mit gehackten Mandeln bestreichen, dann backen, bis sie goldbraun sind. Aus dem Ofen nehmen, abkühlen lassen und dann geniessen. Wunderbar mürbes Gebäck.

Teegebäck © Liz Collet

Sie können sie auch ohne das Eigelb, Milch und gehackte Mandeln bestrichen und bestreut backen und dann mit zerlassener Kuvertüre halb bestreichen oder in diese eintauchen. Oder statt 250 g Mehl das Teegebäck mit 200 g Mehl und 50 g fein gemahlenen Mandeln backen und mit Nussglasur bepinseln oder sprenkelnd damit glasieren.

Blog-Event LXXXII - Alte Schätzchen (Einsendeschluss 15. November 2012)

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